Wolfgang Lackerschmied mit Jazz-Zirkel in Weiden
Vibrierende Metallplatten und heiße Rhythmen

Wolfgang Lackerschmid ist ein Virtuose auf dem Vibraphon. Zusammen mit dem hochkarätig besetzten "Brazilian Trio" beschert er dem Jazz-Zirkel ein volles Haus und sorgt für gute Laune und Entspannung. Bild: Louis Reitz

Von Lous Reitz

Weiden . Zum dritten Mal steht Wolfgang Lackerschmid in Weiden auf der Bühne. 1993 veranstaltete der Jazz-Zirkel sein erstes Konzert in der gerade neu gebauten Max-Reger-Halle. Im Duo mit Attila Zoller gab es ein intimes Zwiegespräch zwischen Gitarre und Vibraphon. 23 Jahre später erklingt Attila Zollers Komposition "A Thousand Dreams" in einer neuen Quartettversion. "Mit dieser Rhythmusgruppe hätte es Attila Zoller sicherlich auch gefallen", meint Lackerschmid.

Das "Brazilian Trio" mit Hélio Alves am Klavier, Nilson Matta am Kontrabass und Duduka Da Fonseca am Schlagzeug ist fantastisch eingespielt und verfügt souverän über all die Nuancen und Feinheiten der brasilianischen Musik. Entspannt und locker wirken die Rhythmen, die Duduka Da Fonseca mit oft spartanischen Mitteln erzeugt.

Da genügt es, nur den Trommelrand anzuschlagen oder dezent mit den Besen zu begleiten, aber es swingt wie der Teufel. Hélio Alves verfügt über einen reichen Schatz an Ausdrucksmitteln, da perlen die Läufe wie selbstverständlich aus den Fingern, es gibt dichte Cluster und Klangkaskaden, aber auch durchsichtige Akkorde und sparsam gesetzte Töne bei den Balladen.

Eigentümlicher Zauber


Nilson Matta am Kontrabass versteht sich in erster Linie als solider Begleiter. Er unterstützt die Melodien und spielt überwiegend in den tiefen Registern. Im Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug entsteht jener eigentümliche Zauber, der sofort auf den Zuhörer überspringt. Dazu gesellt sich der sphärisch schwebende Klang der Metallplatten des Vibraphons.

Es entstehen interessante Schwingungen, wenn die Themen von Klavier und Vibraphon vorgestellt werden. Wolfgang Lackerschmid zählt zu den herausragenden Repräsentanten dieses Instruments. Nach der Blütezeit im Swing mit Lionel Hampton oder später mit Milt Jackson im "Modern Jazz Quartet" war das Vibraphon eher eine Randerscheinung im zeitgenössischen Jazz.

Lackerschmid, der in seiner Jugend auch als Pianist, Gitarrist oder Schlagzeuger aktiv war, hat sich seit Jahrzehnten ausschließlich dem Vibraphon verschrieben und ist ein Virtuose mit Sinn für musikalische Dramaturgie. Seine Solo-Improvisationen bleiben stets nahe am Ausgangsmaterial und halten sich an feste Akkord-Strukturen, er setzt auf Dynamik und geistreiche Variationen. Das Spiel mit vier Schlägeln praktiziert er nicht erst seit Gary Burton, das Akkordspiel war ihm schon als Pianist geläufig.

"Samba Gostoso" (gostoso = wohlschmeckend, lecker) heißt die neue CD des Quartetts. Alle Kompositionen stammen fast ausschließlich von den Bandmitgliedern selbst. Das Titelstück hat nach Einschätzung von Lackerschmid "Hitqualitäten" und entpuppt sich als Blues mit einer eingängigen Melodie, vergleichbar mit Milt Jackson's "Bag's Groove".

Latin-Jazz für Gourmets


Aber auch Nummern im Dreivierteltakt wie "Neverending Waltz" oder traditionelle brasilianische Rhythmen wie die "Chorinho Pra Banda" sorgen für Abwechslung und halten die Spannung aufrecht. In Hélio Alves Komposition "Ubatuba" gibt es eine ausgiebige Solo-Einleitung auf dem Flügel, sowie ein eindrucksvolles Bass-Solo, hinterlegt mit sparsamer Besen-Begleitung.

Duduka Da Fonsecas Komposition "Flying Over Rio" weckt Urlaubsgefühle, der Zuckerhut und Ipanema lassen grüßen. Durchsichtig und schwebend wie ein Aquarell wirkt diese Musik, Alltagssorgen und Stress werden abgebaut - Musik mit Wohlfühl-Faktor. Positiv, dass hier einmal nicht die allseits bekannten Latin-Schlachtrösser vorgeführt werden, sondern ein frisches, Repertoire zum Einsatz kommt.

Lob aus berufenem Mund gibt es auch für den Veranstaltungsort: "Das Bistrot Paris ist ein toller Ort für Jazz und erinnert ein wenig an den ehemaligen "Onkel Pö" in Hamburg." Ein Prädikat von jemand, der es wissen muss - denn Lackerschmid kennt wohl alle Jazzclubs in Deutschland.
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