Was macht eigentlich Sabine Geppert?
Tränen sind getrocknet

Am 14. August 2009 trug auch Sabine Geppert ihren Arbeitsplatz zu Grabe. Fünf Jahre lang hatte sie Karstadt bzw. Hertie geleitet - dann ging das eigentlich rentierliche Kaufhaus mit der in Schieflage geratenen Kette über den Jordan. Archivbild: Wilck
 
Sabine Berger-Geppert. Bild: hfz

Ein Trauerzug verlässt das Kaufhaus: 50 schwarz gekleidete Mitarbeiter, die ihre Arbeitsplätze zu Grabe tragen. Am 14. August 2009 schließt Hertie nach fast 48 Jahren für immer. Für Sabine Geppert ist es "einer der schlimmsten Tage meines Lebens". Doch das Leben geht weiter.

Das Hertie-Grundstück ist inzwischen Teil des Fondara-Areals, auf dem das innerstädtische Einkaufszentrum entstehen soll. Und Sabine Geppert? Sie lebt heute in Nürnberg, ist für die Damenmode-Kette Orsay unterwegs. Ihr Name hat sich leicht verändert: Nach Heirat heißt sie Sabine Berger-Geppert. Im Interview macht sie deutlich, was dagegen immer bleiben wird: ihre besondere Verbundenheit mit Weiden und der Region.

Denken Sie heute noch an den 14. August 2009 zurück?

Sabine Berger-Geppert: Diesen Tag werde ich nie vergessen. Es war einer der schlimmsten meines Lebens. Wissen Sie, ich habe damals noch einem Mitarbeiter zum 40-jährigen Dienstjubiläum gratuliert, ihm eine Urkunde übergeben. Und anschließend habe ich die Türen schließen müssen.

Sie hielten damals wie alle Hertieaner ein Kreuz in der Hand. Ihre Inschrift lautete: "Hier ruht mehr als mein Arbeitsplatz - es war viel mehr". Was genau war Hertie Weiden für Sie?

Die Menschen. Sechs Jahre zuvor hatte ich das Haus - damals noch Karstadt - übernommen. Es gab Berührungsängste, ich war wohl ein anderer Typ Chef, als ihn die Karstädter gewohnt waren. Nach einem Vierteljahr ist das Eis aber gebrochen. Da merkte man: Wir sitzen im gleichen Boot, rudern in die gleiche Richtung. Mit vielen der damaligen Beschäftigten habe ich noch Kontakt. Vier sind nun wieder meine Mitarbeiter bei Orsay. Aber auch die anderen werden immer meine Leute bleiben.

Wie ging es mit Ihnen nach der Schließung weiter?

Ich wollte nie wieder etwas im Handel anfangen. Tatsächlich habe ich ein paar Monate gebraucht, um mich zu sortieren. Ich bin Oma geworden, habe jetzt einen sieben Jahre alten Enkel. Ihn wollte ich mal durchs Kaufhaus tragen - das hat leider nicht geklappt, weil er im November zur Welt kam. Am 1. Juni des Folgejahres fing ich dann bei Orsay als Bezirksleiterin an. Ich habe eingesehen: Der Handel ist halt meine Welt.

Für welchen Bereich sind Sie zuständig?

Oberpfalz, Franken, Teile von Hessen und die Münchner Kaufingerstraße. Von der Größe her ist's wie Hertie - 8500 Quadratmeter, aber eben auf mehrere Städte verteilt. Ich bin für 16 Häuser und 125 Mitarbeiter zuständig.

Wie schwer hatten es Ihre Hertieaner, wieder Arbeit zu finden?

Eine Reihe konnte in Ruhestand gehen. Von etwas mehr als der Hälfte weiß ich, dass sie eine Anschlussstellung erhalten haben, das dauerte mal länger, mal kürzer. Besonders freue ich mich natürlich über die vier Mitarbeiter, die nach sechs Jahren Zusammenarbeit mit mir gesagt haben: Ich kann mir vorstellen, auch wieder bei Orsay mit Ihnen zu arbeiten.

Kommen Sie noch nach Weiden?

Nicht oft genug. Etwa ein Mal im Monat.

Dann kennen Sie ja die Riesenbaustelle an dem Ort, wo früher Hertie stand.

Für mich war es ganz schlimm, als das Gebäude fiel. Ich habe es eine Zeitlang vermieden, zu diesem Eck zu gehen. Dann habe ich die Abbrucharbeiten fotografiert: Als die Fassade abgerissen wurde, konnte ich in mein ehemaliges Büro sehen. Es war weißblau gestrichen und von daher gut zu erkennen. Jetzt, wo alles weg ist, tut es weniger weh. Die Baustelle an sich sehe ich eher als Zeichen des Neuanfangs.

Hätten Sie damals, 2009, vermutet, dass es so lange dauern würde, bis sich eine Nachfolgelösung anbahnt?

Wenn ich ehrlich bin: Ja. Jeder, der die Handelslandschaft kennt, der wusste, dass sich für diese 8500 Quadratmeter Fläche kein Nachfolger findet, der das wirtschaftlich betreiben kann.

Was halten Sie vom Fondara-Projekt?

Ich glaube an den Standort. Weiden ist ein guter Standort, hat gutes Umland. Mit Hertie sind viele Sortimente verloren gegangen, hier besteht Bedarf. Der Standort Weiden hat das Einkaufszentrum verdient.

Von Hertie Weiden hieß es, es wäre ein rentierliches Haus gewesen. Eines der wenigen, das schwarze Zahlen schrieb.

Als ich das Haus Weiden 2004 übernommen habe, fehlte ein Euro zu einem Minus von einer Million Euro. Zuletzt lautete die Bilanz auf 1,056 Millionen Euro plus, nach Abzug aller Kosten. Unter meiner Leitung war das Haus immer rentabel. Umso unverständlicher war die Schließung.

Weiden bezeichnen Sie noch immer als Ihre "zweite Heimat". Warum kommen Sie von der Stadt nicht los?

Sie ist wirklich ein Stück Heimat geworden. Ursprünglich bin ich ja Ossi. Jetzt wohne ich in Nürnberg, weil ich die Nähe zu meiner Tochter gesucht habe. Aber in der Oberpfalz habe ich mich immer zu Hause gefühlt - auch wenn ich anfangs Schwierigkeiten hatte, den Dialekt zu verstehen. Wenn ich die Autobahn runterfahre, sehe ich Hinweise auf Etzenricht, wo ich mal wohnte, und auf Weiherhammer, wo ich bei ganz bezaubernden Menschen unterkam. Und ich habe das Gefühl, ich komme nach Hause. Letztendlich machen es die Menschen aus.
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