Zweiter Prozesstag im Verfahren gegen Ted T. nach Messerattacke in Pressath
Jede Menge Frauengeschichten [Aktualisierung]

Bild: Götz

Es ist möglich, dass Ted T. zu einer anderen Frau wollte. Im zweiten Stock wohnte früher eine 32-Jährige, die in einer Beziehung zu dem Amerikaner stand. In Gold-Stiefeletten und hautenger Jeans stakst die 32-Jährige in den Zeugenstand. Kennengelernt habe sie Ted über eine Dating-Seite, haucht sie ins Mikro. "Ich war auf der Suche nach neuen Freunden."

Die Frauengeschichten von Ted T. waren am Montagvormittag das dominierende Thema im Prozess gegen den 29-jährigen Amerikaner. Er muss sich des versuchten Mordes und der versuchten Vergewaltigung einer 25-jährigen Altenpflegerin in der Nacht zum Pfingstsamstag 2015 verantworten.

Nach Wohnung erkundigt



Die 32-jährige Vormieterin, inzwischen wohnhaft in Franken, weist jeden Gedanken an Sex weit von sich: "Er kam ab und zu einfach so vorbei, zum Kaffeetrinken." Abends sei auch Wodka konsumiert worden. "Versucht hätte er es schon", schildert sie Annäherungsversuche des Amerikaners. "Ich habe ihn immer zurückgewiesen." Es folgt ein unschuldiger Augenaufschlag der Zeugin. Völlig zu unrecht sei sie am Telefon von der Ehefrau des Angeklagten als "bitch" tituliert worden.

Hellhörig wird das Schwurgericht unter Vorsitz von Walter Leupold, als die 32-Jährige berichtet, dass sich der Angeklagte für eine Wohnung in dem Haus interessiert habe. Sie habe ihm daraufhin von der freien Wohnung im ersten Stock erzählt und dass sie vorhabe, dort einzuziehen. "Ich meinte zu ihm, dass er und seine Frau dann die Wohnung oben haben könnten." Der Fall hatte sich schnell erledigt. Im Oktober 2014 kam es zu einer Schlägerei zwischen Ted T. und einem anderen Herren im Flur. Daraufhin legte ihr der Vermieter die Kündigung nahe.

An Frauengeschichten mangelt es nicht im Leben des Ted T. Die Aussage einer 26-Jährigen wird verlesen. Sie hatte im Sommer 2014 eine Affäre mit dem Amerikaner. "Ganz normalen Sex. Wenn er mich besuchte, mindestens drei Mal." Er habe sie per Facebook angeschrieben: "Hi, wie geht's? Du bist sehr schön." Im Juli 2014 besuchte er sie in Windischeschenbach. Drei Stunden später lag man schon im Bett. Die Affäre ging einen Monat. Finaler Höhepunkt: Man traf sich in der ehelichen Wohnung des Angeklagten in Pressath. Auf der Heimfahrt packte die 26-Jährige das "schlechte Gewissen". Sie informierte die Ehefrau und beschrieb ihr zum Beweis die Einrichtung.

Ganz normalen Sex. Wenn er mich besuchte, mindestens drei Mal.Ex-Geliebte von Ted T.
Die Ehefrau sitzt auch am Montag wieder im Zuhörerraum und wirkt ein wenig, als würde sie schäumen. Leupold nutzt die Gelegenheit, die 32-Jährige spontan als Zeugin nach vorne zu bitten. Sie nutzt ihr Aussageverweigerungsrecht: "Ich bleibe dabei, ich will nichts sagen."

Nachts noch gewaschen


Für sie muss Ermittlungsrichter Reinhold Ströhle aussagen. So habe die Ehefrau damals zu Protokoll gegeben, dass Ted T. gegen 4.20 Uhr nach Hause kam. Merkwürdig war, dass er sofort duschte und seine gesamte Kleidung plus Schuhe in die Waschmaschine steckte und den Waschgang startete. "Sie vermutete, dass er fremdgegangen war." Als er zu Bett kam, habe sie keinerlei Anzeichen von Alkohol bemerkt.

Der Angeklagte hatte am Vorabend der Tatnacht die Geburtstagsparty eines Basketballfreundes besucht. Etwa 40 Gäste feierten in einer Garage in Pressath den 25. Geburtstag des Studenten. Ted T. traf gegen 21.30 Uhr mit seinem Motorrad ein. Er stellte sich der Mutter des Gastgebers vor: "Er sagte auf Englisch auch gleich, dass er eigentlich nicht eingeladen sei und nur auf ein Bier käme."

Kurz nach Mitternacht kam es zu einem Zusammenstoß mit dem Hausherrn, einem Regierungsangestellten. Er traf Ted T. im Obergeschoss an, obwohl sich das Gäste-WC im Keller befand. Ted T. entschuldigte sich und wirkte nach Einschätzung des 55-Jährigen "ganz klar". Auch andere Gäste erinnern sich nicht an "übermäßigen Alkoholgenuss", wie der Angeklagte behauptet. Überraschend nahm der Amerikaner am Montagnachmittag doch noch Stellung zu den Vorwürfen.
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