Vortrag über Alkohol von Dr. Heribert Fleischmann
Trinken ohne Risiko ist unmöglich

Zum Vortrag über risikoarmes Trinken begrüßte der Ärztliche Direktor der Kliniken Nordoberpfalz, Dr. Thomas Egginger (von links), seine Gäste Dr. Elke Hellwig und Dr. Heribert Fleischmann vom Bezirksklinikum Wöllershof. Bild: Bühner

(sbü) Ganz ohne den warnenden Zeigefinger geht es bei einem Vortrag über Alkohol wohl nicht. Vor allem, wenn der Chef eines Bezirksklinikums darüber spricht.

"Lust statt Frust, Anleitung zum risikoarmen Trinken" lautete der Titel des Vortrags des Ärztlichen Direktors des Bezirksklinikums Wöllershof, Dr. Heribert Fleischmann, im Besuchercafé des Weidener Klinikums. Neugierig machte vor allem, dass der Chef einer Einrichtung, die unter anderem Suchtkranke behandelt, sich dem Thema Alkohol auch positiv zuwendet. Allerdings erfolgte dies erst im zweiten Teil des Vortrags.

Zunächst informierte Dr. Fleischmann seine Zuhörer über die Risiken und gesellschaftlichen Schäden des Alkoholkonsums. So berichtete er von jährlich 40 Milliarden Schadenskosten, von 74 000 an Leberzirrhose Sterbenden und dass jede dritte Gewalttat unter Alkoholeinfluss erfolge. 200 verschiedene Krankheiten würden durch Alkohol verursacht oder mitverursacht. Und Alkohol zähle zu den "zehn größten Krebsrisikofaktoren". Dr. Fleischmann sieht auch einen direkten Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und Alkoholkonsum. Alkohol habe einen "extrem negativen Einfluss auf die Zuckerkrankheit". Generell stellte er auch fest: "44 Prozent der Männer trinken mehr, als es ihrer Gesundheit gut tut." Auch würden die meisten körperlichen Störungen durch Alkohol auftreten, ohne dass eine Abhängigkeitserkrankung vorliegt.

Mit zahlreichen Vergleichsrechnungen lieferte Dr. Fleischmann seinen Zuhörern auch Bewertungs- und Vergleichsmöglichkeiten für den Alkoholkonsum. So entspreche ein halber Liter Bier vom Kalorienwert rund 100 Gramm Brot. Fünf Liter Bier würden den gesamten Kalorienbedarf am Tag decken.

Rotwein: Von wegen gesund


Aber wie funktioniert nun "risikoarmes Trinken"? "Risikoloses Alkoholtrinken ist nicht möglich", stellte Dr. Fleischmann gleich mal fest. Wer aber gewisse Dinge berücksichtigt, könne das Risiko minimieren: "Langsam trinken und nur so viel pro Stunde trinken, wie der Körper auch abbauen kann", sagte Dr. Fleischmann. Zulässige Trinkmengen für den Mann seien pro Tag 20 bis 25 Gramm Alkohol. Absolute Obergrenze für einen Trinkanlass seien 60 Gramm, pro Woche insgesamt 150 Gramm. Für Frauen, die Alkohol auch deutlich langsamer abbauen, gelte jeweils der halbe Wert. Keinesfalls solle Alkohol als Durstlöscher eingesetzt werden. Dr. Fleischmann empfiehlt auch, Alkohol nicht mit dem Essen zu verbinden: "Denn der Geschmack wird durch Alkohol übertüncht."

Weitere Empfehlungen waren, sich nicht am Trinkvermögen anderer zu orientieren, auf Stoppsignale des Partners zu hören und Alkohol nicht zur Problembewältigung zu benutzen. Die "Rotweintheorie" als gesundheitliche Hilfestellung bestritt der Mediziner ausdrücklich.

Hilfe bei AbhängigkeitÜber Hilfestellungen und Behandlungsmöglichkeiten bei Abhängigkeitserkrankungen sprach Dr. Elke Hellwig vom Bezirksklinikum Wöllershof.

Hilfen gebe es unter anderem in der Abteilung Gesundheitswesen der Landratsämter, bei Fachambulanzen, Suchttherapeuten, Selbsthilfegruppen und online unter www.dhs.de. Ambulante und stationäre Behandlung erfolge in den Kliniken. Stationäre Entzugsbehandlung dauere in Wöllershof rund drei Wochen, stationäre Rehabilitation 8 bis 15 Wochen. Für chronisch Suchtkranke gebe es mit dem "Reha-Zentrum-Oberpfalz" eine stationäre Einrichtung in Waldthurn sowie die Einrichtung "Kompass" in Weiden. Alle Hilfsangebote seien miteinander verzahnt. (sbü)


Nicht am Trinkvermögen anderer orientieren, auf Stoppsignale des Partners hören und Alkohol nicht zur Problembewältigung benutzen.Drei von vielen Empfehlungen von Dr. Heribert Fleischmann im Umgang mit Alkohol
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