Yoga für Kinder
Auszeit bitte!

(Foto: Gabi Schönberger)
 
(Foto: Gabi Schönberger)

Schuhe aus und ab in die Barfuß-Zone. Dort warten der Berg, der Stein und der Sonnengruß auf die sechs Mädchen im Kinder-Yoga. "Yoga ist für alle da", sagt Lehrerin Franziska Schmidt-Bouchie.

Neunkirchen. Frischer Zitrusduft schwingt einem um die Nase, wenn man Franziskas Studio bei ihr zu Hause im Keller betritt. Dort wartet die 44-jährige Yoga-Lehrerin "Kika" auf ihre Kindergruppe. Die meisten darin üben Yoga seit über einem Jahr. Jenna ist die Jüngste. Sie geht in die dritte Klasse. Das älteste Yogi-Mädchen ist Neuntklässlerin. Auch Schmidt-Bouchies Tochter Sophia macht mit.

Die Gruppe begrüßt die Yogastunde mit Bienensummen. Alle sitzen im Schneidersitz auf grünen Matten und gelben Kissen am Boden und summen wie ein Bienenschwarm. "Wachse mit dem Einatmen nach oben, spüre wie deine Wirbelsäule länger wird, dein Rücken ist gerade", leitet die Lehrerin an. "Die philosophische Lehre steht im Hintergrund. Im Kinder-Yoga geht es um Spaß, Entspannung, Körperbewusstsein, Disziplin und Beweglichkeit", erklärt Kika im Anschluss. Zu den Stellungen und Übungen erläutert Kika schrittweise Begrifflichkeiten oder Hintergründe.

Kraft und Ausdauer


Die Aufwärmübungen kennen die sechs Mädchen schon. Sie machen den Sonnengruß "Surya Namaskar", die Heldenstellung, das Dreieck, den Stuhl oder den Berg. Bei den Übungen kommt es auf Kraft und Ausdauer an. "Sei ganz bei dir", sagt Kika ganz ruhig. Heute hat sie Yoga-Karten mitgebracht. Auf jeder Karte sind verschiedene Übungen abgebildet. Jenna zieht eine Partnerübung: "Die Echse auf dem Stein". Einer macht den Stein, der andere stürzt sich in Brückenform darüber.

Seit zweieinhalb Jahren ist Schmidt-Bouchie mit ihrem Studio in Weiden. "Es dauert, bis man sich etwas aufbaut. So langsam kommt Yoga auch in Weiden an", erklärt die Mutter. Während ihres Studiums in Heidelberg beginnt Kika mit Yoga. "Ich hatte viel Glück mit meinem Lehrer. Nach der ersten Stunde fühlte ich mich sehr gut, ich habe weitergemacht." Seit über 15 Jahren praktiziert sie nun Yoga. Die Übersetzerin und Dolmetscherin für Englisch und Russisch arbeitet freiberuflich als Dozentin an Unis und Hochschulen. Nach einer vierjährigen Ausbildung zur Yoga-Lehrerin eröffnete sie ihr Studio und bietet Erwachsenen- und Kinderkurse an. "Derzeit fahre ich zweigleisig, aber es lässt sich gut vereinbaren. Es greift alles ineinander: Unterricht, Pädagogik, Körper, Seele und Entspannung."

Neu und deshalb spannend


Auch den Mädchen erklärt Kika: "Im Yoga wollen wir Beobachten lernen. Wie fühle ich mich wohl?" Die nächste Übung ist der Rollmops. Die Beine sind ausgestreckt, mit den Fingern versuchen die Mädchen, die Zehen zu berühren. Beine und Arme gestreckt, rollen sie auf den Rücken. Optimalerweise berühren die Zehen oberhalb des Kopfes den Boden. Nach der Baum-Stellung ist eine Runde "Holzfällen" angesagt.

"Das ist noch neu für die Kinder und umso spannender", sagt Kika lächelnd über die Übungen mit den Seilen. "Machen wir zuerst die Fledermaus?", fragt Jenna. Die Yoga-Lehrerin turnt die Übung vor. Kurze Hilfestellung und die Fledermäuse hängen in den Seilen. Vor allem auf die Stabilität des Körpers legt Schmidt-Bouchie Wert.

"Yoga ist eigentlich eine Reise zu sich selbst", erklärt Kika. "Iyengar ist eine sehr sportliche, körperliche Art, aber dennoch meditativ." Die verschiedenen Yoga-Lehren unterschieden sich stark voneinander. Beim Iyengar achten die "Yogis" sehr auf die präzise Ausführung der Stellungen. Ein gesunder Körper sei Voraussetzung für einen gesunden Geist. "Wir versuchen über den Körper nach innen, zu uns selbst zu dringen", sagt die Trainerin.

"Rumliegen und Räucherstäbchen sind ein Klischee", klärt Kika auf. "Yoga wird oft als etwas esoterisches wahrgenommen, das stimmt nicht." Der Ansatz sei ganzheitlich: Es gibt anregende und entspannende Übungen, durch Kopf- oder Schulterstand wird die Hormonregelung angekurbelt und Stress bewältigt. Es gibt Stunden gegen Menstruationsbeschwerden, gegen Rückenschmerzen und Übungen für gute Haltung. "Für viele Erwachsene funktioniert Yoga sehr therapeutisch", ist sich Schmidt-Bouchie sicher. Bei der End-Entspannung im Kinder-Yoga kommt der ein oder anderen jungen Teilnehmerin nachmittags um 16 Uhr ein Gähnen über die Lippen. Die Stunde ist zu Ende - Zum Abschied ein "Namaste". (Hintergrund)
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