Weidener Chöre hätten gern mehr Nachwuchs, singen aber ungemindert mit viel Freude an der ...
Es droht kein Orgelautomat

Karfreitag in St. Josef. Kirchenmusikdirektor Luis Denz dirigiert Josef Kronsteiners "Kreuzweg". Bild: sbü
 
Dann singen wir eben weniger, aber dafür mit Qualität.

Einem Bericht in der Süddeutschen Zeitung zufolge wurden bundesweit bereits zahlreiche Kirchenchöre aufgelöst und Orgelautomaten installiert. Vor Kurzem löste sich der Kirchenchor in Kirchenthumbach auf. Wie ist die Situation in Weiden?

"Chor sucht Sänger", so lautete neulich ein Aufruf für den Kirchenchor Maria Waldrast, der wieder aktiviert werden soll. Für die anderen Kirchenchöre in Weiden war eine solche Meldung bisher nicht erforderlich. Doch dass die Situation für viele Kirchenchöre in den letzten Jahrzehnten immer schwieriger geworden sei, bestätigt auch Peter Kosmus , Leiter der Chöre der Pfarreien Herz Jesu und St. Johannes.

Vor allem Männer fehlen


Fast überall überwiegen deutlich die älteren Jahrgänge, und selten übersteigt noch die Zahl der Mitglieder die 30er-Grenze. Ganz besonders fehlen die Männer. So reduziere sich der Kreis der möglichen Aufführungen auf einen Teilbereich der vorhandenen liturgischen Musikwerke. "Keinesfalls wollen wir aber aufgeben", stellt Kosmus - wie alle seine Kollegen - fest. Spätestens nach dem Abitur sei der Sängernachwuchs weg: "Es ist ein ewiger Kreislauf." Dennoch stellt er fast kämpferisch fest: "Dann singen wir eben weniger, aber dafür mit Qualität."

Noch etwas skeptischer, aber ähnlich motiviert und engagiert äußert sich seine Kollegin Angela Sauer . Sie leitet seit 28 Jahren Kinder- und Erwachsenenchor der Pfarrei St. Konrad. "Ich weiß nicht, wie lange wir die vier Stimmlagen im Chor noch aufrecht erhalten können", sagt Angela Sauer, die auch Religionslehrerin an der Hammerwegschule ist.

Für sie gibt es bereits "einen Bruch nach der vierten Klasse". Die Kinder gehen ins Gymnasium und singen dort im Chor. "Ich bin aber kein Verfechter von Event-Chören, wir leisten liturgischen Dienst für die Kirche." Im Erwachsenenbereich stellt die Chorleiterin auch eine Konkurrenz von Chören außerhalb des kirchlichen Bereichs fest. Dennoch wirbt sie mit vielen Argumenten vehement für ihre Chorgemeinschaft. "Es geht um ein wunderbares Musikerlebnis. Wir haben auch ein Gemeinschaftsleben, und es gibt einen Zusammenhalt zwischen Jung und Alt."

Neue Sänger willkommen


Sie hofft zusammen mit ihren Chorleiterkollegen, dass sich durch die Berichterstattung im "Neuen Tag" Interessenten melden. Dass Kirchenchöre überall weniger Mitglieder haben und vor allem "die Bässe" fehlen, bestätigt St. Josef, wo Kirchenmusikdirektor Luis Denz die Chöre leitet. Umso erstaunlicher ist, dass seine beiden Chöre 50 beziehungsweise 25 Sänger und Sängerinnen aufweisen. Der große ist ein "Traditionschor", der kleinere heißt "Nova Cantica" und ist eher ein Jugendchor. Zwei Chöre bieten auch Flexibilität, schließlich kann man sie bei Bedarf auch zusammenlegen. In St. Josef gilt: Man muss heute offen für alle Richtungen sein, nicht nur lateinische Messen singen. Die Auswahl der Werke sollte auf die Wünsche der Chormitglieder Rücksicht nehmen.

"Vom Aufgeben sind wir weit entfernt", sagt Kirchenchorleiter Markus Bäumler von St. Marien in Rothenstadt. Der Altersdurchschnitt liege bei "um die 50". Mit knapp 20 Sängern könne man sich aber "nicht an große Werke heranmachen".

Ähnliche Aussagen tätigen Chorleiter Alfred Kreuzer ("Probleme landauf landab" und "Nachwuchs immer zu gebrauchen!") für den Chor von St. Elisabeth und seine Frau Brigitte Kreuzer , die die Chorgemeinschaft St. Dionysius mit St. Peter in Mantel leitet. Kirchenmusikdirektor Hans-Friedrich Kaiser konnte wegen zahlreicher Verpflichtungen zur Situation des Chores von St. Michael nicht Stellung nehmen.
Dann singen wir eben weniger, aber dafür mit Qualität.Peter Kosmus, Chordirektor in Herz Jesu
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