Vortrag an der OTH
Defibrillatoren viel zu selten eingesetzt

Professor Armin Bolz setzt sich dafür ein, dass jedermann die Scheu verliert, einen Defibrillator einzusetzen.
 
Viele gehen achtlos daran vorbei - ein Fehler: Der Defibrillator im Eingangsbereich des Neuen Rathauses kann bei einer Herzattacke die Rettung in letzter Minute sein. Bilder: sbü (2)

Defibrillatoren sind Lebensretter. Experten sind jedoch davon überzeugt, dass diese Geräte aber viel zu selten zum Einsatz kommen. Ein Vortrag an der OTH will dazu beitragen, dass sich dies ändert.

"Jedem Zuhörer meines Vortrags, der in einem Ersten-Hilfe-Kurs die Bedienung eines Defibrillators lernt, ersetze ich die Kursgebühr", versprach Professor Dr. Armin Bolz. Sein Appell im Gastvortrag "100 Jahre Defibrillation: Gibt es da überhaupt noch etwas Neues?" klang fast flehentlich.

Bolz ist geschäftsführender Gesellschafter des Medizintechnik-Unternehmens "Corscience" aus Erlangen. Warum der Physik- und Medizintechnikdozent dieses Angebot machte, erklärte er sehr ausführlich. "Menschen haben viel zu viel Scheu, den Defibrillator im Ernstfall anzuwenden." Das koste wohl das eine oder andere Menschenleben. Nach wie vor würden jährlich 125 000 Menschen ducrh plötzlichen Herztod ums Leben kommen. Defibrillatoren könnten die erforderliche schnelle Hilfe leisten. Die sei unverzichtbar: "Wenn das Kammerflimmern im Herzen auftritt, sinkt die Chance zu überleben pro Minute um 7 bis 10 Prozent. Nach 10 Minuten liegt sie bei Null wegen Kreislaufstillstand und fehlender Sauerstoffversorgung des Gehirns."

In der Regel sei die Zeitspanne bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu kurz. Bolz lieferte dazu eine schockierende Statistik: "40 000 Menschen sterben, weil Laien die Fähigkeit fehlt, einen Defibrillator zu bedienen". Der Medizintechniker empfahl eindringlich, dass sich möglichst jedermann mit einem Defi vertraut machen sollte. Er ist überzeugt, dass die Technik dieser Geräte weit ausgereift sei. Gelöst sei vor allem die Frage nach der richtigen Stromstärke, denn "ist der Strom zu hoch, kommt es zu einer Gewebeabtötung".

Implantat und App


Längst sei die Zeit vorbei, als Ärzte es abgelehnt hätten, dass Laien den Defibrillator bedienen dürften. Juristen diskutieren dagegen heute schon die Frage, ob es unterlassene Hilfeleistung sei, einen verfügbaren Defibrillator nicht einzusetzen. Die Zukunft sieht der Experte im "implantierbaren Defibrillator, den bereits einige Hunderttausend tragen". Allerdings bestehe bei diesen Geräten noch das Risiko eines "inadäquaten Schocks". Dabei würden "fehlerhaft" schmerzhafte Stromstöße von 800 Volt ausgelöst, ohne dass es dafür einen Anlass gebe.

Vermieden werde dies, wenn Elektroden im Herz implantiert würden. Einen am Gürtel tragbaren "externen Defibrillator in der Größe eines Walkmans" empfiehlt Bolz denjenigen, die keine Implantation wollen. Schließlich gebe es auch schon Modellversuche, mit einer App eine Drohne zu rufen, die den Defibrillator zum Einsatzort befördere.

13 Defis in WeidenProfessor Bolz beruft sich bei seinen Zahlen auf die Stiftung Deutsche Anästhesiologie. Sie spricht davon, dass in Deutschland nur 15 Prozent der Laien vor Eintreffen des Rettungsarztes mit Reanimationsmaßnahmen beginnen würden. Die Kultusministerkonferenz empfiehlt Wiederbelebungstraining an Schulen. Auch in Weiden dürfte sich die Situation kaum von den anderen Orten unterscheiden. Laut einer interaktiven Standortkarte des gemeinnützigen Vereins "definetz" wären in Weiden nur 13 dieser Geräte vorhanden. Tatsächlich sind es jedoch erheblich mehr, weil in Firmen, Verwaltungen, Schulen zahlreiche frei zugängliche Geräte stehen. Drei gibt es allein an der Berufsschule. Die Stadt verweist auf fünf Defi-Säulen in der Innenstadt sowie das Gerät im Eingangsbereich des Neuen Rathauses. Sie seien kinderleicht zu bedienen, betonen Experten der Rettungsleitstelle. Wie oft sie schon Menschenleben gerettet haben, ist aber offen. (sbü)
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