Weiden ist für den Katastrophenfall gewappnet
Keine Panik

Eine Katastrophe: Im Frühsommer verwüstete eine Flut Simbach am Inn. Wer koordiniert die Hilfe, falls sich in Weiden Ähnliches ereignet? Bild: hfz

Im Katastrophenfall sollen die Bürger gewappnet sein. Das Bundesinnenministerium empfiehlt jedem Haushalt, Vorräte anzulegen. Wie ist die Stadt Weiden gerüstet?

Es liegt in der Natur von Katastrophen, dass sie plötzlich und unerwartet auftreten. Und das gilt bei weitem nicht nur für die vieldiskutierten Terroranschläge. Siehe Simbach am Inn, wo ein Hochwasser den Ort verwüstete. Auch andere Szenarien sind überall und jederzeit denkbar: Großbrände, Explosionen, Zug- oder Busunglücke und Flugzeugabstürze. Oder ein Bombenfund - Mechanismen des Katastrophenschutzes griffen zuletzt auf dem Waldspielplatz beim Tierheim. Wie sehen diese Abläufe aus? Wer ist verantwortlich? Und wie sollen sich die Bürger verhalten? Experten der Stadtverwaltung liefern Antworten.

Wer stuft ein Ereignis als Katastrophe ein?

Die Entscheidung treffen die Verantwortlichen im Rathaus, zuvorderst Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und drei weitere Personen von der Leitung der sogenannten "Führungsgruppe Katastrophenschutz". Bei bestimmten gravierenden Vorfällen verständigt die Integrierte Leitstelle den Weidener Rathauschef automatisch mit. Die Stadtverwaltung muss sich als Kreisverwaltungsbehörde um den Schutz ihrer Bevölkerung im Katastrophenfall kümmern. Dazu hat sie eine Organisationseinheit aufgebaut, eben die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK). Leiter ist Hubmann, Stellvertreterin Rechtsrätin Nicole Hammerl. Ihre Entscheidungen setzt die operativen Einheit mit Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Rettungsdienst und anderen um.

Was unternimmt die Stadt zum Katastrophenschutz?

Sie muss unter anderem Katastrophenschutz- sowie Alarm- und Einsatzpläne aufstellen, die Einsatzleitung regeln, eine rasche Alarmierung der Einsatzkräfte sicherstellen und "in angemessenem Umfang" Katastrophenschutzübungen veranlassen. Die Führungsgruppe wird geschult und übt - wie die einzelnen Hilfsorganisationen - die internen Abläufe jedes Jahr. Zum Beispiel, wie sie auf den Fund einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg reagiert und dann die Evakuierung von Klinikum oder Altenheimen organisiert. Zuletzt haben im Februar und Juli 2016 Mitglieder der FüGK an Übungen der Reservisten (Kreisverbindungskommando Stadt Weiden) teilgenommen. Angenommen wurden eine großräumige Hochwasserlage mit langandauernden Niederschlägen und Sturm, die im Stadtgebiet zu Überschwemmungen und Hangrutschen führt, sowie ein Erdbeben.

Wie erfahre ich vom Katastrophenfall?

Hauptsächlich über Medien: Fernsehen, Rundfunk, Internet. Dazu könnten Lautsprecherwagen durch die Straßen fahren und Durchsagen machen. Im Fall einer Evakuierung klingeln die Helfer schon mal an der Haustür, um Bürger persönlich zu informieren. Die Stadt richtet ein Bürgertelefon ein und gibt die Nummern dafür bekannt. Dafür ist in der Führungsgruppe Katastrophenschutz die Arbeitseinheit "Bevölkerungsinformation und Medienarbeit" (BuMa) zuständig. Sie verfasst Pressemitteilungen und hält Pressekonferenzen ab. Die Pressestelle der Stadt gehört der Führungsgruppe Katastrophenschutz an, informiert über die Entwicklungen laufend im Internet der Homepage www.weiden.de.

Eine eigens für den Katastrophenfall vorbereitete Internetseite liegt griffbereit in der virtuellen Schublade. Im Bedarfsfall wird sie mit Meldungen und Warnhinweisen befüllt. Smartphone-Besitzer können über die Weiden-App "Push-Benachrichtigungen" erhalten: Sobald etwas Neues gepostet wird, poppt auf dem Bildschirm eine Meldung auf.

Gibt es öffentliche Schutzräume?

Das flächendeckende öffentliche Schutzraumkonzept zu Zwecken des Zivilschutzes hat der Bund 2007 aufgegeben. Bis 2015 stand die Klinikum-Tiefgarage als Schutzraum zur Verfügung . Vor dem Hintergrund der geänderten Bedrohungslage nach Ende des Kalten Krieges benötigte der Bund ihn jedoch nicht mehr für Zivilschutzzwecke. Seit der Generalsanierung hat die Tiefgarage als "Bürgerbunker" ausgedient.

Wie kann ich vorsorgen?

Hier ist jeder Bürger selbst gefordert. Wenn der Notfall eintritt, ist es für Vorsorgemaßnahmen zu spät. Beispielweise für den Fall, dass der Strom für Tage ausfällt, sollten alle einen Notvorrat an Essen und Trinken im Haus haben. Genaueres teilt das Bundesamt für Katastrophenschutz und Katastrophenhilfe (BBK) im Internet mit: www.bbk.bund.de. Besonders hilfreich und informativ ist dabei der "Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen", der auf der Seite zum Download bereitsteht. In gedruckter Form kann er im Neuen Rathaus abgeholt werden. Einer der Ratschläge: "Halten Sie pro Person ca. 14 Liter Flüssigkeit je Woche vorrätig."

Wie kann ich helfen?

Personen, die sich im Notfall zur Hilfe bereiterklären würden, aber keiner Hilfsorganisation angehören, können sich als "ungebundene Helfer" registrieren lassen. Nadja Meiler nimmt die Meldungen entgegen: E-Mail: nadja.meiler@weiden.de, Telefon 0961/81-3803. Auf der Homepage der Stadt Weiden ist ein Formular unter der Rubrik "Katastrophenschutz" eingestellt. Bisher gibt es noch keine "ungebundenen Helfer" in Weiden.

Wie arbeitet die Stadt im Notfall mit dem Landkreis zusammen?

Das Landratsamt ist ebenfalls Untere Katastrophenschutzbehörde, eben für den Landkreis. Die Führungsgruppen Weiden und Neustadt wollen künftig gemeinsame Übungen abhalten. Laut Gesetz sind die Kreisverwaltungen zu gegenseitiger Hilfe verpflichtet, insbesondere benachbarte Feuerwehren und Hilfsorganisationen, auch wenn sie nicht ihren Sitz im Zuständigkeitsbereich der Katastrophenschutzbehörden haben.

KatastropheDer Begriff "Katastrophe" kommt aus dem Griechischen und bedeutet Umkehrung, Zusammenbruch, plötzlicher Wandel (und zwar zum Schlechteren). Das Gesetz geht von einer so großen Gefahr oder einen so schweren Unglücksfall aus, dass Hilfe und Schutz nur dann möglich sind, wenn die dazu berufenen Behörden, Dienststellen und Hilfsorganisationen unter einheitlicher Leitung zusammenarbeiten.

Unterschieden wird zwischen technischen Katastrophen (Explosionen, Brände, Freiwerden von Gefahrenstoffen) und Naturkatastrophen (Hochwasser, Sturm, Erdbeben). Gemein ist diesen Schadensereignissen, dass sie in der Regel unvorhergesehen eintreten und so schnell ablaufen, dass sofort gehandelt werden muss.

Bayernweit sind 470 000 Einsatzkräfte bei den Feuerwehren, freiwilligen Hilfsorganisationen und beim THW auf den Notfall vorbereitet. Militärische Ereignisse spielen übrigens seit Anfang der 1990er Jahre in Planung und Ausbildung keine Rolle mehr. (rg)
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C. Schmitz aus Regensburg | 26.08.2016 | 21:24  
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