Zwei Frauen aus Notunterkunft haben entbunden
Die ersten "Hallen-Babys" sind da

Die kleine Hoda und ihre Eltern. Bild: Götz

Wir dürfen vorstellen: Ahmad, zwei Tage alt, und das Mädchen Hoda, ebenfalls zwei Tage alt. Beide sind Kinder syrischer Eltern und beide erblickten das Licht der Welt in der Nacht zum Dienstag im Klinikum Weiden. Sogar die Gewichtsklasse ähnelt sich: Der Bub brachte 3620 Gramm auf die Waage im Kreißsaal, das Mädchen 3200 Gramm.

Dann hören die Gemeinsamkeiten nämlich leider schon auf: Hodas Eltern Abdalhalem und Ibitissam sind anerkannt und leben bei Freifrau von Podewils in Wildenreuth, die insgesamt 25 Flüchtlinge auf ihrem Schloss einquartiert hat: "Baronin Eva ist sehr gut." Der 26-Jährige ist Koch aus Latakia an der Küste Syriens, seine Frau (26) stammt aus Damaskus. Hoda ist ihr erstes Kind.

Der Alltag von Ahmads Mama Fatimah aus Aleppo sieht dagegen trostlos aus. Die 35-Jährige konnte noch keinen Asylantrag stellen. Sie befindet sich seit drei Monaten zur Erstaufnahme in der Mehrzweckhalle in Weiden. Allein mit sechs Kindern (3 bis 17 Jahre). Ihr Mann ist aus - für sie unerklärlichen Gründen - in einer Notunterkunft in Nürnberg untergebracht. Er kommt täglich zu Besuch. Die Familie hatte bei ihrer Ankunft eine viermonatige Flucht von Syrien über die Türkei quer durch Osteuropa hinter sich. Für die Zukunft ihres Sohnes hat die jetzt siebenfache Mutter daher nur einen Wunsch: "Mit meinem Mann und den Kindern in einer Wohnung leben."

Im Klinikum kam diese Woche noch ein zweites Baby aus der Mehrzweckhalle zur Welt. Die Mutter ist Ukrainerin. Noch ist nicht entschieden, ob die beiden frisch entbundenen Frauen und ihre Neugeborenen nach der Entlassung in die Erstaufnahmeeinrichtung zurück müssen. Dort hat sich die Lage am Donnerstagnachmittag mit der Ankunft eines weiteren 50-Mann-Busses noch einmal verschärft. Die Einsatzleitung der Mehrzweckhalle, die Leitung der Regierungsunterkunft in der Kasernenstraße sowie die Stadt Weiden bemühen sich um eine Lösung für eine externe Unterbringung.

Weitere drei Frauen in der Mehrzweckhalle sind schwanger. Beim Weidener "Netzwerk Asyl" sind indessen nach dem NT-Spendenaufruf vom Montag zahlreiche Spenden von Babybedarf - von Stramplern bis zu Kinderwagen - aus Stadt und Landkreis eingegangen. Diakonie-Koordinator Manfred Weiß freut sich über die "ungebrochene, überwältigende Spendenbereitschaft".