Vor Ostern machte Bagger ein Biotop an der Schweinenaab platt
Jetzt läuft der Rückbau

So sieht die Schweinenaab-Aue nach dem Rückbau aus. Martin Scheidler von der Unteren Naturschutzbehörde hofft, dass sich die Natur erholt: "In Jahresfrist werden wir weitersehen." Sicher ist: "Es sind Schäden entstanden. Und das zur ungünstigsten Zeit." Bild: ma
 
Zur besseren Orientierung: Aus dem Westen kommt die Schweinenaab geflossen. Auf Höhe der ehemaligen Bauschuttdeponie zweigt der künstlich angelegte städtische Rehmühlbach ab. Staut der Biber auf Höhe der Baustelle die Flussaue auf, erreicht nicht genügend Wasser die Abzweigung.

Mitte März machte ein Kettenbagger im Auftrag des städtischen Tiefbauamtes ein Biotop an der Schweinenaab platt. Die Untere Naturschutzbehörde der Stadt verfügte einen Baustopp. Seit letzter Woche läuft der Rückbau. Und nicht wenige fragen sich: Was war das denn?

"Auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern sind Biotope zerstört und verfüllt worden", zieht Martin Scheidler von der Unteren Naturschutzbehörde Bilanz. Vor einer Woche hat eine Baufirma den Erdaushub wieder beseitigt und per Lkw aus dem Wald transportiert. Laut Scheidler wird versucht, den Urzustand wiederherzustellen. Mit der Baggerschaufel sind auch die vier Biber-Rinnen zur Schweinenaab wieder nachgezogen worden. Der besetzte Biberbau blieb unbeeinträchtigt. Die Geländemodellierung sei inzwischen erfolgt, nur der Bewuchs fehlt noch. "Es ist wie vorher. Nur nicht mehr schön."

Das Konzept für den Rückbau hat Scheidler gemeinsam mit Revierförster Hans Babl erstellt. Denn - auweia - das Gelände gehörte großteils nicht einmal der Stadt. Eigentümer ist die Bayerische Staatsforsten und damit der Freistaat. Was sollte die Aktion überhaupt? "Unsere Mitarbeiter haben es eigentlich nur gut gemeint", sagt Tiefbauamtschef Hubert Grillmeier. Geplant war ein Unterhaltungsweg zum Bach. Die Zufahrt wollten die städtischen Mitarbeiter für Gewässerpflege nutzen.

Die Schweinenaab wird in diesem Bereich mit Dämmen künstlich südlich gehalten, um 400 Meter weiter den Rehmühlbach zu speisen. Immer wieder gelingt es aber Bibern, die städtischen Dämme anzubohren oder eigene zu errichten. Dann mäandert die Schweinenaab wieder in ihrem natürlichen Verlauf durch den Wald. In der Folge erreicht die Schweinenaab aber die Stelle nicht mehr, an der sie sich in Schweinenaab und Rehmühlbach teilt. Gewinnt der Biber, gibt es keinen Rehmühlbach mehr.

Sägewerk mit Wasserrecht


Die Stadt ist zur Unterhaltung der Gewässer dritter Ordnung verpflichtet. Grillmeier weiß zudem, wie beliebt der Rehmühlbach ist. Wann immer er trocken liegt, sind Anrufe von Anliegern vorprogrammiert, die das Wasser für den Garten nutzen oder den Bach einfach mögen. Der Rehmühlbach fließt durch die ganze Mooslohe und weiter durch die Innenstadt. Außerdem hat ein früheres Sägewerk ein Wasserrecht, das möglicherweise abgelöst werden müsste.

Kurzum: "Der Herr Biber macht Freude, aber auch viel Arbeit", sagt Grillmeier. Daher der Weg. Und jetzt der ganze Ärger. Grillmeier gibt unumwunden zu, dass "alles ein bisschen unglücklich gelaufen ist". Der Weg sei in der praktischen Umsetzung "straßenbautechnisch sicher schön", aber eben einer Uferaue nicht gerecht gewesen. Zu breit, zu planiert - und das alles unangemeldet. Naturschutzbehörde und Staatsforsten "waren zu Recht sauer auf uns": "Und wir entschuldigen uns."

Für Revierförster Hans Babl ist der Fall mit dem Rückbau erledigt: Die Rechnung der Baufirma - nach NT-Information in vierstelliger Höhe - hat er an die Stadt weitergeleitet. "Wir stellen keine weiteren Regressansprüche." Die Staatsforsten hat allerdings eine weitere Maßnahme ergriffen: Die Zufahrt - bisher für die städtischen Mitarbeiter aus Kulanz möglich - ist künftig komplett gesperrt. Babl hat einen Wall aufschieben lassen. (Hintergrund)
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