Wie Patienten vom interdisziplinären Prostata- und Beckenbodenzentrum profitieren – ein gespräch mit den Chefärzten Prof. Dr. Theodor Klotz und Prof. Dr. Dr. Thomas Bschleipfer
Scham überwinden – Lebensqualität gewinnen

 
Chefarzt Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Bschleipfer, F.E.B.U. (Foto: Norbert Eimer)
 
Chefarzt Prof. Dr. med. Theodor Klotz, MPH (Foto: Norbert Eimer)
Weiden in der Oberpfalz: Kliniken Nordoberpfalz AG Klinik für Urologie, Andrologie und Kinderurologie | Text: Norbert Eimer

Ein schönes Bild – alle blicken darauf: Spezialisten aus acht Disziplinen besprechen die Ergebnisse vielfältiger und moderner Diagnostik. Mit dem einen Ziel, die individuelle Therapie aus einem guss für jeden einzelnen Patienten maßzuschneidern. „Es gibt nicht den einen Königsweg, jeder Mensch ist mit seinem Beschwerdebild einzigartig, darauf reagieren wir mit einer gezielten Behandlung auf allen Ebenen.“ im interdisziplinären und zertifizierten Prostatazentrum sowie im interdisziplinären Kontinenz- und Beckenbodenzentrum kommen menschliche Zuwendung, medizinische und technische Kompetenz besonders zum Tragen, sind Prostataleiden und inkontinenz doch Erkrankungen, die oft von Scham begleitet sind. Die Chefärzte Prof. Dr. Theodor Klotz und Prof. Dr. Dr. Thomas Bschleipfer nehmen Ängste und geben Hoffnung: „Keine Frau, kein Mann muss mit unkontrolliertem Harnverlust leben – auch Prostatakrebs können wir sehr gut behandeln.“

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachabteilungen an einem Klinikum ist freilich kein Alleinstellungsmerkmal, im Kontinenz- und Beckenbodenzentrum allerdings wird dieser Anspruch außergewöhnlich erfüllt: Es ist die integrierte Schmerztherapie, die mit Urologie, Frauenheilkunde, Allgemeinchirurgie, Medizinische Klinik, Radiologie, Neurologie und Physiotherapie ein maximal ganzheitliches Behandlungskonzept komplettiert. „In komplizierten Fällen begutachten Spezialisten mehrerer Fachdisziplinen gemeinsam – Operationsindikationen und weitere Therapien werden in der interdisziplinären Beckenbodenkonferenz besprochen“, erklärt Chefarzt Prof. Dr. Dr. Thomas Bschleipfer.

Millionen Menschen unterschiedlichen Alters sind in Deutschland von Beckenbodenstörungen mit entsprechenden Insuffizienzen betroffen. Krankheiten, Unfälle, Medikamente und psychosoziale Faktoren können Ursachen sein. „Die größte Hürde, die es für viele Betroffene zu nehmen gilt, ist die Überwindung der Scham. Inkontinenz ist noch immer ein großes Tabuthema, entsprechend hoch der Leidensdruck.“ Dabei kann Männern wie Frauen schnell und nachhaltig geholfen werden. Moderne Medikamente sind hoch wirksam und sehr gut verträglich. Operationen, wenn sie denn nötig sind, können in den meisten Fällen minimalinvasiv durchgeführt werden. „Eine operative Stabilisierung des Beckenbodens stellt für den Patienten heute keine allzu große körperliche Belastung mehr dar, Bandimplantate können schnell und schonend eingesetzt werden.“

Um die Behandlung von komplexen Beckenbodenrekonstruktionen kontinuierlich zu verbessern, werden derzeit die hohen Hürden des Zertifizierungsprozesses genommen. Zu erfüllen sind klar definierte Anforderungen und Qualitätskriterien wie beispielsweise die Mindestzahl von Operationen pro Klinik im Jahr, Einführung standardisierter Behandlungspfade mit ständiger Überprüfung dieser Prozesse, Auswertung des Operationsergebnisses, Erfassung der Patientenzufriedenheit und Übermittlung aller Fälle an eine deutschlandweite Zentrale zur unabhängigen Auswertung. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir im Juni diesen Jahres den Zertifizierungsprozess erfolgreich abschließen“, so Prof. Dr. Dr. Thomas Bschleipfer, der aufgrund seiner Forschungsarbeit rund um die menschliche Blase jüngst in den Professoren-Stand erhoben wurde.

In der Re-Zertifizierung befindet sich momentan das interdisziplinäre Prostatazentrum, das 2008 als erstes Zentrum in Bayern nach den strengen Richtlinien der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert wurde und seitdem nach den anerkannten Qualitätsmanagementstandards Patienten auf höchstem medizinischen Niveau behandelt. Die urologische Klinik hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Schwerpunktzentrum entwickelt, insbesondere mit dem Fokus auf Diagnostik und Therapie bösartiger Tumore. „Die Diagnose Prostatakarzinom bedeutet längst kein Todesurteil mehr – 80 bis 90 Prozent aller Patienten können wir erfolgreich behandeln“, so Chefarzt Prof. Dr. Theodor Klotz. Dies gelinge sowohl mit neuen Medikamenten, als auch neuen Therapien. „Während vor zehn Jahren noch jeder Krebs operativ behandelt worden ist, stellt nunmehr bei 20 bis 30 Prozent der Prostatakarzinome das Zuwarten und Beobachten, wie sich die Krebserkrankung entwickelt, die sinnvolle Strategie dar.“ Weil jede Erkrankung und deren Verlauf anders ist, gilt ein Mal mehr: „Es gibt kein Patentrezept, jeder Krebs muss speziell behandelt werden – das gilt für den Beginn der Therapie genauso wie die Behandlung selbst mit Medikamenten oder Operation.“ Und auch, wenn mitunter keine Heilung im klassischen Sinne möglich sei, könne man das Karzinom sehr gut kontrollieren, so Prof. Dr. Theodor Klotz.

Ein wichtiger Baustein für den Erfolg des Prostatazentrums ist die Forschung – auch und gerade im Klinikum Weiden. Als Lehrkrankenhaus der medizinischen Fakultät der Universität Regensburg werden unter anderem in der Urologie klinische Studien durchgeführt. Prof. Dr. Theodor Klotz: „Wir testen neue OP-Verfahren und neue Medikamente, um die medizinische Wissenschaft voranzubringen. Patienten können so von der Teilnahme an Studien, und somit von neuen Medikamenten und Verfahren profitieren, da sie besonders eng betreut werden und beispielsweise Medikamente erhalten, die einen therapeutischen Fortschritt erwarten lassen.“

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Kliniken nordoberpfalz Ag
Söllnerstraße 16
92637 Weiden

Chefarzt Klinik für Urologie, Andrologie und Kinderurologie
interdisziplinäres Prostatazentrum
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interdisziplinäres Kontinenz- und Beckenbodenzentrum
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