Kommentar zur Wohnimmobilienkreditrichtlinie
Kredit-Hahn zugedreht

Von Clemens Fütterer

Anders als in manchem südeuropäischen Land bestand in Deutschland kein Handlungsbedarf für eine neue Richtlinie privater Immobilienkredite: Sie sind eine sichere Bank, hier tendiert die Ausfallrate gegen Null. Auf das EU-Regelwerk setzte die deutsche Gesetzgebung noch eins drauf. Neidvoll schauen Banken auf Österreich, weil das Nachbarland mit der nationalen Umsetzung pragmatischer verfährt. Die Vielzahl von Vorschriften und Auflagen kehrt die europäische "Wohnimmobilienkreditrichtlinie" um: von gut gemeint zu schlecht gemacht. Eigentlich soll sie den Verbraucher schützen; doch sie verteuert und kompliziert die Kredite nicht nur: Für ganze Bevölkerungsgruppen rückt ein Darlehen außer Reichweite - für Rentner, Geringverdiener und auch junge Familien.

Der Traum vom eigenen Haus droht zum exklusiven Privileg jener Leute zu werden, die über ein propper bestücktes Bankkonto verfügen und den Kredit am besten mit Barem hinterlegen können. Sogar die Gewerkschaften, die mit dem Wohl der Banken nichts am Hut haben, schlagen Alarm. Die Kreditrichtlinie kommt zur Unzeit: Deutschland benötigt dringlichst die Schaffung von privatem Wohnraum. Die von Gewinneinbrüchen durch die von Null-Zins-Politik gebeutelten Banken brauchen das private Kreditgeschäft, um Erträge zu erwirtschaften und Eigenkapital zu bilden. Faktisch dreht das EU-Regelwerk den Kredithahn zu und sägt damit an der zentralen Einnahme-Säule der Geldinstitute.
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