Vorwurf: Neunjährigen in Vohenstrauß tot geschlagen
Anklage nach Tod eines Kindes

Die Appartements im "Haus für Kinder", einem Vorzeigeprojekt des Evangelischen Hilfsvereins, waren gerade erst bezogen, als im August 2014 der neunjährige Bub ums Leben kam. Bild: ck

Die Staatsanwaltschaft Weiden hat gegen einen 34-Jährigen aus Vohenstrauß Anklage wegen Totschlags erhoben. Dem Mann wird vorgeworfen, im August 2014 den neunjährigen Sohn einer Nachbarin so heftig geschlagen zu haben, dass dieser an den Folgen starb.

Weiden/Vohenstrauß. Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer bestätigte auf NT-Nachfrage die Anklage. "Wir gehen davon aus, dass er dem Kind so heftige Schläge versetzt hat, dass die Schläge über eine Hirnschädigung zum Tode geführt haben."

Die Tat ereignete sich am 4. August 2014. Der Junge (Jahrgang 2005) war kurz zuvor neun Jahre alt geworden. Er bewohnte mit seiner schwerkranken Mutter eine von sechs kleinen Wohnungen für Alleinerziehende in der Vohenstraußer Asylstraße. Im Nachbarappartement lebte der Angeschuldigte. Aufgrund der Krankheitsschübe seiner Mutter kam der Schüler regelmäßig bei dem ebenfalls alleinerziehenden Vater unter und übernachtete dort auch. Schäfer: "Er hatte eine Art Erzieherrolle übernommen."

An diesem Abend eskalierte die Lage zwischen dem Ziehvater und dem Neunjährigen, der das schreiende Kind schließlich ins Bad gesperrt haben soll. Auf der Klinke postierte der Angeschuldigte ein Wasserglas, um zu bemerken, wenn sich die Klinke bewegt. Eben dies passierte. Das Glas fiel. Laut Anklage soll der 34-Jährige daraufhin in das Bad gestürmt sein und schreiend auf das Kind eingeschlagen haben.

Auf Couch eingeschlafen


Später habe der Neunjährige noch über Kopfschmerzen geklagt und sich übergeben. Der Angeschuldigte habe ihn das Erbrochene aufwischen lassen. Auf der Couch in der Wohnung des Mannes schlief das Kind ein und wurde dort am nächsten Morgen tot gefunden. Es kam zu einem größeren Einsatz an Rettungskräften in der Asylstraße. Der Hubschrauber landete.

Der Tod wurde von dem Tatverdächtigen mit autoaggressivem Verhalten des auffälligen Kindes erklärt. Der Junge sei mit dem Kopf gegen die Wand gelaufen. Die Staatsanwaltschaft ordnete die Obduktion an. Es liegt ein Gutachten von Professor Dr. Peter Betz, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin in Erlangen, vor, wonach sich die Verletzungen nicht mit dieser Erklärung vereinbaren lassen.

Schäfer spricht von einem "Verfahren, das sehr viel Mühe gekostet hat, sowohl für die Kripo, als auch für die Staatsanwaltschaft". Es musste geklärt werden, ob Fremdeinwirkung vorlag. Ob sich das Kind die Verletzungen selbst beigebracht haben könnte oder ein Sturz in Betracht kommen könnte. Im Oktober 2015 wurde schließlich der 34-Jährige aufgrund hinreichenden Tatverdachts in Untersuchungshaft genommen. Oberstaatsanwalt Rainer Lehner und das Kommissariat 1 der Weidener Kriminalpolizei bearbeiten den Fall.

Die Staatsanwaltschaft hat vor dem Landgericht Weiden Anklage erhoben, das nun aufgrund der Aktenlage prüft, ob dies zurecht geschehen ist. Wird das bejaht, kann das Hauptverfahren eröffnet und die Hauptverhandlung angesetzt werden.
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