Vivien Hammer bringt Arbeit und Familie unter einen Hut
Alles Logistik: Beruf und Baby

Wenn Adrian in der Kita ist, macht seine Mutti Vivien Hammerl ihre Ausbildung. Bild: sbü
 

Viele wissen es nicht. Eine Berufsausbildung kann auch in Teilzeit absolviert werden. Sogar während der Ausbildung kann die Arbeitszeit verändert werden. Für Alleinerziehende oftmals die ideale Lösung.

Adrian wird bald drei Jahre alt und seine Mutti steht kurz vor dem Ausbildungsabschluss als Fachkraft für Lagerlogistik. Wer die Vorgeschichte nicht kennt, findet daran nichts Außergewöhnliches. Doch nicht alles verlief so geradlinig, wie es heute aussieht. Am Anfang stand die Schulabsolventin Vivien Hammerl, die, wie sie uns erzählt, "ziemlich lustlos" im Jahre 2009 die Mittlere Reife an der Max-Reger-Schule in Weiden ablegte.

Ausbildungsplätze waren rar und ohnehin wusste Vivien damals noch nicht so genau, welchen Beruf sie wählen sollte. "Ich habe viel ausprobiert, von der Kinderpflegeschule bis hin zur IT-Fachschule." Für den Lebensunterhalt sorgten ja die Eltern. Um dennoch etwas Geld zu verdienen, begann Vivien eine Tätigkeit als Kommissioniererin bei Conrad Electronic in Wernberg. In der Personalabteilung wurde man auf sie aufmerksam. "Der Personalchef bot mir einen Ausbildungsplatz an." Vivien begann 2011 zunächst eine Lehre als Groß- und Außenhandelskauffrau, "weil mich die Logistik aber schon immer faszinierte", wechselte sie in die Ausbildung als Fachkraft für Logistik. Das Berufsleben der jungen Frau schien also in geordneten Bahnen zu verlaufen. Doch es kam anders als geplant: Sie wurde schwanger. Adrian war unterwegs. "In der Logistik durfte ich nicht mehr arbeiten, deshalb wurde ich freigestellt." Zusammen mit der Elternzeit verstrichen fast zwei Jahre, und sie überlegte, wie es weitergehen soll. "Im Internet las ich über Teilzeitausbildung." Conrad Electronic war auch sofort bereit, die Ausbildung in Teilzeit fortzusetzen.

Sechs Stunden pro Tag verbringt Vivien Hammerl in ihrem Ausbildungsbetrieb. Berufsschulzeiten im Blockunterricht absolviert sie in Regensburg. "Meine Mutter bringt dann Adrian zur Kita und holt ihn." Jetzt steht die junge Mutter vor der Abschlussprüfung. "Es war stressig, aber es hat funktioniert", sagt die 23-Jährige heute.

Für ihren Ausbildungsbetrieb ist sie voller Lob. "Adrian war öfters krank und ich musste zu Hause bleiben. Da dachte ich, die werfen mich raus." Conrad Electronic hielt immer zu ihr.

Leider noch recht selten


Heute verläuft das Leben der Alleinerziehenden in geordneten Bahnen. Eigene Wohnung, Adrian ist von 8 bis 14 Uhr in der Kita und seine Mutti macht bald ihre Abschlussprüfung. Selbstsicher und beruflich gereift schaut Vivien auf ihre derzeitigen Schulnoten: "Bis zu vier Stufen bin ich heute besser." Und sie schmiedet bereits Weiterbildungspläne.

Noch sei Teilzeitausbildung "eine seltene Ausnahme", sagt Ausbildungsberater Karl-Heinz Lex von der IHK Regensburg. Auch Monika Reichel, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des Jobcenters Weiden-Neustadt, bestätigt, dass es schwierig es ist, Ausbildungsbetriebe für Teilzeitausbildung zu finden. Dabei ist diese Ausbildungsmöglichkeit bereits seit gut zehn Jahren im Berufsbildungsgesetz verankert.

Voraussetzung dafür ist, Betrieb und Auszubildende einigen sich auf eine wöchentliche Arbeitszeit zwischen 20 und 30 Stunden. IHK, Jobcenter und Arbeitsagentur wollen Arbeitgeber ermuntern: "Gerade junge Eltern sind meist hochmotiviert und verantwortungsvoll."
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