Warum Weiden 775. Geburtstag feiert
Es lebe König Konrad

Alle gucken zum Storch. Kaum einer darunter. Dabei sitzt mitten in Weiden König Konrad. Die Szene zeigt den blonden Staufer (Mitte), wie er eine Urkunde unterzeichnet. Links Ramung von Kammerstein (Richter von Eger und Nürnberg), der mit dieser Urkunde beauftragt wird, das Kloster Speinshart vor Übergriffen zu schützen. Rechts ein Schreiber. Bild: Götz

Am Samstag feiert Weiden seinen 775. Geburtstag. Warum eigentlich? Zu verdanken ist das König Konrad IV. Er hat 1241 auf der Durchreise in Weiden eine Urkunde ausgestellt. Den kennen Sie nicht? Doch. Ganz sicher. Der deutsche König, zugleich König von Sizilien und Jerusalem, schwebt täglich über den Köpfen der Weidener. Er ist der Blondschopf mit der Krone im Mosaik am Alten Rathaus, gleich unter dem Storchenhorst.

Wie muss man sich Weiden zu seiner Zeit vorstellen? Zu Ortsnamen gehörte früher das Geschlechtswort. Weiden hieß "die Weide". Insofern liegen auch alle Oberpfälzer richtig, die heute noch in "d'Wein" fahren. Der König und sein Heer hatten sich in Nürnberg gesammelt und waren auf dem Weg zum Schlachtfeld in Polen. In Weiden machte das Feldlager Station. König Konrad unterschrieb eine Urkunde, die für das Kloster Speinshart bestimmt war und dem Kloster Schutz gegen Thurndorfer Raubritter zusichert. Er unterzeichnete mit "16. Juli 1241, apud Weiden". Apud für "gegeben zu".

"Weiden muss also schon eine ansehnliche, feste Besiedlung gewesen sein, sonst hätte er nicht Station gemacht", meint Stadtarchivarin Petra Vorsatz. Der Stauferkönig war blutjung. 13 Jahre alt. Ein Leben im Zeitraffer: Sein Vater war der berühmte Kaiser Friedrich II., seine Mutter starb bei seiner Geburt in Apulien. Bis zum siebten Lebensjahr war Konrad in Italien, dann zog er ins deutsche Reichsteil, um die Interessen des Vaters, "Global-Player" seiner Zeit, zu wahren.

Mit 18 heiratet Konrad die 19-jährige Prinzessin Elisabeth von Bayern. Mit 22 entkommt er knapp einem Mordanschlag. Sein Vater setzt ihn zum Universalerben ein, was der Papst nicht anerkennt und Konrad exkommuniziert. Mit 23 lässt er seine schwangere Frau zurück und zieht nach Italien, um seine Stellung dort zu stabilisieren. König Konrad stirbt im Alter von 26 Jahren im Feldlager und wird in Palermo beigesetzt. Seinen Sohn Konradin, den letzten Staufer, bekommt er nie zu Gesicht. Was für ein Leben! "Die Staufer sind eines der interessantesten Geschlechter", findet Petra Vorsatz.

Ob er wirklich so ein blonder Schönling war, wie auf dem Mosaik in Weiden dargestellt? Schwer zu sagen. Das Mosaik entstand 1937. Der Weidener Künstler Eduard Götz aus der Schulgasse schuf es aus 44000 Steinchen. Seine Tochter Emilie, Ehefrau des langjährigen Schulamtsdirektors Josef Schmidkonz (92), kann sich noch erinnern, wie sie als achtjähriges Mädchen für den Vater die Steinchen brach. Nächstes Jahr ist das 80 Jahre her. Das Mosaik hält, und Konrads Geschichte ist sowieso für die Ewigkeit.
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