Zoll warnt vor Professionalisierung des Crystal-Handels
Kartelle lösen Ameisenhandel ab

Im Bild eines von zwei sichergestellten Kilogramm Crystal vom letzten Sommer. Für den Zoll exemplarisch: Der Weg führe weg vom Ameisenhandel, hin zum Profischmuggel. Dafür spricht auch der hohe Reinheitsgrad der Droge. Bild: Zollfahndungsamt München (2)

Es war ein großer Coup für die Weidener "Soko Crystal" des Zollfahndungsamtes München. Die Beamten stellten im Sommer 2015 zwei Kilogramm Crystal sicher - eine Menge, die für mindestens 20 000 Konsumeinheiten ausgereicht hätte. Die drei Drogenverkäufer aus Tschechien wurden am Freitag zu insgesamt 32 Jahren Haft verurteilt. "Wir reden hier nicht über Peanuts", meinte Vorsitzender Richter Markus Fillinger, "sondern von einem Straßenwert von locker 200 000 Euro."

Im Zuschauerraum des Schwurgerichtssaals hatte am Freitag auch Jürgen Thiel, Sachgebietsleiter Rauschgiftschmuggelbekämpfung, Platz genommen. Er war froh um die "deutlichen Worte" des Gerichts, das ausdrücklich keinen Anstoß am Einsatz von nicht öffentlich ermittelnden Zollbeamten und Vertrauenspersonen aus der Szene nahm. "Ohne diese Instrumentarien wäre dieses Ergebnis nicht zu erzielen gewesen, gerade bei derart skrupellos und konspirativ agierenden Tätern."

Der Weg führt weg vom Ameisenschmuggel, in Richtung organisierte Kriminalität durch Banden. Christian Schüttenkopf, Sprecher des Zollfahndungsamtes München, spricht von immer größeren Dimensionen des Crystal-Handels. Suchtforscher Norbert Wodarz, Universität Regensburg, hat letzte Woche im BR-Interview ("Kontrovers") die Parallele zu den USA vor 25 Jahren gezogen: "Solange es Ameisenhandel und Kleinküchen gab, war es ein regionales Problem. Als die großen Kartelle die Geschäfte übernahmen, wurde das sehr schnell professionalisiert."

Razzien in Tschechien zeigen, dass dort vor allem Vietnamesen komplexe Produktionsstrukturen aufgebaut haben. Profiküchen können zehn Kilo Crystal pro Tag herstellen. Gut durchorganisiert sind auch Banden in Bayern, über die der Verkauf läuft. 2014 ergab sich nach einer Großrazzia in Regensburg mit 166 Zollfahndern in 16 Wohnungen folgendes Bild: ein Chef, zwei Stellvertreter, Kuriere, fünf "Verkaufsmanager".

Wir haben festgestellt, dass die Schmuggelverstecke immer professioneller werden und die Mengen, die über die Grenze gebracht werden, immer größere Dimensionen haben.Christian Schüttenkopf, Zoll
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.