Vormittags im Kursana Domizil
Gelassen altern

Heinz Schaller ist im Heimrat tätig. Der 83-Jährige hat sich mit vielen persönlichen Schätzen in seinem Zimmer eingerichtet.
 
Die Betreuungsassistenten unterstützen die Pfleger, indem sie sich individuell um Bewohner kümmern. Meist steht eine Vielzahl an verschiedenen Aktivitäten auf dem Plan
 

Langes Leben? Gern! Im Pflegeheim? Wahrlich keine schlechte Alternative mehr. Die Pflege hat schon schlechtere Zeiten gesehen. Und bringt ihr Image wieder auf Kurs.

Etwas ruhig für einen Samstagvormittag im Kursana-Domizil- Haus St. Josef in Weiden. Bleibt man lange genug sitzen und lässt die Zeit vorübergehen, rollen doch einige Bewohner vorbei, den Rollator schiebend, die Besucher im Gepäck. Auf dem Gang riecht es frisch nach Putzmittel, die Reinigungskraft schiebt ihren Wagen vorbei.

Ein Eintauchen in die Atmosphäre, in der die Zeit der Bewohner langsamer zu verstreichen scheint, in die geschäftige Welt der Pfleger, in der Stress und Chaos herrscht - aber dennoch auch Zuwendung. In der Pflegeeinrichtung ist alles für Senioren angepasst: "Hier soll man leben", sagt Frieda Tench, die Heimleitung des Kursana-Domizils-Hauses St. Josef, in Weiden. Dazu gehört das Vertrauen zu den Angestellten, sich geborgen und sicher zu fühlen. Viele nostalgische Bilder und alte Vitrinen mit Blümchen-Porzellan auf den hellen Gängen tragen zum Wohlfühl-Charakter bei.

Persönlichkeit im Heim


Seit November ist die 53-Jährige für 127 Zimmer auf vier Stationen verantwortlich: "Natürlich macht man sich Gedanken, wenn man in ein neues Haus kommt." Sie möchte das Haus in den Griff kriegen, vergangenes Jahr fielen die Noten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen (MDK) nicht sehr rosig aus. Dennoch: "Ich wurde sehr herzlich hier empfangen", freut sich Tench umso mehr. Sie geht positiv an die Sache heran: "Man braucht ein motiviertes Team und Pfleger, die ihren Beruf gerne machen und Spaß daran haben."

Von fitten Senioren, über alle Pflegestufen bis hin zum Härtefall trifft man im Kursana alle an. Auf den vier Stationen ist das Klientel völlig gemischt. Für die Demenz-Patienten gibt es einen eigenen Bereich. Das Haus St. Josef hat 127 Zimmer auf vier Stationen verteilt, davon 14 Doppel- und 99 Einzelzimmer.

Souvenirs aus Afrika


Auf Station befinden sich links in der Nähe des Schwesternzimmers die Funktionsräume: Wäschezimmer, Putzkammer; rechts die Wohnungen der Bewohner. Selbstverständlich barrierefrei. Jedes Zimmer kann eigens gestaltet werden. Bei Heinz Schaller baumeln Modellflugzeuge von der Decke, die er einst selbst zusammensetzte, viele Familienaufnahmen und ausgewählte Bilder des Hobbyfotografen zieren die Wände.

Im Regal neben zahlreichen CDs stehen Fläschchen mit Sahara-Sand, sowie Mitbringsel aus Afrika und Indien. Auf seinen Reisen hat Schaller viele Bilder gemacht, die er sich gerne am Laptop ansieht. "Für seinen Internetzugang habe ich lange gekämpft", schmunzelt der 83-Jährige. Er ist im Heimrat und hat schon zahlreiche Anregungen gegeben. Die Gruppenangebote im Haus sind allerdings nichts für ihn.

Seine Frau kommt täglich vorbei und gemeinsam planen sie den Tag. "Ich bin hier zu Hause", nickt der Rentner zufrieden. Nach einem Schlaganfall wurde es für ihn in seiner alten Wohnung zu anstrengend. Türschwellen, Teppiche und Treppen behinderten den 83-Jährigen. Schon vor seinem Schlaganfall entschied der Senior: "Wenn ich nicht mehr kann, möchte ich hier her". Er fühlt sich da sehr wohl und umsorgt.

Die Pflegerinnen kennt er alle beim Namen. Es scheint, die Bewohner leben alle in einer riesigen WG. "Die tun sich zusammen und helfen sich gegenseitig", freut sich Tench. Eine mobile Gruppe holt sich gegenseitig zum Mittagessen ab. Andere treffen sich nachmittags immer zum Kaffee. Die Bewohner helfen beim Tischdecken oder der Gartenarbeit. Der 63-jährige Hausmeister erhält Anfragen nach Farben: Ein Herr wollte gern die ausgeblichenen Gartenzwerge neu bemalen. Ein Bewohner kümmert sich um den Gartenteich, demnächst möchte er seine Goldfische dort einsetzen. Rundherum blühen schon Krokusse, Tulpen und Narzissen.

Der Betreuungsassistent


Mehr Betreuung heißt auch mehr Zeit für persönliche Gespräche. Durch die Gruppen- und Einzelangebote, wie Backstunden oder Chor, Basteln oder Kreuzworträtseln, die zumeist Betreuungsassistenten übernehmen, finden die Pfleger Zeit, ihr Tagespensum zu erreichen. Das Drei-Schicht-System verlangt viel ab: Waschen, Frühstück, Mobilisieren, Hilfestellungen, individuelle Betreuung. Als Pfleger alleine ist das nicht möglich. "Wir haben schon vieles verändert. Es muss funktionieren und bezahlbar bleiben", gesteht Tench.

Die Zahlen der Altersdepressionen gehen zurück und auch der Mensch steht mit seinen Bedürfnissen im Vordergrund. Dennoch wachsen einem bei manchen Themen graue Haare: Generalisierte Pflegeberufe, Fachkräftemangel, demografischer Wandel. Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland soll bis zum Jahr 2030 auf 3,4 Millionen Menschen ansteigen. Dabei macht sich der Mangel an Fachkräften in der Pflege jetzt schon bemerkbar. Auch in der Oberpfalz.

"Quereinsteiger und Auszubildende sind grundlegend, erfahrenes Fachpersonal ist unersetzlich", weiß Tench. Sie setzt auf ein motiviertes Team und langjährige Mitarbeiter, die das Haus und die Gesichter darin kennen: "Das macht Qualität aus."

Aus Drei mach Eins


Die Generalisierung der Pflegeberufe soll Abhilfe schaffen. Für Tech oder auch Pflegehelferin Reinhold war es eine bewusste Entscheidung in die Altenpflege zu gehen. Dass eine Ausbildung für Alten-, Kinder- und Krankenpflege den Fachkräftemangel beheben soll, ist für Tench schwer nachvollziehbar. "Das Klientel ist doch ein ganz anderes. Die Bedürfnisse, der Umgang", sorgt sich die Berufserfahrene.

Sie kann sich nicht vorstellen, dass die Abschaffung der Spezialisierung die Attraktivität des Berufs steigert, oder die Versorgung der Pflegebedürftigen verbessert. Die Heimleiterin kennt die Situation. Sie selbst übte den Beruf Altenpflegerin mehr als 20 Jahre aus. Pfleger arbeiten im Schichtdienst, kaum Pausen, körperlich und psychisch ein harter Job. Ständig viele Bewohner koordinieren, gleichzeitig im Blick haben, dabei nichts vergessen oder verwechseln und jedem die nötige Zeit und Aufmerksamkeit geben. Das ist ein Spagat, der scheinbar kaum leistbar scheint. Ob da eine einheitliche Ausbildung Sinn macht? Tench ist dennoch überzeugt, dass eine Lösung für den Fachkräftemangel gefunden wird.

Pflege auf dem Prüfstand


Pflege ist ein komplexes Ding, weiß Tench: "Wie viel Wissenschaft und Logistik dahinter steckt ist vielen nicht bewusst." Und dann kommt auch noch der MDK unangemeldet zur Spontanprüfung. Eine Herausforderung für die neue Leiterin. Im Haus begleiten und kennen sie die Menschen. Stichproben zieht der, er macht eine Momentaufnahme. Sie fragen detailliert und beurteilen haarklein. Warum verliert der Patient seit Wochen Gewicht? Blutdruck zu spät gemessen, nicht in der Patientenakte dokumentiert - ungenügend. "Man kann nie alles hundertprozentig richtig machen, aber alle im Team arbeiten daran und geben ihr Bestes", erklärt Tench.

Es ist überstanden, das Urteil lautet: Sehr gut. Die Prüfungen des MDK sind wichtig für die Pflegeeinrichtungen. Die 53-jährige Leiterin sieht es als Ansporn. Die Einrichtungen werden nicht nur geprüft und benotet, sondern auch beraten. Aber der Alltag und auch die Politik bremsen oftmals aus. Es hilft nichts: Positiv rangehen lautet Tenchs Devise.

Zittern vor dem Alter?


Die Arbeit im Heim ist eine Gratwanderung zwischen Vorschriften und Bedürfnissen. Immer weniger Personal versorgt eine zunehmend alternde Gesellschaft. Dafür fallen Kosten je nach Pflegestufe an: Ein Einzelzimmer mit Vollverpflegung und Betreuung kostet 1700 bis 2200 Euro. Auf einer Station sind etwa 30 Bewohner untergebracht. Vier Pfleger, Sozialtherapeut und Betreuungsassistenz, Ehrenamtliche und Praktikanten kümmern sich um die Pflegebedürftigen. Frau Reinhold ist Pflegehelferin im Kursana.

Als Quereinsteigerin landete sie nach einer einjährigen Ausbildung mit Praktika in der Altenpflege. Sie übernimmt Gruppenstunden mit Vorlesen, Gedächtnistrainings oder Massagen. So kümmert sie sich besonders um die geistige und physische Mobilität, und die Pfleger haben den Kopf für ihre Arbeit frei. "Wir müssen neue Wege für die Pflege finden", bekennt Tench. Angst vor dem Altern, wie, und ob man später als Senior versorgt wird, braucht man ihrer Meinung nicht haben. "Das Angebot verändert sich", spielt sie auf ein breitgefächertes Angebot an. "Jeder wird seinen Platz finden."

ServiceDas Kursana Domizil St. Josef in Weiden ist eines von 116 Tochterunternehmen der Kursana Residenzen mit Sitz in Berlin. Kursana Seniorenpflege- und betreuung wurde 1985 gegründet.

In Weiden leitet Frieda Tench seit Ende letzten Jahres das Seniorendomizil. Das Haus bietet 127 Einzel- und Doppelzimmer auf drei Stockwerke verteilt. Davon sind Plätze für Kurzzeitpflege, Demente und verschiedene Pflegestufen bis zum Härtefall, eingestreut.

Ansprechpartner: Kursana Domizil, Ehrhardtstraße 9, 92637 Weiden. Telefon: 0961/40 189-0, Email: kursana-weiden@dussmann.de

Direktion: Frieda Tench, Email: frieda.tench@dussmann.de

Internet: www.kursana.de/weiden/ (szl)
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