Vogelgrippe sorgt für Stallpflicht für Geflügel
Ab in den Stall

Bundesweit bereitet die Vogelgrippe nicht nur den Behörden große Sorgen. Auch in der Oberpfalz herrscht mittlerweile Stallpflicht. Bild: dpa
 
Die Vogelgrippe verbreitet sich auch in Bayern. Oberpfälzer Züchter müssen das Geflügel im Stall lassen. Das gefällt den Tieren gar nicht. (Foto: Gerhard Götz)

Die Vogelgrippe breitet sich auch in Bayern weiter aus. Seit Freitag gilt deshalb allgemeine Stallpflicht für Geflügel. Die Oberpfälzer Geflügelhalter sind noch nicht panisch. Aber dem lieben Federvieh stehen schwere Zeiten bevor.

Die Hühner schmollen. Das lassen sie den Geflügelhalter auch spüren. "Die Viecher sind gestresst. Also fressen sie erst mal nicht, und legen auch nicht mehr so viele Eier", sagt Renate Metzner, die einen Freilandhof in Hahnbach (Kreis Amberg-Sulzbach) führt. Seit sie von der Verordnung erfahren hat, richtet sie Ställe her. "Das Problem sind die Weihnachtsgänse. Die können wir noch nicht schlachten. Wir verkaufen nur frische Ware." Die Gänse wohnen in einer Maschinenhalle, die Maschinen stehen draußen. "So ist das jetzt halt. Zum Schutz der Tiere muss man einfach handeln."

Das bedeutet für Familie Metzner einen erheblichen Mehraufwand. Normalerweise halten sie Enten, Hühner und Gänse ausschließlich draußen, die Tiere versorgen sich am eigenen Weiher mit Wasser. "Jetzt legen wir überall Gartenschläuche aus, damit die Tiere trinken können. Ich will gar nicht dran denken, wenn es jetzt noch kälter wird und die Schläuche einfrieren." Die Geflügelhalterin sorgt außerdem mit eingestreutem Stroh und Karotten für Abwechslung. "In so einer Halle ist das Aggressionspotential natürlich höher. Auf der Wiese gehen sie sich aus dem Weg."

Dass die Kunden wegbleiben, glaubt Metzner nicht. "Die Leute sind natürlich verunsichert. Wir nehmen die Sorgen ernst und stehen Rede und Antwort." Auch Eva Bieber vom Bio-Geflügelhof in Floß (Kreis Neustadt/WN) befürchtet nicht, dass die Kunden keine Geflügelprodukte mehr wollen. "Wir verkaufen nur Eier und die Kontrollen sind gut. Bei uns ist kein krankes Tier." Sie macht sich eher Sorgen um ihre 3000 Hühner. Die sind es gewohnt, täglich ab 10.30 Uhr aus dem Stall gelassen zu werden. Jetzt müssen sie im Hühner-Wintergarten bleiben. "Sie sind mit Maschendraht geschützt, können aber trotzdem rausschauen."

Problematisch wird das nur, wenn die Sonne reinscheint. "Die Hühner wollen sich sonnen und quetschen sich alle auf den sonnigen Fleck." Deshalb bringt Bieber einen Sonnenschutz für ihre Hühner an. Auch langweilig soll es den Tieren möglichst nicht werden, da sie sich sonst gegenseitig picken. "Mein Mann verteilt extra Strohballen, hängt Tannenzweige auf und streut öfter Körner." Bieber hält die Stallpflicht für absolut sinnvoll. "Die Stallpflicht ist besser, als dass die Tiere draußen krank werden", sagt sie.

Nicht artgerecht


Geflügelzüchter Hans Kühn aus Tirschenreuth hält seine 200 Hühner sowieso im Stall, "für die ist das kein Problem". Seine 100 Gänse sind es allerdings gewohnt, jeden Tag raus zu gehen. "Wir haben genügend Platz im Stall. Aber sie müssen sich auf das Füttern drinnen einstellen." Kühn bewertet die Verordnung nicht nur positiv. "Ständig wird artgerechte Haltung gepredigt. Jetzt müssen wir unsere Tiere einsperren." Er überlegt, seine Gänse bald zu schlachten. "Normalerweise schlachte ich in der Woche vor Weihnachten frisch. Aber die Tiere sollen sich nicht verletzen, vielleicht ist es besser, jetzt zu schlachten." Auch Richard Merl, Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins Schwandorf, sieht die Verordnung mit gemischten Gefühlen. "Es ist gut, weil die Tiere geschützt werden. Allerdings gab es auch schon in hermetisch abgeriegelten Ställen Vogelgrippe. Und mit artgerechter Tierhaltung hat das nichts mehr zu tun."

Merl befürchtet, dass bald auch die Geflügelmärkte verboten werden. Momentan ist das noch nicht der Fall. Der Schwandorfer Geflügelzuchtverein veranstaltete am Wochenende eine Zuchtschau in der Kreisstadt. "Wir stellen keine kranken Tiere aus", sagt Merl. Gesprächsthema war die Stallpflicht auf dem Markt trotzdem.

"Die Stallpflicht ist wichtig und richtig", ist sich Peter Huber vom Bayerischen Bauernverband in Regensburg sicher. "Wir müssen alles tun, um die Krankheit zu stoppen." Für manche Betriebe sei das schwer, weil sie zu wenig Platz hätten. "Aber die Vogelgrippe darf nicht in den Bestand kommen. Die Folgen wären dann schlimm, auch in finanzieller Hinsicht." Dem stimmt auch Dr. Werner Pilz vom Amberger Veterinäramt zu. "Die Tiere müssen geschützt werden. Und in der Regel wäre es besser, gleich die Geflügelmärkte auch zu verbieten." Die Ausbreitung der Krankheit müsse unbedingt verhindert werden. "Wir fahren auch rum und schauen, ob alle betroffenen Tiere in den Ställen sind", sagt Pilz. Bei Nichteinhalten droht ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren.

Neun Landkreise betroffen


Das Landesamt für Gesundheit bestätigte am Montag in Erlangen die Vogelgrippe-Variante H5N8 in neun Landkreisen und Städten. Darunter sind Nürnberg, Ingolstadt sowie die Landkreise Landshut, Lindau, Starnberg, Rosenheim, Traunstein, Miesbach und Freising. Verdachtsfälle gibt es in den Landkreisen Augsburg, Ostallgäu, Rottal-Inn, Neuburg-Schrobenhausen und Weilheim. Für den Menschen ist der Erreger ungefährlich.

Die Hühner wollen sich sonnen und quetschen sich alle auf den sonnigen Fleck.Geflügelhalterin Eva Bieber
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