Was macht eigentlich Linda Meiler?
Einst Schülerin in Weiden, jetzt Lehrerin in München

Sie lebt in München, liebt die Natur aber noch immer. Eine Hinterlassenschaft ihrer Jugendzeit in Weiden, meint Linda Meiler. Repro: ske
 

Weiden/München. Junge Oberpfälzer verlassen ihre Heimat, um andernorts zu studieren, eine Ausbildung zu machen oder eine lukrative Arbeitsstelle anzutreten. Häufig kehren sie nicht zurück. Einer der Gründe, weshalb viele Gemeinden mit sinkenden Einwohnerzahlen kämpfen. Auch die Weidnerin Linda Meiler hat ihre Heimatstadt nach dem Abitur verlassen. Sie lebt heute in München und will - trotz großer Verbundenheit mit der alten Heimat - auch dort bleiben.

Sie sind gebürtige Weidenerin, haben hier die Schule besucht. Wann haben Sie Weiden verlassen?

Linda Meiler: Ich habe in Weiden das Elly-Heuss-Gymnasium besucht, dort im Jahr 1986 mein Abitur gemacht. Danach zog ich zum Studium nach Regensburg, habe in dieser wunderschönen Stadt Lehramt Grundschule studiert und 1991 das 1. Staatsexamen abgelegt. Im Anschluss bin ich nach Marseille gegangen, um Land und Leute sowie die Sprache kennenzulernen. Französisch hat mir so gut gefallen, dass ich mich direkt danach in Lausanne an der Universität angemeldet habe, um Französisch zu studieren.

Gab es auch eine Zeit, in der Sie überlegten, nach Weiden zurückzukommen?

Eine Weidnerin zieht es doch - zumindest vorübergehend - wieder nach Weiden. So habe ich meine Lehramtsanwärterinnenzeit in Weiden verbracht. Zuerst an der Pestalozzischule, das zweite Schuljahr dann in Mantel an der Grundschule. Unser Seminarleiter dort hat uns mit Humor und Herz sehr viel beigebracht, wovon ich auch heute noch profitiere.

Wo unterrichten Sie jetzt?

Seit 1994 lebe ich in München-Nymphenburg/Gern und arbeite als Lehrerin an einer märchenhaften Schule, direkt am Nymphenburger Schloss gelegen. Was für ein Geschenk! Eine Parkanlage mit Jahrhunderte alten Bäumen. Eine grüne Oase mitten in der Stadt.

Hatte das Leben in Weiden gegenüber dem Leben in der Großstadt auch Vorteile?

Oh ja, vor allem die Natur fällt einem in Weiden direkt in die Haustür. Die Freizeit im Oberpfälzer Wald zu verbringen ist nicht nur mit den Naturschönheiten verbunden, sondern auch mit all den Sagen umwobenen Oberpfälzer Geschichten, von denen vor allem meine Großmutter sehr viele zu erzählen wusste.

Wollen Sie in München bleiben oder gibt es andere Pläne?

München ist eine wunderschöne Stadt. Hier habe ich nun schon seit 22 Jahren meinen Lebensmittelpunkt und möchte auch da bleiben. Aber natürlich habe ich auch nach Weiden noch einige Kontakte, ich komme gerne immer mal wieder hierher, besuche meine Familie und treffe ehemalige Freundinnen und Freunde.

Vermissen Sie die Oberpfalz?

Selbstverständlich, vor allem Kindheitserinnerungen, wie mit meinem Vater durch den Oberpfälzer Wald zu streifen, auf der Suche nach Pilzen und Tierspuren, mit meiner Mutter Obst zu ernten und Marmelade einzukochen, mit Freundinnen im Schätzlerbad abzutauchen, auf dem DJK-Gelände sportliche Runden zu ziehen und einen Cappuccino auf dem Markplatz zu genießen.

Sie sind zur Großstädterin geworden. Was sind die Vorteile gegenüber dem Leben in einer kleineren Stadt?

Bei München liegt das auf der Hand. Im Sommer ist der Gardasee oder Südtirol nur einen Katzensprung entfernt, die österreichischen Berge sind für den Wintersport zum Greifen nahe. Ich liebe die Vielzahl kultureller Angebote, wie Theater, Museen, mit meiner Tochter in die Oper zu gehen. Und wenn es uns hier in München dann immer noch zu eng ist, ist der Flughafen nicht weit.

Inwieweit hat Sie Ihre Jugend geprägt? Merkt man Ihnen die Oberpfälzer Wurzeln noch an?

Die Jugend in der Oberpfalz hinterlässt tiefe Spuren. Noch heute zieht es mich raus in die Natur, selbst bei schlechtem Wetter, und der Satz meiner Großmutter "Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung" klingt mir immer in den Ohren, wenn ich die Großstädter sagen höre: "Was für ein schreckliches Wetter!" Der Duft des Waldes nach Holz, das Rauschen der Blätter im Wind oder das Prasseln des Regens auf die Erde lassen mein Herz immer wieder lächeln. Das Leben in einer Großstadt ist schon anders, und ich freue mich immer wieder, die Verlässlichkeit, Herzlichkeit und Bescheidenheit sowie das Engagement der Oberpfälzer zu spüren. Sehr gerne betätige ich mich in unserer Pfarrgemeinde. Auch als Elternbeirätin im Gymnasium meiner Tochter engagiere ich mich, da mir das Wohl der Schülerinnen sehr am Herzen liegt. Und der Oberpfälzer Ausdruck "dahoi, dahoi", also "immer mit der Ruhe", war mir in vielen Lebenssituationen ein sehr weiser Ratgeber.
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