Zwei Mädchen machen es vor
Treffen im JuZ zur Integration ist noch eine einseitige Angelegenheit

Integration ist nur ein Wort, wenn es nicht mit Leben erfüllt wird. Jeden Freitag bietet das Netzwerk Asyl ab 16 Uhr im JuZ einen Ort der Begegnung. Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen nehmen das gerne an - die deutschen Altersgenossen machen sich noch eher rar.

Stell dir vor, es ist Integration, und keiner geht hin. Das gilt zumindest noch für die deutschen Jugendlichen. Schade. Denn offenbar haben die Jugendlichen hier jede Menge Spaß. Die Teestube ist voll besetzt, an den Tischen wird gespielt, manche gucken zu, manche unterhalten sich einfach, es wird gelacht und gescherzt - Teenager halt. Beaufsichtigt wird das Ganze von Sozialpädagogen.

Irgendwie helfen


Auch die deutschen Mädchen Marlene und Elisabeth fühlen sich hier wohl. Dazu gekommen sind die beiden, weil sie einfach irgendwie helfen wollten. Hier haben sie den Ort dafür gefunden. "Aber es ist ja jetzt nicht irgendeine Pflichtaufgabe. Es macht Spaß, andere Leute zu treffen", erklärt Elisabeth.

Und so lassen sich die Jugendlichen immer wieder etwas Neues einfallen. "Vor Weihnachten haben wir Plätzchen gebacken. Wir haben getanzt - arabisch und Hip-Hop. Demnächst wollen wir Karaoke machen oder einen Film ansehen", zählt Marlene auf. Eine Hürde beim Kennenlernen ist noch die Sprache. Junge Menschen aus Afghanistan, Syrien, Irak, Iran, Eritrea und Somalia müssen sich hier verständigen. Aber irgendwie funktioniert es. "Guten Tag" und "Wie geht's dir?" ist schnell gelernt.

Blick in die Augen


Nicht nur an der Zahl der Teilnehmer ist zu erkennen: Die jungen Flüchtlinge wollen sich integrieren. Abdul Ezam ist seit sechs Monaten in Weiden. Sein Deutsch ist dafür schon ziemlich gut. Er nutzt die Freitagnachmittage auch, um noch mehr dazuzulernen. Der 17-Jährige, der aus Kundus fliehen musste, ist ehrgeizig. "Ich will mal studieren." Auch der junge Afghane Sulayman möchte in Deutschland dazugehören. Wie Abdul Ezam besucht er die Europaberufsschule. "Ich möchte Kfz-Mechatroniker werden", erzählt er.

Manfred Weiß, der umtriebige Ehrenamtskoordinator von der Diakonie, findet es unheimlich wichtig, dass die Flüchtlinge mit gleichaltrigen Deutschen zusammen kommen. "Ein Blick in die Augen, ein Lächeln - und das Eis ist gebrochen." Vor allem aber sei die Sprache das A und O bei der Integration. "Dafür bräuchten wir noch viel mehr deutsche Jugendliche hier. Jeder ist willkommen."

Und auch bei der Zahl der Betreuer ist noch Luft nach oben. "Neben den hauptamtlichen Sozialpädagogen, wären junge Erwachsene bis etwa 27 Jahren wirklich hilfreich." Ansprechpartner für Interessierte ist auch Manfred Weiß - telefonisch zu erreichen unter der Nummer 0159/02 405 421 oder per E-Mail an asyl-ehrenamt@diakonie-weiden.de.
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Wolfgang Göldner aus Weiden in der Oberpfalz | 03.02.2016 | 13:42  
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