Weidener Eltern wollen Förderverein für einen Waldkindergarten gründen
Der Traum von Freiheit

In der Region längst nicht mehr exotisch: Waldkindergärten wie hier in Kümmersbruck. Bild: Steinbacher

In Vohenstrauß hat sich der Waldkindergarten etabliert. 20 "Wilde Wichtel" spielen täglich im Staatsforst Michlbach zwischen Böhmischbruck und Vohenstrauß. Einziges Dach über dem Kopf: ein Bauwagen. Jetzt gibt es auch in Weiden Bestrebungen, Kinder im Freien zu betreuen.

"Wir stehen erst ganz am Anfang", betont die Weidenerin Lydia Wetzel, die mit Markus Schön die Idee eines Waldkindergartens für Weiden vorantreibt. Am Samstag hatte sie zu einem ersten informellen Treffen interessierter Eltern eingeladen. Ort: natürlich im Freien. Auf der Picknickwiese beim Merklsteig-Spielplatz fanden sich immerhin acht Eltern ein. Jetzt suchen Lydia Wetzel und Markus Schön Väter und Mütter, die aktiv an der Gründung eines Elternvereins mitwirken. "Um Kinder geht es uns noch gar nicht." Wer sich beteiligen will, soll sich melden unter info.waldkita.weiden@posteo.de.

Vorbild Vohenstrauß


Ein solcher Förderverein ist auch Basis des Vorbilds in Vohenstrauß, Vorsitzende ist Petra Hager. Als Betreiber haben sich die Vohenstraußer für die gemeinnützige Unternehmensgesellschaft "h & b learing" aus dem Landkreis Passau entschieden. Geschäftsführer Franz J. M. Huber ist zugleich Landesvorsitzender des Verbandes bayerischer Waldkindergärten.

Die "h & b learning" betreibt laut Huber aktuell zehn Waldkindergärten und beschäftigt annähernd 70 Mitarbeiter. Nach Auskunft von Huber steht man vor der Übernahme und Neugründung weiterer Waldkindergärten. Unter anderem wird in Kainsricht (Gemeinde Gebenbach, Landkreis Amberg-Sulzbach) der "Räuberwald" eröffnet. "Zum Jahresende könnten es dann insgesamt 15 mit 100 Mitarbeitern sein - von Lindau bis Vohenstrauß." In Vohenstrauß werden die Kinder von drei Erzieherinnen betreut. Huber spricht von einem Drei-Säulen-Modell: "Träger und Förderverein stellen sicher, dass sich die Pädagogen ausschließlich ihrer Arbeit am Kind widmen können."

Huber bietet Gründungsbegleitung an. Er kennt die Hürden aus eigener Erfahrung, als er 1997/98 als Vater einen Waldkindergarten auf einem Biobauernhof bei Landshut einrichten wollte, was am Ende auch gelang. "Wir haben uns erstmal blutige Nasen und blaue Augen geholt." Nicht jeder soll das "Rad neu erfinden müssen". Daher gibt es inzwischen den Landesverband bayerischer Waldkindergärten. Inzwischen hat sich auch die Rechtslage geändert: Das BayKiBiG (Bayerische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz) sieht auch für Waldkindergärten eine Pro-Kind-Förderung vor. "Wir unterliegen dem gleichen Bildungsplan, haben die gleiche Qualitätsbindung."

Auch in den Köpfen hat sich einiges getan: "Die Leute sind jetzt mehr und mehr informiert." Huber ist 2013 mit der bayerischen Staatsmedaille für soziale Verdienste ausgezeichnet worden: "In der hohen Politik ist angekommen, dass es Waldkindergärten gibt." Für ihn gibt es ohnehin nichts Besseres: "Ich bin hundertprozentig überzeugt, dass ein Waldkindergarten die zeitgemäßeste Form der Frühpädagogik ist."

Goldene Regel für eine Neugründung: "Ein Schritt nach dem andern." Einen Schritt hat in Weiden jetzt die SPD-Stadtratsfraktion unternommen. Fraktionsvorsitzender Roland Richter hat einen Antrag zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 29. Juni gestellt: Er möchte von der Verwaltung über das Konzept eines "Waldkindergartens" informiert werden. Zudem solle die Verwaltung prüfen, ob der Elterninitiative ein städtisches Waldgrundstück oder ein Grundstück aus einem Stiftungswald angeboten werden kann.

Noch eine Zutat empfiehlt Landesvorsitzender Huber auf dem Weg zum Waldkindergarten: Geduld. In Vohenstrauß vergingen bis zur Eröffnung fast zwei Jahre.

Waldkindergärten in der RegionDer Waldkindergarten "Wilde Wichtel" in Vohenstrauß hat im Juni 2013 eröffnet. Im Landkreis Neustadt/WN diskutiert aktuell zudem der Stadtrat in Eschenbach den Bedarf und die Umsetzung eines Waldkindergartens.

Waldkindergärten gibt es in der Region zudem in Kemnath (Landkreis Tirschenreuth), in Stiftersloh bei Sulzbach-Rosenberg und Kümmersbruck (Amberg-Sulzbach) sowie in Schwandorf und Stefling bei Nittenau (Landkreis Schwandorf). Im September wird außerdem in Kainsricht (Gemeinde Gebenbach, Landkreis Amberg-Sulzbach) ein Waldkindergarten eröffnet. (ca)


Ich bin hundertprozentig überzeugt, dass ein Waldkindergarten die zeitgemäßeste Form der Frühpädagogik ist.Franz J. M. Huber, Vorsitzender des Landesverbandes Wald- und Naturkindergärten
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