Weidener Kriminalstatistik zeigt: Gerüchte und Wirklichkeit liegen Meilen auseinander
"Keiner muss Angst haben"

Symbolbild: dpa
Gerüchte und Wirklichkeit liegen Meilen auseinander. "Keiner muss Angst haben, auf die Straße zu gehen", stellt die Polizeiinspektion Weiden klar. Polizeihauptkommissar Günther Burkhard legt alle Straftaten durch Asylbewerber seit 1. Juli auf den Tisch. 13 Ladendiebstähle. 6 Körperverletzungen. Ein Joint. Eine sexuelle Belästigung.

Bei 3600 Straftaten im Stadtgebiet Weiden pro Jahr ist das nicht viel. Von einem "Maulkorb" für die Polizei, wie ein Gerücht behauptet, könne keine Rede sein. "Wir wollen nichts unter den Tisch kehren, aber wir wollen auch nichts dramatisieren." Rund 340 Asylbewerber leben in der Stadt verteilt. Zudem wurden seit Juli 410 Flüchtlinge durch die Berufsschule geschleust. Dem stehen 23 Straftaten gegenüber.

Die ansässige Bevölkerung war nur ein einziges Mal direkt betroffen: bei einem angezeigten sexuellen Missbrauch in der Thermenwelt im September. Konkret soll an einem Sonntag ein 17-jähriger unbegleiteter Flüchtling aus dem Irak einer 13-jährigen Schülerin an die Innenseite des Oberschenkels gegriffen haben. Im Vorfeld hatten sich die zwei Gruppen aus jungen Männer und Mädchen angespritzt, als der Iraker unvermittelt zu dem Mädchen tauchte.

Seit 1. Juli wurden von Asylbewerbern 13 Ladendiebstähle begangen. 8 davon gehen auf das Konto von schon länger ansässigen Georgiern, Russen und Ukrainern. Der Wert der Beute lag immer im ein- oder zweistelligen Eurobereich: Wodka, Pistazien, Wimperntusche und Tabak. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge haben 2 der Diebstähle begangen: Einer klaute eine Handy-Akkustation für 19,99 Euro. Der andere wollte ein Shirt (15,99) einstecken, als er im Juli mit seiner Gruppe plus Betreuer in einem Bekleidungsladen in der Max-Reger-Straße war. Beide kamen aus dem Landkreis. Von den 77 Weidener "Umfen" hat kein einziger gestohlen.

Bei den 6 einfachen Körperverletzungen seit 1. Juli handelt es sich ausschließlich um interne Vorfälle. Darunter war ein Fall von "häuslicher Gewalt": In der Berufsschulturnhalle schlug ein syrischer Ehemann seine Frau und wurde nach Cham verlegt. Zum Vergleich: Im Stadtgebiet kommen jedes Jahr 200 Fälle von "häuslicher Gewalt" zur Anzeige. In 3 der 6 Fälle wurden unbegleitete Minderjährige gegeneinander handgreiflich. Einmal rauften auf einer Grünanlage in der Frühlingsstraße Jugendliche beim Fußball. Ein Passant rief die Polizei. "Als die Streife eintraf, haben sich alle schon wieder vertragen." Ein andermal schlugen sich in einer Unterkunft in der Innenstadt zwei Jugendliche aus Gambia und Afghanistan ob der Frage, wann das Licht ausgeschaltet wird. Für Burkhard ist es "nachvollziehbar, dass es da, wo Menschen auf kleinem Raum leben, zu Störungen kommt".

Zwei Einsätze heben sich von den harmlosen Keilereien ab: eine gefährliche Körperverletzung im Juli und eine Bedrohung im Oktober. Auch hier war die Zivilbevölkerung nicht betroffen, aber für die Beamten waren die Auseinandersetzungen von Brisanz. Am 11. Oktober kam es zu einem Streit in einer Asylbewerber-Wohnung im Stockenhut. Ein Iraker betrank sich. Der syrische Zimmergenosse ermahnte ihn zur Vernunft, woraufhin der Iraker in Messer zückte. Angesichts der Polizisten warf er die Waffe weg. Eine gefährliche Körperverletzung beging ein Somalier (18) an einem Landsmann. Er brachte dem 21-Jährigen mit einer abgebrochenen Flasche eine Schnittwunde bei.

Im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln wurden seit Jahresbeginn 3 Delikte aktenkundig: ein Joint, konsumiert von einem jungen Afghanen. Des weiteren wurden bei Georgiern im Camp Pitman eine Marihuana-Pflanze auf dem Fensterbrett sowie ein Päckchen mit Haschisch entdeckt. Dieser georgische Staatsangehörige war einer der Drei, die am 7. Oktober von der Kripo Regensburg mit einem SEK-Einsatz festgenommen wurden. Sie stehen im Verdacht des Bandendiebstahls. Der Anstieg organisierter Kriminalität georgischer Gruppen ist ein bundesweites Phänomen, das dem Bundeskriminalamt bekannt ist. Die Festnahmen stießen übrigens auf den Beifall anderer Bewohner: Sie litten seit längerem unter den dubiosen Nachbarn.

Ein allerletzter Einsatz in Sachen Flüchtlinge ereignete sich am Mittwoch, 14. Oktober: Der Securitydienst in der Berufsschule rief die Polizei. In der Nacht sei es bei den Neukömmlingen vom Wochenende hoch hergegangen. Die Sicherheitsleute vermuteten, dass außer Alkohol auch Drogen kursierten. Eine Gepäckkontrolle bei 13 Iranern mit einem Diensthundeführer ergab nichts.

Allgemein hohe Belastung

Fazit von Polizeihauptkommissar Burkhard: "Wir haben natürlich Einsätze im Zusammenhang mit Asylbewerbern. Mehr Bürger - mehr Arbeit für uns. Aber es ist nicht so, dass wir nichts anderes mehr tun." Allgemein ist die Belastung hoch. Im Schnitt 21 Mal pro Tag rücken Beamte der Inspektion aus. Am Tag des Pressegesprächs, dem Donnerstag, sogar noch öfter. Zwei Brände gleichzeitig, ein Unfall, dazu eine Zwangseinweisung vom Klinikum nach Wöllershof, die mehrere Streifen band. Der ganz normale Wahnsinn, ganz ohne ausländische Beteiligung.
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