Weidens Diakoniechef schwärmt für die Kaukasusregion
Überleben und Überliefern

Diakon Karl Rühl Bild: Schönberger

Erst Armenien, jetzt Georgien. Diakon Karl Rühl geht gerne mit Gruppen auf Reisen. Ganz besonders hat es ihm die Kaukasusregion angetan.

Neustadt/WN. Beim "Weidener Filmgespräch" am heutigen Mittwoch kommt der Diakoniechef als Gesprächspartner. Im Juni 2017 fährt er als Reiseleiter nach Georgien. Im Interview mit Redakteur Uwe Ibl führt er sein Interesse an dieser Region auf Begegnungen in Israel zurück, die er als junger Erwachsener erlebte.

Woher kommt Ihre Beziehung zu den Kaukasusrepubliken Georgien und Armenien?

Karl Rühl. Ich war als 20-Jähriger im Osten der Türkei und im Iran. Mich interessierte die Welt des Islams ich habe durch die Gastfreundschaft eine friedfertige und glaubhafte Religion erlebt. Die Osttürkei war aber auch Siedlungsgebiet von altorientalischen Christen, die mehrheitlich Armenier waren. Armenischen Christen bin ich nicht mehr begegnet. Man sah nur überall Mauerreste ihrer Siedlungen. Dass die Vertreibung und Vernichtung der armenischen Volksgemeinschaft erst im 20. Jahrhundert stattfand, hat mich schockiert. Ich habe mich gefragt, warum ich davon nichts wusste. Das es hinterm Ararat noch ein Armenien mit einer eigenen Kultur, Sprache und Schrift gibt, war mir damals neu. Ebenso war mir neu, dass in Georgien und Armenien mit die ältesten christlichen Völker leben. Ihr Überlebens- und Überlieferungswille begann mich zu faszinieren.

War das die erste Begegnung mit der Region?

Armenien selbst habe ich in Jerusalem bereits zwei Jahre früher entdeckt. Dort gibt es eigenartigerweise ein armenisches Viertel. Auf Georgien bin ich auch zuerst in Israel gestoßen. Junge Israelis, mit denen ich geredet habe, reisten bis zu einem halben Jahr nach Georgien. Die Israelis sind gut unterwegs, aber von Georgien haben sie geschwärmt.

Was interessiert Sie an diesen ehemaligen Sowjetrepubliken?

Es ist die faszinierende und uns fremde Südkaukasuslandschaft. Ihre Kultur wurde ständig durch Großmächte gefährdet. Sie ist von einem mentalen Überlebenswillen, einer frohen Gelassenheit und einer damit verbundenen Leidbewältigung geprägt. Diese kleinen, fast vergessenen Länder sind für unseren Horizont eine Bereicherung. Sie haben eine der ältesten christlichen Überlieferungstraditionen und unterscheiden sich voneinander. Diese altorientalischen Kirchen finde ich spannend, weil sie Fragen unseres eigenen Christseins und Kulturverständnisses hinterfragen.

Schauen Sie auch auf die Schattenseiten?

Den georgisch-russischen Konflikt werden wir auf der Reise auch thematisieren. Außerdem werden wir ansprechen, wie Russland mit seinen ehemaligen Gebieten umgeht.

Wie oft waren Sie schon dort?

In Armenien war ich in den vergangen Jahren zweimal. Zuvor habe ich schon den ehemaligen armenisch- türkischen Siedlungsbereich bereist. Nach Georgien habe ich auf diesen Reisen stets hinübergeschaut. Jetzt ist es naheliegend auch Georgien kennenzulernen.

Welche Schwerpunkte setzen Sie als Reiseleiter in Georgien?

Wir schauen uns das ganze Land an. Es geht von Tiflis an die armenische und aserbeidschanische Grenze, auf der Heeresstraße in den Hochkaukasus und zum Sitz der georgischen Kirche. Auf unserem Weg in Richtung Schwarzes Meer fahren wir nach Uschguli, das zum Weltkulturerbe zählt, und einer der höchsten Orte Europas ist. Weitere Ziele sind natürlich Tiflis und die Hautevolée-Stadt Baku am Schwarzen Meer. Auf die Begegnungen mit den Einheimischen, mit deren Kunst, Handwerk und Musik dürfen wir uns freuen. Der georgische Weinanbau ist besonders, ebenso die verschiedenen Religionen und Persönlichkeiten wie ein Josef Stalin oder ein Eduard Schewardnadse.

Ist eine solche Reise für den Diakon mehr Arbeit oder mehr Vergnügen?

Eine gut verlaufene Gruppenreise ist mit einem großen zeitlichen Aufwand verbunden. Bevor ich nach Weiden kam, bin ich in der Gemeinde jährlich mit etwa 300 Menschen auf Familien-, Kinder- und Jugendfreizeiten, Seniorenerholungen oder Studienreisen unterwegs gewesen. Es ist für mich eine der besten Formen, um Gemeinsames in Kultur und Spiritualität zu entdecken und zu leben. Natürlich halte ich auf diesen Reisen Andachten oder führe, wenn gewünscht, ein seelsorgerliches Gespräch. Unsere diakonische Arbeit erklärt sich im Kontext der Begegnung mit dem Anderen und Fremden oft von selbst. Mit Menschen unterwegs zu sein, ist eine Grundausrichtung meines Berufes. Es macht mir immer noch Freude. Somit ist es für mich auch ein Vergnügen, Gruppenreisen durchzuführen.

Gottes Flecken ErdeGeorgien, "das Land des goldenen Vlies", liegt am Fuße des großen Kaukasus. Auf dem Weg zum Schwarzen Meer verbindet es eine faszinierende Kultur, uraltes Christentum und einmalige Landschaften. "Als Gott das Land an die Völker aufteilte, verspäteten sich die Georgier. Doch die Fröhlichkeit und der Charme dieses Volkes versöhnte ihn, und er schenkt den Georgiern den Flecken Erde, den er eigentlich sich selbst vorbehalten hatte", heißt es in einer Legende. Die Georgier werden als gastfreundliches, temperamentvolles und tolerantes Volk beschrieben.

Ihre Lebenskultur, die viel mit Wein, Essen und Musik zu tun hat, steckt voller Überraschungen. Reisezeit ist vom 2. bis 11. Juni 2017. Infos gibt es per E-Mail über info@diakonie-weiden.de oder beim Diakonisches Werk, Sebastianstraße 18, 92637 Weiden, Telefon 0961/389310.
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