Weidener Tafel auf Herbergssuche
Keiner will sie haben

Bild: Götz

Jeder findet sie gut, aber keiner will sie haben: die Tafel. Dabei hat Vorsitzender Josef Gebhardt für die Lebensmittelausgabe für Bedürftige nun gleich zwei mögliche Standorte an der Hand. Doch sowohl an der Fichte- als auch an der Leimbergerstraße laufen die Anwohner Sturm. Gebhardt kann nicht mehr.

Seit einer Woche ruhen nun die weit gediehenen Verhandlungen über die Anmietung der neuen Räume für die Tafel. "Weil ich durchhänge", gibt Vorsitzender Josef Gebhardt zu. Zu groß sind inzwischen die Proteste der Anwohner von allen Seiten. Hier laufen die rund um die Fichte-, dort die rund um die Leimbergerstraße Sturm. Trotzdem muss eine Standortentscheidung her.

Die Ängste seien überall groß. Und vielfältig, weiß Gebhardt. Geschäftsleute meinen, die Abholer vertreiben die Kundschaft. Andere sagen, die pure Anwesenheit der Tafel würde den Wert des Wohneigentums in der Nähe schmälern, ja gar halbieren. Was aus dem guten Ruf der Wohngegend wird: Auch das treibt die Menschen um, die zugleich meinen, unabhängig davon sei die Tafel natürlich eine gute Sache. Aber die angrenzende Wärmestube ginge gar nicht. "Heraus kommt eine Diskussion, die ausufernd und verzerrend ist und keine sachlichen Argumente mehr zulässt", erklärt Gebhardt.

Wärmestube heiß diskutiert


Hintergrund: In den bisherigen Räumen am Stockerhutweg fehlten die Barrierefreiheit, die Möglichkeit der leichten Anlieferung von Paletten und Platz für zusätzlich Kühlräume. Die Wartesituation auf der Straße war ungut. Die Folge: Die Räume wurden gekündigt. Aktuell bieten sich für die Tafel gleich zwei neue Optionen an. An der Fichtestraße schließt voraussichtlich der Nahversorger Edeka, an der Leimberger Straße steht die Fläche eines ehemaligen Zoofachhandels leer.

Beide Standorte erfüllen den Kriterienkatalog der Tafel mit etwa mindestens 30 Parkplätzen (Fichtestraße: 32 vor dem Geschäft, im Hinterhof sowie entlang der Arndtstraße auf der rechten Seite stadtauswärts; Leimbergerstraße: 38), der Möglichkeit Kühlräume zu installieren und wie bislang nebenan eine Wärmestube einzurichten. Apropos Wärmestube: Speziell sie sorgt für Aufregung im Stadtteil Rehbühl.

Dabei habe Gebhardt versucht, auf Anfragen sachlich zu erklären, dass diese Wärmestube nur wenige Monate in der kalten Jahreszeit von 8 bis 18 Uhr geöffnet ist, von Tafel-Mitarbeitern auf- und zugesperrt wird und seine private Nummer bei Problemen groß am Schaufenster prangt. "Doch das wird nicht gehört. Stattdessen ist plötzlich die unsinnige Rede davon, an der Fichtestraße entstehe ein Zentrum für Obdachlose." Auch dem Argument, aus dem Stadtteil Rehbühl kämen keine Tafel-Kunden widerspricht Gebhardt: "Wir haben viele Abholer aus der Fichtestraße und dem Karl-Heilmann-Block."

Hoffen auf Rückendeckung


Und nun? Bereits bis Ende der Woche will Gebhardt sich für einen Standort entscheiden. Aber nicht ohne entsprechende Rückendeckung in der Öffentlichkeit. "Die Frage ist nur, wer gibt sie mir?", sagt Gebhardt und hofft auf ein zeitnahes Gespräch mit dem Oberbürgermeister.

Schließlich brauche es diese Entscheidung für einen Standort. "Allein schon deshalb, damit mich nur noch eine Seite angreift", sagt Gebhardt pragmatisch. Dabei sieht's in dem 71-Jährigen ganz anders aus. "Das alles belastet mich enorm", gesteht er. "Mein Nervenkostüm ist schwach geworden. So schwach, dass ich überlege, aufzuhören."
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P Kern aus Weiden in der Oberpfalz | 20.09.2016 | 11:38  
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