Weiden überfüllt
Dr. Sebstian Schott beim heimatring über Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg

Heimatring-Chef Günther Magerl (rechts) Bei dem Referenten bedankte sich beim Referenten Dr. Sebastian Schott namens der 72 Delegierten mit einer Flasche "Heimatring-Wein". Bild: hcz

Über Flüchtlinge und ihre Integration in Weiden sprach Dr. Sebastian Schott beim Heimatring. Allerdings beleuchtete der wissenschaftliche Mitarbeiter nicht die aktuelle Problematik. Bei ihm ging es um die nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Ostgebieten vertriebenen oder geflüchteten Deutschen.

Um "wilde Vertreibungen" in geordnete Bahnen zu lenken, hätten die tschechoslowakischen Machthaber sich mit den Siegermächten auf die Abschiebung Deutscher aus dem Egerland in Zügen geeinigt. Mit Hilfe der Aufzeichnungen Josef Bruckners und reichen Bildmaterials zeigte Schott wie die Internierung in Tachau, der Transport in Güterwagen, die Durchschleusung im Lager Wiesau und der weitere Verschub ins gesamte Bundesgebiet vor sich ging. Sogar Kranke und Behinderte hätten die Tschechoslowaken abgeschoben. Haustiere durften nicht mitgenommen werden und verendeten dann kläglich.

Die Ankunft in Bayern mit erster Speisung sei für die Vertriebenen ein freudiges Erlebnis gewesen. Denn in der alten Heimat habe seit Mai 1945 kein Fleisch und keine Wurst mehr an Deutsche verkauft werden dürfen. Nach ärztlicher Untersuchung und Entlausung habe man sich registrieren lassen müssen. Ohne Registrierung habe es keine Weiterreise und keine Lebensmittelmarken gegeben. Da zahlreiche Sudetendeutsche ihrem Abschiebungsbefehl zuvor gekommen und über die Grenze in die Oberpfalz geflüchtet waren, war Weiden, trotz einer Zuzugssperre, schnell hoffnungslos überfüllt. Große Flüchtlingstrecks aus Schlesien waren hinzu gekommen. Insgesamt nahm die Max-Reger-Stadt nach dem Krieg 12 000 Menschen auf, davon fast 2000 aus der Tachauer Gegend.

Konflikte um Wohnraum


Die angespannte Wohnungslage führte zu Konflikten zwischen den angestammten Bürgern und den Hinzugekommenen. Barackenlager am Fichtenbühl und am alten Schützenhaus in Weiden-Ost, sowie Hotels, Fabrikgebäude und Lagerhäuser wurden als Wohnraum genutzt. Erst Wohnungsbauprogramme nach der Währungsreform 1949 linderten die Wohnungsnot. Schlichtwohnungen am Stockerhut und der Karl-Heilmann-Block wurden gebaut. Damals lebten noch 2500 Personen in Flüchtlingsbaracken. Heimatring-Chef Günther Magerl spannte anschließend den Bogen zur heutigen Flüchtlingsproblematik.
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