Weidener Frühlingsgefühle
Die "Zugvögel" sind wieder da

"Wer wie die Zugvögel durch einen Ortswechsel Rettung sucht, der findet sie nicht." Als Anton Tschechow diesen Gedanken aussprach, gab es in Weiden weder den Massentourismus ("Nix wie weg") noch italienische Eisverkäufer oder Straßenmusikanten aus dem Nachbarland. Sie alle sind nach dem Winter, der eigentlich keiner war, wieder zurückgekommen. Auf dem Wochenmarkt haben Blumenhändler, biologische Ziegenkäse-Verkäufer und fiedelnde Tschechen die letzten Lücken wieder gefüllt. Und am Alten Rathaus flöten Schülerinnen Frühlingsmelodien, um ihr Taschengeld aufzubessern.

Vor allem jedoch sind die beliebten Eisdielen-Pächter fast ausnahmslos wieder an die Waldnaab zurückgekehrt. Ihr Wiedersehen mit der Großfamilie jenseits der Alpen, war zwar schön. Doch jetzt freuen sich die "Heimkehrer" über die kleinen und großen Kunden, die die kühlen süßen südlichen Künste zu würdigen wissen.

Wie diese "menschlichen Zugvögel" hat auch Meister Adebar seinen Horst auf dem Rathausdach wieder in Besitz genommen.Von dort oben begleitet er klappernd die flanierenden jungen Mütter mit ihren Kinderwagen-Cabrios. Ganz so, als ob die Störche auch weiterhin für die menschliche Nachwuchsbeschaffung zuständig seien.

Vor den Schaufenstern studieren noch unentschlossene Käuferinnen fröstelnd mit bloßen Armen unter luftigen Blusen-Ärmeln die aktuellen Frühjahrsmoden. Auf dem Oberen Markt befreien ein paar Fachhochschul-Studenten in einer "Zwei CV-Ente" mit jugendlichem Elan die Bewohner und Besucher der Altstadt von ihrer Frühjahrsmüdigkeit. Ganz ähnlich verhalten sich die Erpel nahe der Flutkanal-Brücke. In strahlendem Sonnenlicht jagen sie laut schnatternd jenen Enten nach, die diese Art der Kontaktaufnahme der Jahreszeit entsprechend durchaus zu begrüßen scheinen.

Und im nahen Max-Reger-Park, Weidens "Filetstück für Spaziergänger"? Hier haben die "Zauberer" von der Stadtgärtnerei ihren Frühjahrsputz wieder rechtzeitig beendet. Beim Anblick der Blütenpracht am sprudelnden Triton-Brunnen und beim Bummel durch die Krokus-Wiesen denkt man wie jedes Jahr an die Anfangszeilen des Lenz-Gedichts von Eduard Mörike:

"Frühling lässt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte Süße, wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll das Land."
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