Was isst ein Pfarrer in der Fastenzeit? Eine Haushälterin erzählt
Am Tisch des Herrn Pfarrer

So sehen sie aus: 346 Kalorien, hübsch angerichtet neben gemischtem und Kartoffelsalat.
 

Dekan Johannes Lukas liebt Schweinebraten. Oder Roulade. Seit Aschermittwoch aber hat er nur mehr wenig Fleisch gegessen. Stattdessen zaubert Pfarrhaushälterin Christine Würth für ihn Fastenspeisen: "Dabei würde ich dem Herrn Pfarrer nichts auftischen, was ich nicht selbst mag - außer vielleicht ..." Rezeptideen aus einem Pfarrhaushalt.

Es gibt etwas, das ist gar nicht nach Christine Würths Geschmack: "Ich hasse Spinat. Aber der Pfarrer mag ihn gern." Also serviert die Haushälterin Dekan Johannes Lukas auch dieses grüne Gemüse. Abgeschmeckt mit Muskat, Salz, Pfeffer und fettarmer Dosenmilch statt gehaltvollerer Sahne. "Ein paar Salzkartoffeln und ein Spiegelei dazu - fertig ist die Fastenspeise", sagt die 46-Jährige. Es ist eine von vielen, die die gebürtige Matzlesbergerin für den Pfarrer zubereitet. Aber keine schmeckt dem Geistlichen von St. Konrad so gut wie die Curry-Fischfrikadellen, die gerade in der Pfanne brutzeln.

"Die liebt er. Das Rezept kommt von seiner Schwägerin", verrät Christine Würth (siehe Kasten). Ansonsten lässt sich die Pfarrhaushälterin von Zeitschriften inspirieren. Oft kocht sie aber spontan und vertraut dabei auf ihr Können, das ihr sozusagen in die Wiege gelegt wurde. Die 46-Jährige stammt aus einem Wirtshaus in Matzlesberg, dem Gasthaus Eckl. "Dort haben der Pfarrer und seine Eltern oft gegessen." Schließlich war es Lukas' Mutter, die ihrem Sohn vorgeschlagen hat, Christine Würth als Haushälterin zu beschäftigen. Das war 2003. Seitdem bekocht die Mutter eines mittlerweile fast erwachsenen Sohnes den Geistlichen, kauft für ihn ein, kümmert sich um den Hund, besorgt auch mal Glühbirnen.

Gerade pellt Christine Würth Kartoffeln: "Zu den Fisch-Frikadellen gibt es Kartoffelsalat." Ein Mal pro Woche sei das Leibgericht für den Pfarrer gesetzt, der es grundsätzlich "eher würzig" mag. Ansonsten tischt die 46-Jährige schon mal ein Speck-Pilz-Omelett mit Feldsalat auf. "Speck gibt's aber nur sehr wenig. Ein bisserl halt für den Geschmack." Schließlich ist Fastenzeit. Das wirkt sich auch auf die Kartoffelsuppe aus.

Pfarrer ist ganz pflegeleicht


Normalerweise gehöre da ein Stück Bauchspeck "schön scharf angebraten" rein. "Vor Ostern fällt das weg." Stattdessen finden sich Karotten, Petersilie und Zwiebeln in der Suppe. "Obenauf kommen leckere geröstete Zwiebeln."

Und dem Bischöflich Geistlichen Rat schmeckt's? "Der Herr Pfarrer ist ganz pflegeleicht", sagt Christine Würth lachend. Ein Mehr-Gänge-Menü bereite sie nur zu, wenn der Hausherr Besuch erwartet. Das Gleiche gilt für Kuchen. "Der Herr Pfarrer hat Diabetes. Da muss er aufpassen. Mehlspeisen mache ich deshalb gar nicht."

Wirsing-Auflauf mit zwei verschiedenen Käsesorten wohl. "Oben drauf kommt Gouda in Scheiben, innen rein fein geriebener Emmentaler. Für den Geschmack nehme ich ein bisschen Schinken. Dazu gibt es Salzkartoffeln." Nudeln als Beilage seien wegen der Diabetes-Typ-I-Krankheit stets nur zweite oder dritte Wahl. Zum Salat mit gebratenen Zucchini und Garnelen würden sie auch nicht passen.

Ich sag's Ihnen: Die Stelle hier ist wie ein Sechser im Lotto.Pfarrhaushälterin Christine Würth

Stattdessen nimmt die 46-Jährige dafür Römerherzen, Gurke, Tomate, Paprika, Salatkräuter, Balsamico-Essig und Olivenöl. Dann greift sie zu Pfanne und Knoblauch. "Mit dem Knoblauch reibe ich die Pfanne aus, gebe Öl dazu und brate darin Zucchini an." Das zweite Bratgefäß erfährt ebenfalls eine Abreibung mit Knoblauch, darin brutzeln Garnelen, die schließlich mit den Zucchini in einer süß-sauren Soße warm über dem gemischten Salat landen. Ein wenig Baguette dazu. Fertig. Guten Appetit.

"Nein, nein. Ich esse da nicht mit", sagt Christine Würth. Allerdings habe sie ihre Rezeptidee früher oft mit nach Hause genommen und sie für den Sohn nachgekocht. Seit der Nachwuchs aber in der Arbeit speist, habe sich das auch erledigt. "Aber keine Sorge, ich verhungere nicht. Ich koche abends." Obwohl die 46-Jährige, die auch in der Bäckerei Brunner arbeitet, in der Fastenzeit "auch etwas langsamer tut".

Fleisch stehe so gut wie nie auf dem Speiseplan. "Fisch ist doch eine gute Alternative", findet die Pfarrhaushälterin. Forelle zum Beispiel. "Einfach mit Kräuterbutter, Petersilie, Zwiebeln füllen", schlägt sie vor. Dazu gibt es Kartoffeln, diesmal mit Rosmarin.

Haushalt ein Hauptgewinn


Die Frikadellen sind fertig. Der Curry-Duft wabert durchs Pfarrhaus am Hammerweg. Und was gibt's morgen? "Das weiß ich doch heute noch nicht", sagt Christine Würth. Und der Pfarrer will's auch nicht wissen? "Nie. Ich sag's Ihnen: Die Stelle hier ist wie ein Sechser im Lotto."

Rezept zur Leibspeise des Bischöflich Geistlichen RatsCurry-Fischfrikadelle mit Seelachsfilet

Wie es sich für einen katholischen Pfarrhaushalt gehört, sind die Portionen eher übersichtlich, die die Haushälterin zubereitet. Im Fall der Curry-Fischfrikadellen gereicht uns Christine Würth deshalb das Rezept für zwei Portionen. Es zuzubereiten dauert in etwa 40 Minuten. Man braucht dazu folgende Zutaten:

350 Gramm frisches Seelachsfilet

4 Frühlingszwiebeln

1 mittelgroßes Ei

3 EL Semmelbrösel

mildes Currypulver

1 Bio-Limette

Salz, Pfeffer, Öl

Zubereitet werden die Frikadellen wie folgt:

Das Seelachsfilet fein hacken und in eine Schüssel geben. Die Frühlingszwiebel putzen, längs vierteln, fein schneiden. Zusammen mit dem Ei, mit 3 EL Semmelbrösel, 1 TL mit mildem Currypulver und 2 TL Limettensaft zum Fisch geben und gut mischen. Kräftig mit Salz und Pfeffer würzen. Dann 1 EL Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen. Aus der Fischmasse mit leicht geölten Händen 6 Frikadellen formen und im heißen Fett von jeder Seite drei Minuten braten. Mit den Spalten der Bio-Limette servieren.

Christine Würth reicht Pfarrer Johannes Lukas sowohl gemischten als auch Kartoffelsalat. (mte)
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