Wunde im Klinikum falsch behandelt? Gericht zweifelt
Schmerzender Fehltritt

Symbolbild: dpa

Eine Einigung mit Einschränkungen: Nur zur Vermeidung einer langwierigen Berufung und aus "prozessökonomischen Gründen" ließ sich Rechtsanwalt Carl Brünnig namens des Klinikums auf die Zahlung von 1500 Euro Schmerzensgeld an einen 28-Jährigen ein. "Ohne Anerkennung einer vorherigen Rechtspflicht." Und: Wenn der Kläger 97,5 Prozent der Prozesskosten übernimmt.

Vor gut fünf Jahren hatte sich der 28-jährige Selbständige einen Nagel durch den Schuh hindurch in den Zeh getreten. In der Notfallambulanz des Klinikums war die Wunde daraufhin geöffnet, gespült und verbunden worden. Dann wurde der Verletzte wieder nach Hause geschickt. Tags darauf machte ein niedergelassener Unfallarzt eine Röntgenaufnahme, und zwei Tage später musste der junge Mann wieder ins Klinikum. Komplikationen.

Es folgten eine erneute Wundrevision, diesmal unter Vollnarkose, sowie Antibiotika-Gabe. Nach einigen Tagen verließ der Patient das Krankenhaus entgegen ärztlichem Rat auf eigene Verantwortung. Als die Wunde dann immer noch nicht verheilt war, kam es zu zahlreichen erneuten Klinikaufenthalten in Fürth, Regensburg und bei weiteren Ärzten - alles ohne befriedigendes Ergebnis. Seine nunmehr 50-prozentige Berufsunfähigkeit führt der 28-Jährige auf fehlerhafte Behandlung zurück.

Eine Therapie mit Antibiotika, Röntgenaufnahmen und Operation unter Vollnarkose sowie vollständige Ruhigstellung des Zehs hätte es bereits am ersten Tag geben müssen, trug Rechtsanwalt Dr. Burkhard Schulze vor. Ungenügende Wundversorgung sei schon dadurch bewiesen, dass sich Tage nach der Erstbehandlung noch Schmutzreste in der Wunde gefunden hätten. Schulze forderte 35 000 Euro Schmerzensgeld plus die Erstattung aller künftigen Behandlungskosten. Streitwert insgesamt: 60 000 Euro.

Nachdem Dr. Karin Bauer, Leitende Ärztin an der Unfallklinik Murnau, in ihrem Gutachten festgestellt hatte, dass die Behandlung im Klinikum Weiden "lege artis", also "gemäß der ärztlichen Kunst", abgelaufen sei, machten die Richter Thomas Hys, Peter Werner und Matthias Bauer dem Kläger keine großen Hoffnungen. Außerdem habe er durch das eigenmächtige Verlassen des Klinikums wohl zum schlechten Verlauf beigetragen. Die Richter rieten zu einer gütlichen Einigung mit "sehr maßvoller Entschädigung". Dem folgten beide Parteien schließlich.
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