Vortrag des Weidener Imam
Der echte Islam will Frieden

Im ganzen Koran gibt es keinen Hinweis, Unschuldige umzubringen.

Aktueller kann ein Vortrag nicht sein. Vor dem Hintergrund der Pariser Attentate sprach Iman Maher Khedr über den Islam. Viele Missverständnisse sollten ausgeräumt werden.

Als Teil des Bundesprogramms "Demokratie leben" hatte der Sportverein Anadolusspor Weiden zu einem Vortragsabend mit Maher Khedr, Iman des deutschsprachigen Muslimkreises Weiden e. V., eingeladen. "Was ist Islam?", lautete die Ausgangsfrage von Iman Khedr im Café Mitte. Seine zentrale Antwort: "Islam bedeutet Frieden."

Bevor er diese für ihn wichtigste Aussage mit vielen Zitaten aus dem Koran untermauerte, beschrieb der Iman die Entstehungsgeschichte seiner Religion. Dazu stellte er zunächst fest, dass es so gut wie keine Unterschiede zwischen dem Alten Testament und dem Koran gebe. "Islam, Christentum und Judentum stammen vom Urvater Abraham ab." Wre es in der Menschheitsgeschichte nicht immer wieder zu Missständen gekommen, hätte es der langen Reihe der Propheten nicht bedurft. Iman Khedr nannte zum Beispiel Noah oder Mose, die alle aus dem Alten Testament bekannt sind.

Nach dem letzten Propheten - also Mohammed - "ist die Erde reich genug, dass man keinen weiteren braucht". Der Koran sei innerhalb von 24 Jahren in einer Kriegszeit (bis zum Jahr 632) entstanden, als die Muslime Mekka verlassen mussten. "Jede Sure des Korans gehört zu einer bestimmten Situation und ist immer in diesem Zusammenhang zu sehen", sagte Iman Khedr. Deshalb gebe es Suren, die nur in der Kriegszeit und nicht in einer friedlichen Zeit gelten. Diese Aussage stand mehrfach im Mittelpunkt der Interpretation des Korans.

Der Iman stellte fest: "365 Mal steht im Koran Frieden und Barmherzigkeit." Und: "Mord hat mit Islam nichts zu tun." Im Vortrag wurden zahlreiche Koran-Zitate vorgelesen ("Und kämpft auf dem Weg Allahs gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht. Allah liebt nicht die Übertreter."). Iman Khedr betonte: "Im ganzen Koran gibt es keinen Hinweis, Unschuldige umzubringen." Vielmehr habe Gerechtigkeit höchsten Stellenwert im Islam. Allah fordere: "Wehre das Böse mit dem Besseren ab." Zusammenfassend stellte der Iman fest: "Islam ist ein friedlicher Glaube." Radikale Islamisten griffen Koranstellen, die in Kriegszeiten entstanden sind, isoliert heraus.

Auf Fragen der Zuhörer formulierte Iman Khedr unter anderem auch den Satz: "Meine Freiheit hört mit der Verletzung der Freiheit eines anderen auf." Er sagte auch: "Hassprediger gehören nicht nach Deutschland." Bei ihm werde in der Moschee sehr viel über praktische Themen wie den Umgang mit Wasser gesprochen.

Schleier kulturell bedingt


Gute Integrationsprogramme könnten verhindern, dass junge Menschen "im Namen des Glaubens falsch motiviert werden". "Integration löst Glaubensdifferenzen", meinte der Imam. Auf die Frage, ob der Schleier der Frauen nicht integrationshemmend sei, antwortete er: "Der Schleier ist kulturell, nicht religiös bedingt".
Im ganzen Koran gibt es keinen Hinweis, Unschuldige umzubringen.Iman Maher Khedr
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