Wolfgang Dobler, der Mensch hinter dem Bestatter
Ein Job für die Ewigkeit

Die Geschwister Martina Fuhrmann und Wolfgang Dobler führen das Familienunternehmen gemeinsam. Sie übernimmt die Arbeit im Vordergrund, er ist eher der Mann hinter den Kulissen. Bild: Schönberger
 
(Foto: gsb)

"Das könnte ich niemals." Diesen Satz hört Wolfgang Dobler häufig. Eine Wahl hat der Bestatter nicht. Er muss sich täglich mit dem Tod auseinandersetzen, hat damit aber auch kein Problem.

Wolfgang Dobler öffnet die Tür. Er trägt Jeans, ein Hemd und einen grauen Pullover darüber. "Viele Leute erwarten mich im schwarzen Anzug. Aber so fühle ich mich viel wohler. Und das kann ich dann auch meinen Kunden vermitteln." Der Tod ist ein heikles Thema. Dobler hat es zu seinem Beruf und seiner Berufung gemacht.

"Wenn jemand stirbt, trauert jeder. Da ist es dann gut, wenn man merkt, dass man nicht alleine ist." Der Bestatter kümmert sich um alles, was nach dem Tod ansteht. Er betreut auch die Angehörigen. "Wir nehmen die Leute an die Hand und unterstützen dabei, die Trauerphase zu überstehen. Da kann eine würdevolle Beerdigung helfen." Trotzdem bewahrt der Bestatter eine gewisse Distanz. "Ich kann nicht mit jedem mittrauern, das schafft kein Mensch. Aber man muss Mitgefühl zeigen und die Angehörigen müssen wissen, sie können sich verlassen."

Keine zweite Chance


Der 45-jährige Bestattermeister leitet seit 2009 zusammen mit seiner Schwester Martina Fuhrmann das Bestattungsinstitut Bauer in Weiden. "Der Beruf ist umfangreich. Wir sind Dienstleister. Der Umgang mit Verstorbenen macht vielleicht zehn Prozent der Arbeit aus." Trotzdem hat er jeden Tag mit dem Tod und allem, was dazu gehört, zu tun. "Es lastet schon Druck auf uns. Wenn Kunden kommen, muss alles in drei bis vier Tagen gemacht sein. Für eine Trauerfeier gibt es keine zweite Chance", sagt er.

Aber Dobler macht seine Arbeit mit Freude, auch wenn es manchmal schwierig ist. "Es ist dann schön, wenn unsere Mühe bemerkt wird." Seine Arbeit hilft bei der Trauerbewältigung, da ist sich der 45-Jährige sicher. "Heutzutage kann man alles machen. Wunden versorgen, Narben retuschieren." Dann könnten die Angehörigen den Leichnam noch einmal sehen. "Vor Toten braucht man sich nicht gruseln. Mir liegt am Herzen, dass die Trauernden sagen: Genau, das ist der Opa. So war er."

Mit dem Tod hatte Dobler nie ein Problem. "Ich bin damit aufgewachsen, das war für mich ganz normal." Die Mutter leitete den Familienbetrieb, unterstützte die Kinder bis zu ihrem Tod in diesem Jahr. "Unsere Mutter war der Ruhepol. Wenn mal was schwierig war, hat sie gesagt, machts erst einmal langsam, das wird schon alles gut." Einige Situationen prägten Dobler trotzdem. "Als junger Bursche bin ich zu einem Zugunfall gekommen. Das Gesicht des Mannes, der vom Zug erfasst wurde, kann ich mir heute noch vorstellen."

Familie als Stütze


Der Job ist eine Belastung. Auch für das Familienleben. "Man muss sehr flexibel sein. Planen kann man gar nichts." Trotzdem sei gerade die Familie in dem sensiblen Beruf eine enorme Stütze. "Wenn ich nach der Arbeit heimkomme und es war irgendwas, dann sieht mir das meine Frau sofort an." In den meisten Fällen ist der Job schnell vergessen. "Ich nutze die 20-minütige Heimfahrt, um runterzukommen." Dobler, seine Frau und sein 18-jähriger Sohn leben in Pressath (Kreis Neustadt/WN). "Man wird sonst verrückt, wenn man nicht ein bisschen Abstand bekommt." Rückhalt erfährt Dobler bei seiner Familie. Auch die Zusammenarbeit mit seiner Schwester hilft. "Wir stärken uns gegenseitig."

Gedanken an den Tod


Zwangsläufig befasst sich Dobler auch intensiver mit seinem eigenen Ableben. "Ich habe keine Angst vorm Tod, sondern die Hoffnung, dass nach dem Leben nicht alles rum ist. Ich habe auch das Gefühl, dass Mama noch auf uns schaut." In ihrem Sinne führen die Geschwister das Unternehmen weiter. "Ich weiß nicht, ob man lernen kann, mitfühlend zu sein. Ich habe als Kind immer gesehen, wie die Mama das macht, und so mache ich es eben auch." Seine Schwester brauche oft lange bei Trauergesprächen. "Sie ist dafür prädestiniert, genau wie die Mama. Die hat so eine Ruhe ausgestrahlt, da wusste man, alles wird gut."

Das Leben als Bestatter ist nicht immer todernst. "Humor ist wichtig. Eine ältere Frau dachte mal, dass wir ein Restaurant sind. Sie kam rein und fragte, was es heute zu essen gäbe. Zufälligerweise hatte meine Mutter wirklich gekocht. Die Frau fiel aus allen Wolken, als sie hörte, dass wir Bestatter sind. Daran erinnern wir uns heute noch gerne", lacht Dobler. "Ich mag meinen Job. Ich habe kein Problem damit, ihn für immer zu machen. Der Tod gehört eben zum Leben."
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