Zwei Drogenschmuggler müssen sich vor Gericht verantworten
Faustdicke Probleme

Die beiden Männer waren nervös bei der Kontrolle durch Bundespolizisten. Ein Blick in den Kofferraum zeigte, warum: Faustgroße Kugeln Methamphetamin waren dort versteckt. Ein Messer steckte in der Jacke des einen Mannes. Dafür könnte es bis zu sechseinhalb Jahre Gefängnis setzen.

Zwei junge Männer, die aus Tschechien in einem 7er-BMW mit Kennzeichen einer mittelfränkischen Kleinstadt kommen: Da werden die Fahnder der Bundespolizei an der Grenze bei Waldsassen misstrauisch. Und wieder einmal hatte sie im November des vergangenen Jahres ihr Gespür nicht getäuscht. Auffällig nervös waren die beiden Insassen des Wagens, etwas verwirrend ihre Berichte auf die Frage, wo sie gewesen waren. Und schließlich zeigte ein Drogen-Wischtest an den Händen des Beifahrers: positiv auf Amphetamin. Am Mittwoch standen der mittlerweile 21-Jährige und der 22-Jährige vor der 3. Jugendkammer des Landgerichts.

Rauschgift für Nürnberg


Bei der Durchsuchung des Autos hatten die Beamten in der Seitenverkleidung des Kofferraums fünf faustgroße, mit Plastikband umwickelte Kugeln mit zusammen 251 Gramm Methamphetamin gefunden. Dazu entdeckte die Polizei noch ein Rettungsmesser unter der Jacke des Älteren auf der Rückbank, was Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Hans-Jürgen Schnappauf dazu brachte, beide wegen bewaffneter Rauschgifteinfuhr und -handels anzuklagen. Das Rauschgift war für den Verkauf im Raum Nürnberg vorgesehen.

Der Fahrer des Schmuggelfahrzeugs hatte schon im Vorfeld der Polizei gestanden, dass er "gutgläubig mitgefahren" sei, aber von dem Rauschgift gewusst habe. Auch hatte er den durchsuchenden Polizisten den Tipp gegeben, wo im Kofferraum das Crystal zu finden war. Auf dem Asia-Markt nahe Eger sei sein Kumpan mit einem Vietnamesen in einem Hinterzimmer verschwunden. Er selbst habe von Anfang an nur als Fahrer einspringen sollen, wenn es dem Begleiter wegen seiner Fußverletzung schlecht gehe.

Der Ältere, ein in Deutschland geborener Kosovare, ließ nach einigem juristischen Geplänkel zwischen seinem Verteidiger Professor Dr. Jan Bockemühl und dem Vorsitzenden Richter Reinhold Ströhle, über den Rechtsanwalt erklären, dass die Anklage so stimme. Weitere Angaben wolle er nicht machen, da er um seine Familie fürchte.

Zahlreiche Polizeibeamte berichteten am Mittwoch von Festnahme und Ermittlungen. Das Wirkstoffgutachten des Landeskriminalamts bestätigte, dass es sich um "Stoff" bester Qualität gehandelt hatte.

Wie weit die Vorstellungen von Anklage und Verteidigung auseinander lagen, zeigten die Plädoyers. Staatsanwalt Schnappauf forderte sechseinhalb Jahre für den Haupttäter sowie zwei Jahre neun Monate für den Komplizen. Die Rechtsanwälte Matthias Haberl und Professor Bockemühl plädierten auf drei Jahre für den Kosovaren. Rechtsanwalt Antonius Ludemann hielt zwei Jahre auf Bewährung für seinen Mandanten, den Fahrer, für schuldangemessen.

Heute fällt das Urteil


Am Freitag um 9 Uhr wird die Kammer, die mit den Richtern Ströhle und Peter Werner sowie zwei Schöffen besetzt ist, das Urteil sprechen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.