Was soll sich in Weiden ändern? Jugendforum wertet Umfrage unter Schülern aus
Mehr Farbe, weniger Drogen

Die Altstadt, Restaurants, die Thermenwelt oder das geplante Einkaufszentrum: Es gibt einiges, das junge Leute in Weiden toll finden. Eine Umfrage des Jugendforums zeigt aber auch, wo der Schuh drückt. Die Ergebnisse präsentierten im Namen des Forums Theresa Weidhas (von links), Herbert Schmid und Eva Bauer. Bild: fku

Was bewegt junge Leute in Weiden? Was gefällt ihnen, was möchten sie ändern? Solche Fragen stellte das Jugendforum an sieben Schulen - und erhielt überraschende Antworten.

Ein bisschen Utopie darf auch mal sein. Also: Eine S-Bahn für die Stadt wäre doch eine gute Sache. So sieht es jedenfalls einer der Schüler, die sich an einer Erhebung des Weidener Jugendforums beteiligt haben. Auf einem Fragebogen sollten sie notieren, was ihnen in Weiden gefällt und was sie am liebsten verändern würden. Außerdem sollten sie selbst Ideen für die Stadt einbringen. Eine davon war eben die Sache mit der S-Bahn, die es so schnell nicht geben dürfte. Andere Vorschläge haben aber durchaus das Zeug dazu, Realität zu werden.

Das Jugendforum soll eine Plattform für junge Menschen bilden, die sich in der Stadt engagieren (Hintergrund ). Gleichzeitig "wollen wir auch Sprachrohr sein", wie Theresa Weidhas sagt, die Sprecherin des Forums. Dazu muss man aber erst einmal wissen, was die jungen Leute bewegt. Also startete die 22-Jährige mit ihren Mitstreitern die Befragung an sieben Schulen - von der Wirtschafts- bis zur Max-Reger-Mittelschule, vom Augustinus-Gymnasium bis zur FOS/BOS. Von 215 Fragebögen kamen 51 zurück, eine recht ordentliche Quote, so die Verantwortlichen.

Die Fragen waren offen formuliert. Trotzdem kamen einige Themen immer wieder zur Sprache. Etwa wenn es um die positiven Seiten der Stadt ging: Dazu zählten die Innenstadt, das geplante Einkaufszentrum, die WTW oder Restaurants. Allerdings kamen auch Drogen oft zur Sprache. "Anscheinend sind sehr viele im Umlauf", folgert Weidhas. So gibt es häufig die Forderung nach Kontrollen und einem strengeren Vorgehen gegen Rauschgift (teils auch Alkohol); vor allem am ZOB, aber auch in den Parks. Die Schüler fühlten sich dort unsicher, meint Weidhas.

Mehr Treffs für junge Leute


Dass Jugendliche mehr Polizeikontrollen wollen, mag überraschen. Erwartbarer - aber ebenso drängend - ist eine zweite häufige Anregung: mehr Aufenthaltsorte und Freizeitmöglichkeiten. Dazu gehören zusätzliche Jugendzentren bzw. Schülercafés. Zumal manche beklagen, dass der Großparkplatz als Treffpunkt ausfällt, seit dort eine neue Satzung gilt. Apropos Klagen: Manche Schüler leiden offenbar unter dem schlechten Ruf, den das Jugendzentrum immer noch hat. Und zwar bei ihren Eltern. Die haben aus ihren eigenen Jugendjahren das Bild eines Drogen-Molochs im Kopf - und lassen ihre Kinder deshalb nicht hin. Dabei sehen die das Juz offenbar viel positiver.

Burger, kommt zurück


Zu den weiteren Wünschen zählen Jugenddiscos, mehr Konzerte bzw. Festivals, generell mehr Veranstaltungen (Beispiel: "Weiden träumt" für junge Leute). Und: freie Flächen, etwa in Parks, sowie ein nach Vorstellungen der Jugendlichen umgebauter Skatepark.

Ein immer wiederkehrendes Motiv in der Umfrage sind außerdem Konsummöglichkeiten. Eine Vielzahl der Schüler beklagt, dass es keinen "McDonald's" mehr in der Innenstadt gibt. Daneben fehlen ihnen andere Fast-Food-Größen wie "Kentucky Fried Chicken". Und günstigere Klamottenläden. Die Billigkette "Primark" etwa findet sich immer wieder auf den Fragebögen.

Ein viertes großes Thema ist der Verkehr. Die Jugendlichen wollen striktere Geschwindigkeitslimits, insbesondere vor Schulen, ebenso wie mehr Parkplätze, gerade im Bereich um die FOS/BOS. Auch die Entzerrung rund um den ihrer Meinung nach überfüllten Busstopp bei Augustinus-Gymnasium/Wirtschaftsschule ist ein Anliegen. Ebenso wie die Busverbindungen, gerade zu späteren Zeiten.

Neben diesen häufig genannten Bereichen fallen noch andere Anregungen auf. Für Herbert Schmid von der gemeinnützigen GmbH "Arbeit und Leben", die als Koordinierungs- und Fachstelle für das Jugendforum wirkt, gehört dazu der viele Müll in der Stadt, den die jungen Leute bemängeln. Eva Bauer vom Jugendforum wiederum nennt die Anregung interessant, in Weiden öffentliche Wasserspender aufzustellen. Mehrfach wünschen sich die Schüler außerdem eine buntere Stadt - und zwar im wörtlichen Sinn: mehr Farben an Hausfassaden, mehr Blumen.

Nicht alles realistisch


Bei all dem ist den Vertretern des Forums natürlich bewusst, dass sich längst nicht jeder Wunsch umsetzen lässt. Aber, sagt Weidhas, es sei ja schon etwas, wenn man den jungen Leuten erklärt, warum "Primark" keinen Laden in Weiden eröffnet. Anderes wiederum könnte aber durchaus einmal Realität werden. Weidhas und Co. jedenfalls planen als nächsten Schritt einen Jugendkongress. Dabei wollen sie möglichst neue Mitstreiter werben, aber auch herausfinden, welche der Anregungen sie weiter verfolgen können.

Anscheinend sind sehr viele Drogen im Umlauf.Theresa Weidhas

Jugendkongress am Samstag

Weiden. (fku) Da sollte doch für viele etwas dabei sein: Am Samstag, 18. Juni, läuft erstmals ein Jugendkongress in Weiden. Beginn ist um 10 Uhr, Ende gegen 16 Uhr. Im Jugendzentrum gibt es dann Musik von verschiedenen Bands und drei Workshops. Einer davon liefert ein Argumentationstraining gegen Stammtischparolen. Ein zweiter dreht sich um den Dokumentarfilm "Der Zaun". Gedreht hat ihn der Journalist Dietmar Telser, der dafür die Außengrenzen Europas bereist hat und nun beim Jugendkongress über die Situation in Flüchtlingslagern und an der Grenze sprechen wird. Der dritte Workshop hat sich das Thema "Fair Trade" auf die Fahnen geschrieben. Der Eintritt zum Kongress ist frei.

Organisiert haben den Kongress der Stadtjugendring (SJR) und das Jugendforum. Das Forum, das sich als neutral gegenüber Parteien oder Vereinen sieht, gibt es seit November. Es wird gefördert vom Bundesprogramm "Demokratie leben" und hat einen Etat von 5000 Euro pro Jahr. Derzeit gibt es im Forum nur fünf Mitglieder, die sich in der Regel alle drei, vier Wochen treffen. Der Kongress soll auch der Werbung von weiteren Mitstreitern dienen (bei Interesse Mail an jugendforum-weiden@web.de). Schließlich steht der Zusammenschluss jedem offen, wobei nur Leute bis 27 Jahre stimmberechtigt sind.

Das macht für Eva Bauer (19) auch den Reiz der Arbeit aus. Im SJR etwa, sagt sie bewusst provozierend, entschieden "alte Säcke" über Angelegenheiten junger Leute. Im Forum dagegen hätten die Betroffenen selbst das Sagen.
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