Was kostet ein Google-Link?
Bis zur 80 Euro pro Link

Professor Marco Nirschl ist an der Hochschule Amberg-Weiden für das Fach E-Commerce-Management zuständig. Bild: sbü
 
Die OTH Amberg-Weiden nimmt Google ins Visier: Wer bei der Internetsuchmaschine gefunden werden will, der muss zahlen. Professor Marco Nirschl untersucht, wie Online-Marketingprozesse funktionieren. Bild: dpa

Seit 1. September nimmt an der OTH in Weiden das Fach E-Commerce-Management konkrete Formen an. Als erster Professor begann Marco Nirschl seine Lehrtätigkeit. Mit ihm fiel der Startschuss für eine Entwicklung, die viele als zukunftsweisend sehen.

Amberg/Weiden. Als sich der neue OTH-Professor für E-Commerce-Management, Marco Nirschl, den Mitgliedern des Fördervereins vorstellte, überraschte er seine Zuhörer. Viele hörten zum ersten Mal, was es kosten kann, in der Google-Suchmaschine "ganz oben" zu erscheinen.

Teure Internet-Marken


Der gelernte Wirtschaftsinformatiker erläuterte seinen Zuhörern, dass es zwei Arten von Suchergebnissen gibt: Ad-Words-Anzeigen und andere Links auf der Google-Ergebnisseite. Beide unterscheiden sich auf den ersten Blick oft nur geringfügig. Der tatsächliche Unterschied bestehe jedoch darin, dass bei bezahlten Links für vielgebrauchte allgemeine Suchbegriffe "bis über 80 Euro pro Klick bezahlt werden müssen". Das Erstaunen der Zuhörer über diese Information war nicht zu überhören.

Und der neue Professor verriet noch mehr Hintergrundwissen über den elektronischen Handel. So zitierte er eine Meldung, wonach der Internet-Bezahldienst Paypal "wertvoller als die Deutsche Bank" sei. Nirschl zeigte auch, wie Internetseiten eines Online-Händlers aufgebaut sein müssen, um eine möglichst hohe Käufer- beziehungsweise Abschlussquote zu erreichen. Beschrieben wurden auch die verschiedenen Phasen des Prozesses, bis es zu einem Abschluss kommt.

E-Commerce, sowie dessen Prozesse, Marketing und Informationssysteme bilden im laufenden Semester die Lehrinhalte der Vorlesungen des neuen Professors. Im Gespräch mit unserer Zeitung zeigt sich Nirschl vom großen Zukunfts- und Wachstumspotenzial des elektronischen Handels überzeugt. "Bei dem derzeitigen Elf-Prozent-Anteil am gesamten Handelsumsatz wird es bestimmt nicht bleiben", sagt er. Der Unternehmer müsse diesen Vertriebsweg bewusst akzeptieren, denn "Internet beginnt in seinem Kopf".

Der Experte nannte auch einige der wichtigsten Trends, die sich dabei abzeichnen. "Wir haben schon jetzt mehr Zugriffe von Mobilgeräten auf Web-Angebote als von stationären PCs." Deshalb müssten Seiten für Mobilgeräte "abgespeckt und vereinfacht" gestaltet werden. Jeder Händler müsse sich fragen "wer ist auf meiner Seite?" Einen weiteren Trend sieht Nirschl in der "Individualisierung der Internetangebote" und nennt dafür das vom Kunden für sich selbst zusammengestellte Müsli oder eigens gestaltete Sportschuhe als Beispiele. One-to-One-Marketing, also die zunehmende Personalisierung von Werbung und Marketing-Prozessen, nennt der Experte ebenfalls als wichtige Entwicklungslinie.

Ein weiteres Stichwort sei das "Affiliate-Marketing" als Bezeichnung für virtuelle Partnernetzwerke, die eine große Zahl verschiedener Geschäftsmodelle ermöglichen. "An Google kommt keiner vorbei", sagt er auch. Deswegen seien Suchmaschinenoptimierung und andere Methoden, um das eigene Produkt möglichst weit oben bei den Suchergebnissen zu platzieren, besonders wichtige Themen.

Im neuen E-House


Dass der neue Professor für den Aufbau der Vertiefungsrichtung E-Commerce-Management voller Ideen steckt, war auch zu spüren. "Ich versuche, alle meine Themen auch mit Anwendungen zu hinterlegen", verriet er. Um die Praxisorientierung der OTH auch im E-Commerce zu realisieren, knüpft Nirschl derzeit intensive Kontakte zur heimischen Wirtschaft und engagiert Unternehmensvertreter zu Gastvorlesungen. "Ich stoße auf großes Interesse", stellte er dazu fest und freut sich auf die Zeit, wenn im neuen E-House Wissenschaftler und Betriebe gemeinsam an Projekten arbeiten.
Weitere Beiträge zu den Themen: E-Commerce (8)Nirschl (1)OTH Amberg-Weiden (196)
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