Weidener Gymnasiast holt zweiten Platz bei Jugend forscht
Drohne trifft Luftschiff

Louis Bauer lässt seine Multikopter-Luftschiff-Glühbirne fliegen. Bild: pjut
 

Der 18-jährige Louis Bauer aus Weiden baut ein "Multikopter-Luftschiff". Das ist einzigartig und hievt den Schüler des Kepler-Gymnasiums beim "Jugend forscht"-Landeswettbewerb auf den zweiten Platz.

Drei Wochen vor der ersten Abiturprüfung wurde Louis Bauer für vier Tage aus der Vorbereitung gerissen: Der 18-jährige Schüler des Kepler-Gymnasiums Weiden reiste nach München, um am "Jugend forscht"-Landeswettbewerb Bayern teilzunehmen. Stressig sei das gewesen, aber auch eine schöne Abwechslung, sagt Bauer. Und: "Ich habe vier Tage schulfrei bekommen."

Der Gymnasiast aus Neunkirchen stellte im Münchener Verkehrsmuseum sein Projekt "Multikopter Luftschiff" vor. Die Grundidee sei gewesen, die Vorteile eines Multikopters mit denen eines Luftschiffes zu kombinieren, den aktiven Auftrieb mit dem statischen Auftrieb zu verbinden. Multikopter ist die allgemeine Bezeichnung für Drohnen. Mit dem Projekt versuchte der Neunkirchener zwei Probleme auf einen Schlag zu lösen. Denn herkömmliche Drohnen für den Eigengebrauch fliegen nicht lange. "Nur knapp zehn Minuten, dann ist der Akku leer", weiß Bauer. Luftschiffe, gefüllt mit Helium, seien dagegen nur schwer positionierbar, da sie sehr windanfällig sind und in der Luft ständig gleiten.

Bauer wollte herausfinden, um wie viel länger eine Drohne mit einer Heliumfüllung in der Luft bleibt. Dazu bastelte der Schüler knapp ein Jahr lang an einem Modell. Drei Rotoren unterstützen den über einen Meter langen Plastikkörper, der wie eine überdimensionale Glühbirne aussieht. Nach mehreren Tests kam Louis Bauer zu dem Ergebnis: Wenn der Plastikkörper mit Helium gefüllt ist, fliegt er länger als mit einer Luftfüllung. "Genau 31 Prozent länger", sagt der Abiturient. Der Heliumkörper spare Energie, er unterstütze den aktiven Auftrieb des Multikopters ohne zusätzliche Energie zu verbrauchen. Da die Rotoren einen aktiven Auftrieb ermöglichen, sei das Flugobjekt leichter zu bewegen und zu positionieren.

Beim "Jugend forscht"-Regionalwettbewerb sicherte er sich damit den ersten Platz. Und nur der erlaube die Teilnahme am Landeswettbewerb, erklärt Matthias Dietrich, der Ansprechpartner für "Jugend forscht" am Kepler-Gymnasium. Der Sprung in den Landeswettbewerb sei eine "Riesenhürde". In den regionalen Wettbewerben werde streng aussortiert. Nur die Besten würden weiterkommen. Louis Bauer gehört dazu. Der Schüler merkt an: "Der Landeswettbewerb war schon noch mal eine andere Ebene." Die Projekte der anderen Teilnehmer seien "spektakulär" gewesen. Trotzdem erreichte Louis Bauer den zweiten Platz im Fachgebiet Technik. Daneben gewann der Schüler zwei Sonderpreise, den des Elitenetzwerks Bayern sowie den Sonderpreis Luftverkehr/Luftfahrt der Erich-Becker-Stiftung.

"Eher Forschungsprojekt"


Insgesamt waren beim "Jugend forscht"-Wettbewerb 507 Technik-Projekte angemeldet, 9 Projekte qualifizierten sich für das Landesfinale. Für den ersten Platz reichte es nicht. Nicht so schlimm, der Gewinner habe den Sieg verdient, sagt Bauer anerkennend: "Sein Projekt hatte schon Produktreife und wird wahrscheinlich bald auf der ISS eingesetzt." Seine eigene Arbeit ist laut Bauer nicht auf Produktreife angelegt gewesen. "Das war eher ein Forschungsprojekt." Bei dem Thema sei es ohnehin schwierig, denn für die Konsumenten sei seine Arbeit nicht rentabel: "Die 31 Prozent stehen in keinem Verhältnis zum Aufwand." Das Projekt verschlang laut Dietrich rund 1300 Euro. Der Dank gelte dabei "Jugend forscht" und dem Förderverein der Schule, die es finanziert haben.

Vor fast genau einem Jahr begann Bauer mit seiner Arbeit. Das Projekt war gleichzeitig seine Seminararbeit im W-Seminar Physik. Im Sommer machte er ein Praktikum bei Ascending Technologies, einer Multikopter-Firma aus München. Bis die ersten Prototypen flogen, sei es ein mühseliger Weg gewesen, stöhnt der Neunkirchener. Ein langer Weg, der mit vielen Abstürzen gepflastert war: "Zum Glück gingen immer nur kleine Teile zu Bruch, es gab nie einen Totalschaden." Erst nach einem Dreivierteljahr sei das jetzige Modell flugfähig gewesen.

Bauer freut sich, dass er durch seinen Erfolg andere Schüler motivieren konnte, es ihm gleich zu tun. Matthias Dietrich sagt: "Ja, das Interesse für ,Jugend forscht' ist auf jeden Fall da. Die Leute kommen auf mich zu." Sein erfolgreicher Schüler möchte jetzt erst einmal sein Abitur machen. Danach wolle er Wirtschaftsingenieurwesen an der TU-München studieren. Dafür brauche er einen Notendurchschnitt von 1,9. Louis Bauer schmunzelt: "Das sollte klappen."

1 Kommentar
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Max Michels aus Moosbach | 27.04.2016 | 15:12  
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