BHS tabletop steigert Umsatz deutlich
Mehr als nur Porzellan

Bauscher ist ein weltweit agierender Hersteller von Hotelporzellan aus Weiden. (Foto: Petra Hartl)

Erstmals überschritt der Umsatz des Porzellankonzerns BHS tabletop AG deutlich die 100-Millionen-Euro-Grenze. „Wir haben die Dinge so angepackt, dass sie in die richtige Richtung gehen“, sagt Vorstandsvorsitzender Christian Strootmann. Dazu gehört auch „denkendes“ Porzellan.

Weiden/Selb. Das oberfränkisch-oberpfälzische Unternehmen mit den Standorten Weiden, Selb und Schönwald entwickelte für die Betriebs-Gastronomie eines „weltweit führenden Chemiekonzerns“ das „intelligente“ Abrechnungssystem „Pabis“. Der Name steht für „Payment by intelligent solutions“. Die von Bauscher in Weiden gefertigten 20 000 Porzellan-Teile verfügen jeweils über einen Transponder, der die Speisen auf dem Tablett erkennt – und die Daten automatisch an die Kasse übermittelt. „Dies macht die Arbeitsabläufe schneller und einfacher“, erklärt Strootmann. Das digitalisierte Porzellan kostet dem Vernehmen nach zwar das Doppelte, die finanzielle Mehr-Investition scheint sich jedoch zu rechnen. Strootmann: „Mit einem Bauscher-Produkt steigen wir in die Digitalisierung der Prozesse ein, in Industrie 4.0.“

Die BHS tabletop AG erhöhte 2015 den Konzernumsatz um 15 Prozent auf 114,2 Millionen Euro und das operative Ergebnis (Ebit) um 17 Prozent auf 5,5 Millionen Euro. Dass der Jahresüberschuss mit 0,7 Millionen Euro (2015: 3,7 Millionen Euro) spärlich ausfiel, ist dem Kauf der „Vertriebstochter“ John Artis geschuldet. Mit ihr bedient die BHS den britischen Markt. Als „einer der größten Lieferanten der britischen Hotellerie und Gastronomie“ erzielte John Artis einen Umsatz von 16,8 Millionen Euro. „Ein Brexit würde unsere Geschäfte mit Großbritannien deutlich erschweren“, meint Strootmann. „Um die Vertriebskraft zu stärken“, ist die BHS auch in den USA mit der Tochtergesellschaft BauscherHepp Inc. aktiv. Sie steigerte ihren Umsatz von 9,5 Millionen auf 13,3 Millionen Euro. Die Exporterfolge profitierten auch vom US-Dollar. Strootmann: „Der niedrige Euro-Kurs zum Dollar hat unserem Export gewiss nicht geschadet.“ Leider gebe es „nicht so wahnsinnig viele Dollar-Kunden“.

Verluste in Russland

Die Internationalisierung, ja globale Ausrichtung, glich den Umsatzeinbruch in Osteuropa mehr als aus. „Wir haben in Russland 1,5 Millionen Euro Umsatz verloren: Weniger durch die Sanktionen, sondern durch den schwachen Rubel und den deutlichen Rückgang der Investitionen“, berichtet Strootmann auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wir leiden unter der politischen Großwetterlage.“ Nicht zuletzt unterstreicht der Chef der BHS tabletop AG das „stabile Inlandsgeschäft“ in Deutschland.

Der Umsatz des Weltmarktführers für funktionales, hochwertiges Hotelporzellan wuchs in den vergangenen vier Jahren um 30 Millionen Euro. Strootmann führt den Erfolg „auf unser ausgefeiltes Geschäftsmodell, die hoch motivierte und qualifizierte Belegschaft sowie auf die technologische Effizienz made in Germany“ zurück. Untypisch für die Porzellanbranche: Die Zahl der Beschäftigten stieg sogar – wenn auch nur geringfügig – von 1132 (2015) auf 1154. Nach 5 Millionen Euro im Vorjahr stehen 2016 Investitionen von 6 Millionen Euro an. Das energieintensive Unternehmen nimmt mit dem Bau eines 530 Kilowatt starken Blockheizkraftwerks (BHKW) in Schönwald seine Stromversorgung weitgehend selber in die Hand.

Auf allen Kontinenten

Strootmann unterstreicht die Entwicklung der BHS vom reinen Porzellanhersteller zum „anpassungsfähigen und innovationsgetriebenen Anbieter“ für Tabletop-Lösungen in allen Märkten der Außer-Haus-Verpflegung. Mit Bauscher, Schönwald und Tafelstern professionell porcelain ist die BHS auf allen Kontinenten präsent. Als „Referenz-Objekte“ gewann Bauscher u. a. das 5-Sterne-Hotel „Nuo Beijing“ (Peking), das „Four Seasons“ in Seoul und das „Sheraton“ in Kairo. Trotz eines „höheren Risikopotenzials in den Märkten“ erwartet Strootmann für 2016 eine Fortsetzung des Wachstumskurses.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.