Vortrag von Professor Dr. Dietrich Lemke
Neandertaler kamen in der Silvesternacht

Dr. Ehrenfried Lachmann (rechts) begrüßte zum Vortrag des Freundeskreises der evangelischen Akademie Tutzing im Martin Schalling Haus diesmal den Astrophysiker Prof. Dr. Dietrich Lemke (links)

Das Weltall faszinierte schon immer die Menschheit. Schließlich liegt dort der Schlüssel für die Entstehung des Lebens. Neue Erkenntnisse kommen jetzt aber von der Astronomie.

(sbü) Die interessanteste Frage beantwortete Professor Dr. Dietrich Lemke erst am Ende seines Vortrags. Bis dahin hatte der renommierte Weltraumforscher vom Max Planck Institut in Heidelberg am Vortragsabend des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Tutzing viel über die neuesten Entdeckungen der Weltraumforschung berichtet.

Die Erde verglüht


Da war viel von Gamma-Blitzen im Kosmos, von explodierenden Sternen und von untergehenden und sich verschmelzenden Galaxien die Rede. Insgesamt sei seit dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren das Universum ständig in Bewegung und in Veränderung. Naheliegend war deshalb auch die Frage, wie lange die Erde noch existieren würde. Die Antwort des Professors konnte jeden beruhigen, der sich vor einem demnächst bevorstehenden Weltuntergang fürchtet. "In sieben Milliarden Jahren ist die Erde am Ende", rechnete der Weltraumforscher vor. Die Erde verglühe in der Sonne. Vorher stoße unsere Milchstraße auch noch mit der Andromeda-Galaxie zusammen.

Allerdings gibt es zu diesem Zeitpunkt längst keine Menschen mehr, denn schon in 500 Millionen Jahren wäre es auf der Erde extrem tropisch geworden. Die Erde sei ausgetrocknet, die Sonne wurde zum "roten Riesen", weil der vorhandene Wasserstoff verbraucht sei.

Alle diese Aussagen nennt Prof. Lemke "hundertprozentig zuverlässig, da sie anhand von Tausenden Sternen schon beobachtet werden konnten". Tatsächlich hätte der Mensch nur noch für 100 Millionen Jahre eine Chance, auf der Erde existieren zu können. Dies würde die astronomische Entwicklung alleine gesehen erlauben.

Ressourcen verbraucht


Allerdings fragte Prof. Lemke dann "erlaubt dies auch die Menschheit sich selbst?". Er erinnerte dabei an den rasanten Ressourcenverbrauch der letzten Jahrzehnte. Auch an die Veränderungen der Weltbevölkerung in den letzten 70 Jahren, als diese von 2,2 auf 7,4 Milliarden angewachsen sei. Vergangenheit und Zukunft des Weltalls vergleicht Prof. Lemke mit zwei Jahresverläufen. Der erste betrifft die Zeit seit dem Urknall bis heute ("Neujahrsbeginn"). Damit dokumentierte der Wissenschaftler die langen Zeiträume der Entwicklung des Weltalls und die kurze Phase der Entwicklung biologischen Lebens.

Unser Sonnensystem und die Erde entwickelten sich in diesem Bild circa Ende des Monats August. Säugetiere gab es ab dem 29. Dezember und Neandertaler fünf Minuten vor Mitternacht. Amerika wurde eine Sekunde vor Mitternacht entdeckt. Bereits in den ersten Januartagen wird das Leben auf der Erde wieder beendet sein. Dann verdampfen die Ozeane, im Juli wird die Erde in die Sonne stürzen. Dies alles könne die Astronomie heute voraussagen.

Rätsel bleiben


Zu verdanken sei dieser wissenschaftliche Fortschritt in der Astrophysik den ständig größer und leistungsfähiger gewordenen Weltraumteleskopen. Sie waren mit Satelliten in den Weltraum geschossen worden und lieferten über Jahre hinweg aussagekräftige Bilder.

Als Wissenschaftler war Prof. Lemke selbst am Max Planck Institut in Heidelberg über Jahrzehnte verantwortlich an der Erforschung ferner Galaxien und sogenannter Exo-Planeten beteiligt. "Sekunden nach dem Urknall herrschen bis heute dieselben physikalischen Gesetze".

Beobachtungen und Simulationen am Rechner erlaubten deshalb zuverlässige Aussagen. Allerdings sei im Urknall auch eine große Menge "dunkler Materie" entstanden. "Wir wissen noch nicht genau woraus diese besteht". Um diese zu erforschen und auch um nach Anzeichen von Leben außerhalb der Erde zu suchen, werde in zwei Jahren das "James Webb Space Telescope" in den Weltraum gebracht. Seit 15 Jahren werde daran gebaut und es koste 8 Milliarden Dollar.

In sieben Milliarden Jahren ist die Erde am Ende.Professor Dr. Dietrich Lemke
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