Warten auf die Niederkunft
"Flüchtlingschristkindl" in der Mehrzweckhalle

Manfred Weiß (rote Jacke) nahm die Spende aus der Hand von ATU-Geschäftsführer Jörn Werner und Azubi-Vertreter-Daghan Küpür (links daneben) entgegen. Im Bild ist nur ein symbolischer Karton zu sehen: Insgesamt sammelte ATU über 300 Kleidungsstücke. Bild: Götz

In der Mehrzweckhalle geht eine hochschwangere Frau auf und ab. Welcher Monat? Sie hebt alle zehn Finger. Max Landgraf, Einsatzleiter in der Notunterkunft, rechnet über die Feiertage mit einem "Flüchtlingschristkindl". Er hat selbst Dienst und ist ganz cool. "Das Klinikum ist ja nicht weit."

Die Schwangere ist eine von aktuell 209 Menschen, die derzeit in der Mehrzweckhalle leben, darunter viele Familien. Etwa 30 Kinder sind darunter, auch Babys. Ein etwa neun Monate altes Mädchen saust im Gehfrei über den Hallenboden.

Die Situation hat sich verschärft. Nicht nur, dass es immer enger wird (am Donnerstag kamen noch einmal 50 an). Es gibt auch eine Art Stau bei der Umverteilung nach dem "Königssteiner Schlüssel" auf ganz Deutschland. In der Berufsschulhalle war das noch anders, da herrschte stetes Kommen und Gehen: "Jede Woche hundert raus, hundert rein." Aktuell ist ein Großteil schon seit sechs Wochen in der Halle, beschreibt OB Kurt Seggewiß die Situation. "Momentan stockt's." Insgesamt sind bisher über 700 Flüchtlinge von der Grenze durch die "Erstaufnahmeeinrichtung" Weiden geschleust worden, weitergeleitet aus Regensburg.

Seggewiß empfängt am Mittwoch vor Ort willkommenen Besuch: Die Azubis von ATU, Betriebsrat und Gewerkschaft und sogar Jörn Werner. Vorsitzender der Geschäftsführung, sind gekommen, um Kleiderspenden abzugeben. Die Kleiderkammer, ehrenamtlich geführt vom Netzwerk Asyl, braucht permanent Nachschub. "Der Winter kommt erst noch."

Was die ATUler sehen, wird sie nachhaltig beeindruckt haben. Es sieht ein wenig aus wie das größte Indoor-Zeltlager der Stadt Weiden. Feldbett steht an Feldbett, nur Familien "wohnen" in abgeteilten Kojen. "Sechs Wochen auf Pritschen schlafen, mit 200 anderen." Seggewiß sagt selbst, "das würde ich nicht lange aushalten". Trotz aller Widrigkeiten ist das Miteinander von Flüchtlingen, Einsatzleitung und Security harmonisch. "Toi, toi, toi, dass es so bleibt."

ATU-Chef Werner sagt denkwürdige Worte: "Wir haben alle das Glück in einer Gegend geboren zu sein, wo Frieden herrscht. Wir haben die absolute Verpflichtung, diesen Leuten zu helfen."

Die Idee zur Kleidersammlung im Unternehmen stammt von der Jugend- und Auszubildendenvertretung. "Wir wollten ein Zeichen setzen gegen Hetze. Wir zeigen Solidarität", erklärt Vorsitzender Daghan Küpür. Matthias Scherr, Jugendsekretär der IG Metall, kennt "ganz andere Diskussionen", die zum Thema geführt werden: "Wir müssen sensibilisieren, warum diese Leute zu uns kommen." Manfred Weiß, Netzwerk Asyl, dankt den Spendern.
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