Vortragsabend anlässlich der Herzwoche
Zoigl-Flair wärmt das Herz

"In jedem Alter kann man wieder sportlich aktiv werden. Man sollte sich nur vorher ärztlich untersuchen lassen." Dr. Gudrun Graf (am Pult), Professor Dr. Robert Schwinger (vorne, rechts) und Dr. Gerhard Jilge (nicht im Bild) rieten den Zuhörern beim Themenabend "Herz unter Stress" in der Max-Reger-Halle eindringlich zu Bewegung und gesunder Ernährung, um das Herz fit zu halten. Bild: Schönberger

Wer hätte das gedacht? "Auch ein Zoigl kann präventiv wirken", sagt Professor Robert Schwinger. Das Gemeinschaftserlebnis wärmt das Herz. Trotzdem sollte Alkohol nur in geringen Mengen genossen werden. Sonst hält es das stärkste Herz nicht aus.

Das machten alle drei Referenten deutlich, die am Montagabend die alljährliche Veranstaltung zur Herzwoche gestalteten. Ihre Vorgabe: Männer sollten nicht mehr als 250 Milliliter (ml) Wein oder 500 ml Bier pro Tag konsumieren, Frauen allenfalls die Hälfte. Dazu legten sie allen Zuhörern einen gesunden Lebensstil ans Herz. Sprich: viel Bewegung, gesunde Ernährung und die Reduktion des Körpergewichts auf einen Body-Mass-Index (BMI) von unter 30. "Noch besser ist unter 25", sagte Dr. Gerhard Jilge, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus Kemnath.

Aufklärung ist wichtig


Mit seinem Referat über "Herzprobleme bei Diabetes: Was tun?" startete er den Vortragsabend, den die Medizinische Klinik II des Weidener Klinikums organisiert hatte. Unterstützt wurde sie dabei von der AOK-Direktion Weiden, der Deutschen Herzstiftung und Oberpfalz Medien. Wie wichtig Aufklärung ist, machte Josef Götz, Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG, in seiner Begrüßung deutlich: "Von den zehn häufigsten Todesursachen werden vier von Herzerkrankungen ausgelöst."

"Oft höre ich den Satz: Ich habe seit zehn Jahren Diabetes, aber ich hatte noch nie was am Herzen", berichtete Dr. Jilge, der zehn Jahre lang an einer Fachklinik mit Diabetologie tätig war. "Aber leider stimmt das meistens nicht. Häufig haben die Patienten ihr Herzproblem nur noch nicht bemerkt." Diabetiker hätten sehr oft sogenannte stumme Durchblutungsstörungen am Herzen. Sie würden aber die Brustschmerzen nicht merken, da der Diabetes die Nerven schädige. "Dafür klagen sie oft über Luftnot."

Diabetes schädige nicht nur Netzhaut, Nieren und Nerven. Auf lange Sicht führe die Krankheit auch zu Arteriosklerose und könne so Schlaganfall oder Herzinfarkt auslösen. Mit einem gesunden Lebensstil und Medikamenten lasse sich dieses Risiko jedoch deutlich minimieren. "Gewichtsabnahme und Bewegung sind die Basis jeder Diabetes-Therapie", legte Dr. Jilge den Zuhörern ans Herz. Er riet zu einer kalorien-angepassten Mischkost, reich an Ballaststoffen. "Besonders günstig ist die mediterrane Ernährung." Rauchen sei tabu. Der Taillenumfang bei Männern sollte maximal 102 Zentimeter (besser 94) betragen, bei Frauen maximal 88 Zentimeter (besser 80). Ebenfalls ratsam: "Werden Sie fünf Mal die Woche körperlich aktiv durch Wandern, Schwimmen oder Walking. Und betreiben Sie zwei Mal die Woche mäßiges Krafttraining." So könne es gelingen, die Diabeteserkrankung oder deren medikamentöse Behandlung hinauszuzögern.

Die gleichen Ratschläge legte Dr. Gudrun Graf, Fachärztin für Innere Medizin und Notfallmedizin, den Menschen ans Herz, die zu hohe Blutfettwerte aufweisen. Denn: "Zu viel Cholesterin führt zu Ablagerungen in den Gefäßen und steigert somit das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall." Das gelte insbesondere für das LDL-Cholesterin, auch "schlechtes Cholesterin" genannt. "Gut" sei dagegen das HDL-Cholesterin, weshalb dieser Wert möglichst hoch sein sollte. Da ein erhöhter Blutfettspiegel keine Schmerzen bereite und deshalb oft unbemerkt bleibe, sollte jeder seine Werte regelmäßig messen lassen. Bei Herzinfarkt-Ereignissen oder erhöhten Cholesterinwerten in der Verwandtschaft möglichst schon in jungen Jahren, riet die Internistin.

Häufigste Todesursache


"Bluthochdruck ist weltweit die häufigste Todesursache wegen der vielen Folgekrankheiten wie Koronare Herzkrankheit, Herzschwäche oder Infarkt", betonte Professor Robert Schwinger, Chefarzt der Medizinischen Klinik II. Und: "Jeder kann durch seinen Lebensstil genau so viel erreichen wie durch eine Pille." Der Blutdruck lasse sich durch gesunde Ernährung und Bewegung um 10 bis 15 mmHg senken, "das ist sehr viel". Erst wenn diese Möglichkeiten ausgeschöpft seien, müssten Medikamente eingenommen werden. Richtig eingestellt sei der Blutdruck, wenn der obere Wert unter 139 liege, der untere Wert unter 89. "Gehen Sie zu einem Arzt ihres Vertrauens", riet Schwinger. "Er weiß, welche Medikament sich kombinieren lassen und welche nicht." Die Kombination zu vieler Medikamente könnte allerdings gefährlich sein, warnte er.

Mit Blick auf die französischen Weintrinker - "Sie haben eine längere Lebenserwartung, obwohl sie fetter essen" - kam der Kardiologe und Weinliebhaber abschließend zu folgender Erkenntnis: "Ein bisschen Alkohol ist so verkehrt nicht. Auch Genuss gehört zum Lebensstil."

Häufig haben die Patienten ihr Herzproblem nur noch nicht bemerkt.Dr. Gerhard Jilge
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