Zusätzliche Stelle bei Caritas-Fachambulanz bringt Erfolg
Suchtberatung: Null Wartezeit

Der Einsatz hat sich gelohnt: Die zusätzliche Stelle an der Caritas-Fachambulanz für Suchtprobleme zeigt Wirkung. Das berichteten Leiterin Katjenka Wild und Alicija Florko-Broschak Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher und Oberbürgermeister Kurt Seggewiß (von rechts). Bild: Schönberger

Weiden bleibt in Sachen Crystal ein Hotspot. Deshalb hat der Bezirk vor drei Jahren eine zusätzliche Stelle für die Caritas-Suchtberatung genehmigt. Die Aufstockung zeigt deutliche Wirkung.

"Unsere Wartezeit ist auf null geschrumpft", freute sich Katjenka Wild am Freitag. Vor allem die Einführung der offenen Sprechstunde habe sich bewährt. Jeden Donnerstag von 14 bis 16.30 Uhr erhalten Ratsuchende hier - ohne vorherige Anmeldung - Hilfe. "Wenn ich mich traue, muss jemand da sein", erklärt Katjenka Wild dieses niedrigschwellige Angebot.

Offene Sprechstunde gefragt


Durchschnittlich 15 Personen machen davon Gebrauch. Drei Berater stehen ihnen zeitgleich zur Verfügung. Seit einer Woche gibt es außerdem eine Sportgruppe zum Training von Ausdauer und Kondition. Dazu kommt seit Dezember zwei Mal die Woche - montags und freitags von 8.30 bis 10 Uhr - das Caritas-Café. Neben Kaffee und Brezen zu günstigen Preisen gibt es hier bei Bedarf Beratung für Betroffene, von Problemen mit der Telefonrechnung bis zur Wohnungskündigung. "Es ist immer ein Ansprechpartner da." Auch dieses Angebot werde gut angenommen, berichtete die Sozialpädagogin.

Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und Bürgermeister Lothar Höher hörten's gern. Gemeinsam hatten sie sich - Höher in seiner Funktion als Bezirkstagsvizepräsident - für die Zusatzstelle eingesetzt. "Weiden wäre eigentlich noch nicht an der Reihe gewesen", erinnerte er daran, dass viel Überzeugungsarbeit bei Bezirk und Caritas nötig gewesen sei. "Wir mussten die besondere Situation klar machen." Und die sieht so aus, dass Weiden als Oberzentrum nahe der tschechischen Grenze in punkto Drogen eine heißes Pflaster ist.

Das untermauerte Katjenka Wild mit aktuellen Zahlen. Alkohol bleibe zwar weiterhin die Droge Nummer eins. Doch die Zahl der Crystal-Konsumenten sei in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Von den über 400 Klienten, die 2015 langfristig Rat suchten, hatten mehr als die Hälfte Probleme mit Alkohol, 95 waren Crystal-Konsumenten. "Das reicht vom 17-Jährigen bis zum mittleren Alter und quer durch alle Bevölkerungsschichten, vom Schüler bis zum Rechtsanwalt." Crystal fördert die Leistungsfähigkeit. Der Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol) dagegen, enthalten in Cannabis, führt zur Entspannung.

"Der Wirkstoff THC war aber Ende der 60er Jahre längst nicht so stark wie heute", wusste Katjenka Wild. Deshalb pflichtete sie OB Seggewiß bei, diese Droge "bloß nicht zu legalisieren". Wild warnte zudem: "Das würde die Botschaft aussenden, THC ist unbedenklich, und das ist es nicht." Um Kinder gegen Drogengefahr zu stärken, müsse man ihnen Lebenskompetenz und Selbstbewusstsein vermitteln. "Dann können sie Nein sagen."

Belohnungen variieren


Auch auf die Frage von Lothar Höher - "Wie sollen wir nach einem 16-Stunden-Tag relaxen?" - wusste die Fachfrau eine Antwort. "Sie können ruhig mal an einem Abend Wein trinken. Aber variieren Sie im Belohnungssystem: Gehen Sie am nächsten Tag spazieren oder machen Sie sich einen schönen Abend mit Ihrer Frau." Das führe ebenfalls zur Entspannung, aber nicht zur Gewöhnung an Alkohol.
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