Weidens Partner geschockt
Brexit-Blues vor Bürgerfest

Diakon Karl Rühl (links), Juliane Wudtke und Manfred Weiß freuen sich über die neue hauptamtliche Mitarbeiterin Jutta Eger (zweite von links). Bild: Otto

Alles hat gepasst: endlich Sommer, zufriedene Gäste, für die Weiden zum Teil der erste Aufenthalt in Deutschland überhaupt war, und eine Stadtrundfahrt, die stimmiger nicht hätte sein können. Trotzdem sprachen am Tag vor dem Bürgerfest viele von "Schock" und "blutenden Herzen".

Beim Abendempfang für die Delegationen aus den Partnerstädten in der Max-Reger-Halle musste es raus. Kurt Seggewiß' Nettigkeiten zur Begrüßung wurden schnell von Fassungslosigkeit überlagert. "In einer Partnerschaft muss man doch auch mal was einstecken können, da läuft man doch nicht gleich weg", schüttelte der Oberbürgermeister den Kopf über die Briten. Die saßen zwar nicht im Saal, waren aber in den Köpfen der Österreicher, Franzosen, Italiener, Tschechen, Amerikaner, Sachsen und Oberpfälzer immer präsent.

Der "Brexit" scheint umso absurder, als der Partnerschaftsverbund zuvor demonstriert hatte, was dieses Europa schon im Kleinen zu leisten vermag. Da kartelten Kommunalpolitiker aus Macerata und Issy les Moulineaux unter den Sonnenschirmen am Schätzlerbad-Weiher aus, dass sie einem italienischen Schuhhersteller ausreden werden, einen Laden in Paris zu eröffnen und er sich stattdessen im günstigeren, aber ebenso kaufkräftigen Issy ansiedelt.

Probleme beim Bad-Bau


Und weil das Ende August beim Stadtfest in Macerata passieren soll, kommen die Weidener gleich mit. Vielleicht haben die Schuhspezialisten aus den Marken ja auch Lust, einen Leerstand in der Nordoberpfalz zu beseitigen. Dort lebt es sich gar nicht schlecht, wenn man den Italienern zuhört. Denn was sind schon 550 000 Euro Zuschuss für das Schätzlerbad, wenn in Macerata nach sieben Jahren Planung immer noch kein Spatenstich für ein Schwimmbad in Sicht ist, weil Rathaus und Bauunternehmer zerstritten sind?

Irgendwie läuft es bei Großprojekten eben überall gleich. Als der OB an de Baustelle die Stadtgalerie vorstellte, war seinen Kollegen anzusehen, dass die Hürden dafür andernorts wohl nicht kleiner wären. Dass sich Kämpfe aber lohnen, zeigte sich beim Abstecher zum Bildungscampus von OTH, FOS/BOS und WTC. Die Kürzel mögen in Marienbad und Annaberg-Buchholz bald vergessen sein, der Wert dieser Einrichtungen nicht. Gleiches gilt für die Lehranstalt Almesbach und den Betrieb von Landwirt Reinhard Brunner. Hochschule und Hofladen, Josefskirche und Kliniken AG: Weiden will nicht stehen bleiben, lautete die Botschaft der Bustour zwischen Neunkirchen und Muglhof. Da spitzten auch die hiesigen Stadträte die Ohren. Denn an der Kreuzung B 470/Brandweiher gab Seggewiß bekannt, dass sich der Bauausschuss noch im Juli zu einer Sondersitzung trifft. Er soll den Bebauungsplan für das gegenüberliegende Gewerbegebiet West IV auf den Weg bringen. "Hoffentlich mit ordentlicher Mehrheit."
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