Zentraljustizgebäude 1966 seiner Bestimmung übergeben
Geduldsprobe vor 50 Jahren

Vor 50 Jahren: Am 27. Oktober 1966 übergibt Justizminister Dr. Hans Ehard das Zentraljustizgebäude seiner Bestimmung. Bild: Bonkoß, Stadtarchiv Weiden

Hans-Jürgen Poy, gebürtiger Berliner, erinnert sich noch an den Tag im Sommer 1966, an dem er mit seiner Frau das erste Mal nach Weiden kam. Zu seiner ersten Stelle als Staatsanwalt. Das Paar fuhr die Dr.-Seeling-Straße entlang. Seine Frau sagte: "Hier bleibe ich keine zwei Wochen."

Und dann erst das Gericht, damals noch im heutigen Keramikmuseum: "Das war der zweite Schreck." Düstere, schlauchartige Büros, so eng, dass kaum ein Durchkommen war. Die neuen Kollegen beruhigten Poy: "Schauen Sie zum Fenster raus: Da ziehen wir im Oktober hin." Der Blick ging damals frei hinüber in die Sebastianstraße, wo sich dreistöckig das neue Landgericht erhob. Poy freute sich also als einer der ersten über luftige Einzelbüros und nagelneue Einbaumöbel. "Das war natürlich fantastisch, besonders, wenn man aus dem Waldsassener Kasten kam."

50 Jahre sind vergangen, seit am 27. Oktober 1966 das Zentraljustizgebäude seiner Bestimmung übergeben wurde. Die Weidener Justiz plant nach Auskunft von Landgerichtssprecher Markus Fillinger im Herbst eine Feierstunde.

Der Weg zum Weidener Justizgebäude war ein langer. Schon in den 20er Jahren war die Raumnot groß. 1958 begrüßte das Ministerium schließlich einen gemeinsamen Neubau für Amts- und Landgericht in der Sebastianstraße. Die Stadt unter Oberbürgermeister Hans Schelter stellte das Grundstück zur Verfügung. In diesem Bereich hatten zuvor Weidener Geschäftsleute ihre Stadel. 1961 stellte das Justizministerium erstmals die Pläne vor. Die Dimensionen beeindruckten: 62 mal 47 Meter groß sollte der Neubau werden.

Die Grundsteinlegung erfolgte 1962 vor hunderten Gästen. 100 Jahre Gerichtsgeschichte im Waldsassener Kasten (heute Keramikmuseum und Regionalbibliothek) neigten sich dem Ende. Das Richtfest folgte im November 1963. Die Ehrengäste speisten danach an langen Tafeln im Josefshaus. Das Jahr 1964 zog ins Land, ohne dass ein Baufortschritt erkennbar war. Der NT schrieb damals: "Das Justizgebäude, ein stattliches 7,4-Millionen-Projekt, steht im Kreuzfeuer mannigfaltiger Kritik. Namen wie Justizruine, Haus von Rocky Docky und andere zeigen, worum es geht." Und weiter: "Wenn der Wind um das kubistische Gebäude streicht, bricht er sich vielfältig in dem Gemäuer. Die Fensterhöhlen verhüllen mehr dürftig als notdürftig simple Holzrahmen, deren zerfledderte Plastikfolien den Blick auf dunkel-gähnende Löcher freigeben."

Das Landbauamt Amberg hielt damals dagegen: "Glauben Sie wirklich, dass Sie bei einem solchen Projekt sämtliche Arbeiten zeitgerecht durchführen können?" Nach vier Jahren Bauzeit ist das Justizgebäude 1966 bereit für den Bezug. Im Weidener Stadtrat wird noch im September die Parkplatzsituation diskutiert. Stadtrat Wilhelm Cantzler weist auf die geringen Parkmöglichkeiten hin. Der Hauptverwaltungsausschuss will die Grünfläche vor dem Haupteingang aber "keineswegs als Abstellplatz" nutzen. Stadtrat Hans Grochowina kritisiert die großzügige Verwendung von Marmor.

Deutlich versöhnlicher wird die Stimmung 1966, als die Weidener Stadträte Anfang Oktober als erste Gäste das neue Zentraljustizgebäude besichtigen dürfen. Landgerichtspräsident Georg Hammer begrüßt die Stadtväter im großen Schwurgerichtssaal, zeigt die zehn Sitzungsäle, den Innenhof, die Geschäftsstellen: Laut NT waren die Räte "sichtlich beeindruckt vom Ausmaß an Repräsentation, staunten über die Angabe der Baukosten und bewunderten die Zweckmäßigkeit der Gliederung des Baus und seiner Einrichtungen." Am 27. Oktober 1966 übergibt Justizminister Dr. Hans Ehard das Gebäude seiner Bestimmung.

Richter und Staatsanwälte nehmen an der Front des Schwurgerichtssaals Platz. Hans-Jürgen Poy ist nicht darunter: "Ich habe damals fotografiert." Aus den "zwei Wochen" ist im Übrigen ein ganzes Berufsleben geworden. Der spätere Amtsgerichtsdirektor und seine Frau erfreuen sich seit 2000 ihres Ruhestands - in Weiden. (Sonderseite am Mittwoch)

Wenn, was Pessimisten bezweifeln, das neue Justizgebäude eines Tages doch noch fertig werden sollte, dann ist nicht nur Weiden, sondern auch Justita um eine Attraktion reicher."NT vom 13. Januar 1966
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