Winfried Prem erschüttert über Zustand des Mahnmals in Berliner Straße
Die Mauer muss weg

 
So geschützt wie hier im Europapark Rust könnte sich Stadtrat Hans Forster auch die Berliner Mauer in Weiden vorstellen. Mit einer Plexiglashülle. Bild: Kunz

Von Helmut Kunz

Weiden. Winfried Prem will die Berliner Mauer wiederhaben. Es sei unglaublich, mit welcher Gleichgültigkeit man hier dieses Mahnmal behandle, sagt der ehemalige Inhaber einer Bauschutt-Recycling-Firma aus Muglhof, als er zusammen mit CSU-Stadtrat Hans Forster die beiden Teilstücke begutachtet. Seit einigen Jahren stehen sie neben der Berliner Straße - und fristen dort ein Mauerblümchendasein, meint auch Stadtrat Hans Forster: "Walter Ulbricht würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste, wie achtlos die Weidener mit seiner Mauer umgehen."

"Die Mauerstücke gehören immer noch mir", stellt Prem klar. 1996 habe er sie Wolfgang Herzer vom Weidener Kunstverein geliehen - als Beiwerk für die Literaturtage "Deutschland einig Vaterland". Die Segmente von welthistorischer Bedeutung standen einige Jahre in der Spitalgasse, bevor sie in die Berliner Straße umzogen. Prem: "Keiner hat mich damals informiert." Jetzt überlege er, ob er die Mauer zu sich hoch nach Muglhof holen und in seinem Garten aufstellen sollte, neben einem dritten Mauerstück. Schade, dass niemand hier den historischen Wert erkenne, bedauert der 68-Jährige. "Die Mauer ist völlig runtergekommen." Dies ist Forster bei einer seiner Radtouren durch die Stadt aufgefallen. Durch das rechte Mauersegment geht ein Riss. Der CSU-Mann: "Nur eine Frage der Zeit, wann das herunterfällt. Vielleicht auf spielende Kinder."

Beton hinter Plexiglas


Vor allem der betroffene Mauerteil müsste restauriert werden. "Dann könnte ich mir vorstellen, die Teile komplett hinter Plexiglas zu sichern, um sie für die Nachwelt zu erhalten", empfiehlt Forster mit Blick auf ein anderes Mauersegment im Europapark in Rust. Schließlich hätten die Mauerstücke auch einen Bezug zur Max-Reger-Stadt - eben durch Prem: "Es war ein Weidener Unternehmer, der zwei Drittel der Berliner Mauer geschreddert hat."

Wenn dieser jetzt den Zustand "seiner" Mauer sieht, drehe sich ihm der Magen um. "So schlecht haben die Segmente, die ich vor 20 Jahren aus Berlin nach Weiden gebracht habe, nicht ausgeschaut", meint Prem. Wenn nichts getan werde, verwitterten und zerbröselten sie. Zudem tut dem Muglhofer der unmittelbare Grundstücksnachbar in der Berliner Straße leid, der auf die damalige Ostseite der Mauer starren müsse. Für den Betroffenen müsse das völlig deprimierend sein.

"Ich habe viele Anfragen aus Großstädten, die mich immer wieder um Mauerteile bitten. Vielleicht sollte ich sie dorthin verkaufen", überlegt der 68-Jährige. "Dort schätzt man den historischen Wert mehr als hier." Auf dem freien Markt gebe es nämlich kein einziges Mauerstück mehr. Doch eigentlich hängt Prems Herz doch zu sehr an seiner Heimatstadt.

Zurück in Innenstadt?


Das Mahnmal würde er in die Innenstadt umpflanzen, wo es die Menschen tatsächlich auch wahrnehmen. "Das ist doch ein Hingucker. Man stelle sich vor: Ein Originalteil der Berliner Mauer hier in Weiden." Daraus lasse sich doch Kapital schlagen. Forster, der demnächst stellvertretender Vorsitzender beim Bund der Berliner wird, sieht das genauso. "Hier gehen die Leute daran achtlos vorbei. Die Originalbemalung bröckelt ab, und Hunde pinkeln daran." Er regt eine Befragung der Anwohner an, ob sie die Mauer hier an dieser Stelle wollten. Falls nicht, dann sollte sie unbedingt auf einem stark frequentierten Platz in der Innenstadt aufgestellt werden.

Vorher sollte das unbezahlbare Monument unbedingt restauriert und gesichert werden. Dies könnte den Grundstein legen für eine offizielle Stiftung oder Schenkung der beiden Mauerteile durch Eigentümer Prem an die Stadt.

200 Kilometer Mauer abgerissenInsgesamt 200 Kilometer der Berliner Mauer schredderte Winfried Prem 1990 bis 1992. Dokumentiert ist diese abenteuerliche Leistung durch zahlreiche Fernseh- und Zeitungsberichte. "Sogar das japanische Fernsehen war schon hier", erinnert sich Prem, der heute vielen Weidenern als Musiker bekannt ist.

Die Zeitspanne zwischen Genehmigung und Beginn der Abrissarbeiten in Berlin überbrückte der Muglhofer damals, indem er Soldaten der Nationalen Volksarmee, die vorher dieselbe Mauer bewachen mussten, im Todesstreifen bayerische Brotzeit spendierte und ihnen dazu auf dem Schifferklavier vorspielte. Prem: "Ich wurde schon gebeten, über meine Erlebnisse ein Buch zu schreiben." Prinz Charles persönlich hat ihn 1991 auf der Berliner Baustelle besucht. (uz)


Walter Ulbricht würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste, wie achtlos die Weidener mit seiner Mauer umgehen.Stadtrat Hans Forster
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