Wie richtig essen? Ein Experte gibt ungewohnte Ratschläge
Totsichere Ernährungstipps

Hauptakteure der Fachtagung "Ernährungsupdate" (von links): Professor Dr. Johannes Erdmann, Unternehmensberaterin Dr.-Ing Claudia Kostka. Maria Treiber-Banse vom Fachzentrum Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung und Johannes Hebauer, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Regensburg. Bild: sbü

Vegetarisch? Gar vegan? Kein Gluten? Vorstellungen über die richtige Ernährung kursieren viele. Nur: Sie müssen nicht unbedingt richtig sein. Wie ein Experte bei einer Fachtagung erklärte, ist etwas ganz anderes entscheidend.

"Was müssen Großküchen ihren Gästen servieren, wenn sie sich nach den modernsten Erkenntnissen der Ernährungsforschung richten wollen?" Mit dieser zentralen Frage beschäftigte sich eine Fachtagung über Gemeinschaftsverpflegung in der Max-Reger-Halle. Veranstalter waren das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie das dortige Fachzentrum für Ernährung und Gemeinschaftsverpflegung. "Ernährungsupdate 2016" lautete die Überschrift der Konferenz, zu der Fach- und Führungskräfte von Großküchen aus der gesamten Oberpfalz gekommen waren.

Um den neuesten Stand der Wissenschaft zu erfahren, hatten die Veranstalter den Ernährungsmediziner Professor Dr. med. Johannes Erdmann von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf eingeladen. Seine Erkenntnisse und Ratschläge waren auch an die breite Bevölkerung gerichtet.

Mehrmals räumte Erdmann mit weit verbreiteten Ernährungsmythen auf. Kein Fleisch? Vegetarische oder sogar vegane Ernährung? Keine Weizenprodukte? Proteinreiche Ernährung? Das alles waren Fragen, die der Professor eher infrage stellte als sie zur absoluten Regel zu erheben. Wichtig ist ohnehin etwas anderes: "Stimmt das Gewicht, das ist ein Body-Maß-Index (BMI) unter 25, dann brauchen Sie sich bei ihrer Ernährung keine Sorgen machen." Mit Zunahme um jeden BMI-Punkt stiegen Krebsrate und Auftreten anderer, vielfach lebensbedrohender Krankheiten. Gewichtsreduktion ist für den Experten eine "todsichere Ernährungsempfehlung". Studien über Sterbehäufigkeit und Gewichtsreduktion hätten ergeben, dass bei stark Übergewichtigen nach operativen Magenverkleinerungen die Sterberate um 40 oder 60 Prozent gesunken sei.

Erdmann weiter: "Verzichten Sie auf das Diätengedöns. Einen Weidener Metzger werden Sie nicht zum Veganer machen." Konkreter wurde der Wissenschaftler, als er empfahl, einen Blick auf die Energiedichte eines Lebensmittels zu werfen. Der Tagesdurchschnitt sollte kleiner als 1,5 Kilokalorie pro Gramm Lebensmittel sein. Brot habe einen Wert von rund 2,3, das Schnitzel alleine 1,3. Der Schweinebraten habe zu Unrecht einen bösen Ruf, "aber mindestens ein Semmelknödel muss weg".

An die Adresse der Kantinenbetreiber sagte der Wissenschaftler: "Die Gemeinschaftsverpflegung mit Fleisch, Fisch, Kartoffeln, Nudeln ist nicht das Problem." Eher seien es Zwischenmahlzeiten oder kalorienreiche Getränke. Weiteren weit verbreiteten Meinungen trat Erdmann entgegen: "Glutenunverträglichkeit hat eine Häufigkeit von 1:500." Oder: "Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Proteinverzehr und Schlaganfall."

Veganer lebten nicht wegen ihrer Ernährung länger, sondern wegen ihres Lebensstils. Auch bei "rotem Fleisch gibt es keinen signifikanten Anstieg der Erkrankungsraten, sehr wohl aber bei verarbeitetem Fleisch wie meistens der Wurst". Doch dann kam der Professor wieder auf das Gewicht und erklärte: "Wenn Sie normalgewichtig sind, können Sie so viel Wurst essen, wie Sie wollen."

Im zweiten Vortrag zeigte Unternehmensberaterin Dr.-Ing Claudia Kostka, wie es gelingen kann, Ernährungsgewohnheiten zu verändern. Workshops rundeten die Tagung ab. Begrüßt hattenen die Teilnehmer durch Johannes Hebauer, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, sowie Maria Treiber-Banse, Leiterin des Fachzentrums Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung. Stadtrat Alois Schinabeck war als Vertreter der Stadt anwesend.
Wurst ist die Möglichkeit, dass der Metzger sein Fett verkauft.Prof. Johannes Erdmann
Veganer werden nicht durch Fleischverzicht gesünder.Prof. Johannes Erdmann
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