Vor 80 Jahren errichteten die Nazis bei Weiden einen Feldflugplatz
Als der Krieg in Maierhof landete

"Wenn ich es nicht aufgeschrieben hätte, wäre nichts da", sagt Fritz Heiß, Autor der Familienchronik. In der ländlichen Idylle von Maierhof erinnert nichts mehr an die militärische Episode. Bilder: cf (2)
 
Winterliche Szene vor der ländlichen Kulisse von Maierhof mit einem zweimotorigen Junkers-Bomber, einem Doppelsitzer-Hochdecker und einmotorigem Schulflugzeug. Bild: privat

Die riesige ebene Fläche westlich von Weiden ruft vor knapp 80 Jahren - 1936/1937 - die Nationalsozialisten auf den Plan: Sie bauen bei Maierhof (Rothenstadt) einen militärischen Feldflugplatz, einen sogenannten Fliegerhorst. Dafür beschlagnahmen sie 90 Hektar Wiesen und Felder.

Maierhof/Rothenstadt. Dieser in Vergessenheit geratenen Zeitgeschichte vor der Haustür widmet sich Fritz Heiß in seiner Familienchronik. Der 69-Jährige aus Maierhof befragte für die aufwendige Recherche zahlreiche hochbetagte Einheimische, die als Kinder Zeitzeugen waren. 30 Reichsmark Entschädigung für den Hektar bekommen damals die Landwirte aus Maierhof, Rothenstadt und Mallersricht für die faktische Enteignung. Teilweise erst 20 Jahre später, 1957, können sie die Wiesengrundstücke wieder voll bewirtschaften.

300 Arbeiter stampfen für das Regime in kurzer Zeit zwischen der Bahnlinie nach Neukirchen und der Straße nach Etzenricht den vermeintlichen Ersatz-Flugplatz mit einem ausgedehnten Baracken-Lager aus dem Boden: Mannschaftsunterkünfte, Wach- und Kommandobaracke, Küche, Waschbaracke, Feuerwache, Transformatorenhaus und Tanklager - samt einem Tower mit kleiner Wetterstation. Der Tarnung wegen ähneln die Gebäude den benachbarten landwirtschaftlichen Anwesen in Maierhof. 600 Soldaten nehmen Quartier. Schon bald naht der Ernstfall. Für die Besetzung der Tschechei im Herbst 1938 (in der Propaganda "Sudetenkrise" genannt) nutzen zwei Gruppen des Jagdgeschwaders "Schumacher" mit Jagdflugzeugen Messerschmitt Me 109 e den Fliegerhorst. Beute-Flugzeuge aus französischen Beständen machen Station. Für das Unternehmen "Barbarossa" 1941 (Russland-Überfall) bildet Maierhof die Etappe für die Munitionierung und Betankung der (Jagd-)Bomber.

In den Kriegsjahren 1942 und 1943 - schon längst sind Splittergräben ausgehoben - dient der Feldflugplatz weitgehend friedlichen Zwecken: nämlich als ideales Areal für den Schulungsbetrieb mit Segelflugzeugen der Hitlerjugend (HJ) des Reichsausbesserungswerks (RAW). Als sich der Krieg wendet und das Nazi-Regime zunehmend in die Defensive gerät, muss der Feldflugplatz für die Ausbildung der Jagdflieger herhalten. Im Herbst 1944 nutzen eine Staffel Me 109 und Me 110 sowie 12 Heinkel-Bomber HE 111 das oberpfälzische Hinterland als Basis.

Zeitzeugen schildern die mehrmaligen Angriffe der Alliierten in den letzten Kriegsmonaten auf den Fliegerhorst. So zerstören sechs Jagdbomber (Jabos) der Royal Airforce (RAF) Ende Januar 1945 die mit "Sträuchern und Laubwerk" getarnten Flugzeuge, geparkt in einer Sandgrube am Bahngleis. Die Maschinen waren mit Infanterie-Munition für die Ostfront beladen. Dokumentiert ist auch ein Angriff am 17. April 1945 auf abgestellte Junkers Ju W 34. Spritmangel hält die fabrikneuen Maschinen am Boden fest.

Eine aufregende und gefährliche Zeit: Kinder spielen mit scharfer Munition, schlagen von den Patronen für die großkalibrigen Maschinengewehre die Spitzen; die Treibladung sorgt für eine riesige Stichflamme. Die meisten dieser explosiven Experimente gehen glimpflich aus. Als letzte Flugbewegungen des Zweiten Weltkriegs sind in Maierhof Einsätze des "Fieseler Storchs", einem kleinen Kurier- und Aufklärungsflugzeug, überliefert. Die US-Army verbrennt schließlich die verbliebenen "8 bis 10" Segelflugzeuge. Auch die im Wald abgestellten Schulflugzeuge werden zerstört und der Plünderung überlassen: falls sie nicht schon vorher durch zurückflutende Wehrmacht-Einheiten gesprengt wurden.

"Gier nach Land"


Die Amerikaner verringern schließlich den von West nach Ost verlaufenden Start- und Landestreifen auf eine Länge von 1000 Meter und eine Breite von 80 Meter. Die Verkleinerung reicht völlig für die Piper-Kuriermaschinen ("Grasshopper"). Die Amis streichen ihre eigenen Holzbaracken in gelber Signalfarbe. Die Wehrmachts-Baracken belegen nun Heimatvertriebene. Bis 1955 nutzt noch der Aeroclub den Flugplatz Maierhof. Dann schließt dieses bewegte Kapitel endgültig.

Die Baracken sind längst abgebrochen, nichts erinnert mehr an den Flugplatz. Nur noch wenige Zeitzeugen leben. Nach der Erinnerung von Fritz Heiß war das "sehr gute Ackerland" westlich von Maierhof (28 Einwohner) wegen der "Gier nach Land" schon mehrmals gefährdet: Neben der Beschlagnahme durch die Nazis einige Jahrzehnte später als möglicher Industriestandort für ein BMW-Werk und dann für eine neue Floatglas-Anlage der Flachglas (jetzt in Weiherhammer).

Chronik des Anwesens Nummer 2Auf mehr als 400 Seiten stellte Fritz Heiß die Chronik des Anwesens Nummer 2 in Maierhof zusammen. Eher zufällig war der 69-Jährige beim Renovieren des Dachbodens auf Aufzeichnungen gestoßen, die bis ins Jahr 1780 zurückreichen.

Erst packte ihn die Neugierde und wenig später ging er ganz in seiner neuen Passion auf: Erforschung seiner Familien-Historie, die gleichzeitig ein Stück Heimatgeschichte darstellt. Heiß mag die Legionen Stunden für die Mühen der Recherche nicht zählen, die mühsamen Gespräche mit greisen Zeitzeugen. "Es waren Glücksmomente, wenn sich die Angaben deckten." Probleme bereiteten ihm die alten Gerichtsurkunden in den unterschiedlichen Schriftarten, häufig mit unverständlichen lateinischen Abkürzungen. Eine Deutschlehrerin redigierte schließlich das umfangreiche Werk, Sohn Martin (41) und Enkel Sebastian (13) digitalisierten es. Veröffentlichen will Fritz Heiß die Chronik nicht. Die rund 50 Exemplare will er im Verwandten- und Bekanntenkreis verteilen. Demnächst ist die Übergabe einer Ausgabe an das Stadtmuseum Weiden vorgesehen. (cf)
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