4. Nordoberpfälzer Wirtschaftstag
Mitarbeiter als Erfolgsfaktor

Toni Hinterdobler, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, eröffnete den 4. Nordoberpfälzer Wirtschaftstag
 
Toni Hinterdobler (links), Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, moderierte die Podiumsdiskussion am 4. Nordoberpfälzer Wirtschaftstag. Es diskutierten (von links): HWK-Vizepräsident Franz Greipl, Iris Brunnner, Prokuristin der Bäckerei Brunner KG, OTH-Vizepräsidentin Professor Dr. Andrea Klug und Pilkington-Werkleiter Reinhold Gietl. Bild: Bühner

Auf die Einladung prominenter Politiker hatten die Veranstalter verzichtet. Diesmal sollten auf dem Nordoberpfälzer Wirtschaftstag die regionalen Akteure zu Wort kommen.

(sbü) Beim 4. Nordoberpfälzer Wirtschaftstag ging es um nicht weniger als um die Zukunft der Wirtschaft in der nördlichen Oberpfalz. "Letzte Ausfahrt Nordoberpfalz? Risiko Fachkräftemangel!" formulierten die Veranstalter "bewusst etwas provokativ" den Veranstaltungstitel. Toni Hinterdobler, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, sprach von "Boomzeiten im Handwerk" und "Standortvorteilen der ländlichen Regionen".

Wichtig: gutes Betriebsklima


Um zwei zusammenhängende Themen ging es am Nachmittag im Berufs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer in Weiden: Mitarbeiter-Bindung und -Gewinnung als Voraussetzung für zukunftsfähige Unternehmen. Im Impulsreferat formulierte Handwerkskammer-Vizepräsident Franz Greipl aus der Erfahrung seines Bauunternehmens Vorschläge, um Mitarbeiter zu binden. "Wenn Mitarbeiter sich wohlfühlen, werden sie im Winter nicht fahnenflüchtig", sagte er. Auch sei ein gutes Betriebsklima der beste Gesundheitsschutz.

Greipl sah einen engen Zusammenhang zwischen der Mitarbeiter-Bindung und -Findung als er feststellte: "Mitarbeiter sind die besten Botschafter der Firma." Wertschätzung sei oberstes Gebot. Daneben gelte es, Fairness, Offenheit, Vertrauen und Transparenz zu beweisen. Er zählte eine lange Liste von dazu passenden Einzelmaßnahmen in seinem Betrieb auf. Darunter gemeinsame Geburtstagsfeiern, Skifahren, Nordic-Walking-Kurse, Kulturreisen, Handwerker-Knigge-Lehrgänge und Selbstfindungstage. "Jeder kennt den Lohn des anderen", verwies er auf Transparenz und "ein Firmenhandy hat ohnehin jeder".

Greipl weiter: Ein 9-Stunden-Tag reiche und es gebe regelmäßig freie Freitage. Gute Werkzeugausstattung, Arbeitskleidung, Betriebsrenten, leistungsgerechtes Lohnsystem und Weihnachtsgeld zählte er ebenfalls auf. Sehr wichtig sei außerdem: "Mitarbeiter brauchen berufliche Perspektiven." Mit seinen Vorschlägen nahm Greipl vieles vorweg, was in den anschließenden Diskussionsforen vertieft wurde.

Unternehmenscoach Jürgen Stilp und Dr. Jasmin Balzereit von der Peringio GmbH leiteten die Diskussionerunden. "Wertschätzung beginnt bei der Beantwortung von Bewerbungen", lautete eine der dabei getroffenen Empfehlungen. Weiter: "Nehmen Sie sich Zeit für das Personal, auch für deren private Probleme." Mehr Selbstorganisation der Mitarbeiter und an deren Lebenssituationen angepasste Arbeitszeitmodelle wurden ebenfalls vorgeschlagen. Studien des Instituts Kienbaum hätten ergeben, dass nur 16 Prozent der Arbeitnehmer im Betrieb "sehr zufrieden" und 38 Prozent "zufrieden" seien, berichtete Balzereit.

Für flache Hierarchien


Je jünger die Arbeitnehmerschaft, desto größer sei das Bedürfnis nach Auflösung traditioneller Arbeitsumgebungen wie Büro und Schreibtisch. "Junge Menschen brauchen heute länger als früher, um ihren Platz zu finden", stellte IT-Unternehmer Anton Braun in seinem Kurzreferat fest. Er empfahl, Perspektivpläne für Mitarbeiter, flache Hierarchien sowie selbststeuernde Projektgruppen.

In der von HWK-Hauptgeschäftsführer Hinterdobler moderierten Podiumsdiskussion ging es um den Fachkräftemangel. Prokuristin Iris Brunner von der Bäckerei Brunner KG sieht jedes Unternehmen "selbst in der Pflicht, an seiner Attraktivität zu arbeiten". Wichtig sei, was gelebt werde. OTH-Präsidentin Andrea Klug sagte: "Wir brauchen beides, Akademiker und Fachkräfte."

Dass Mitarbeiter-Bindung ("Branding") nur langsam wachsen könne, stellte Pilkington-Werksleiter Reinhold Gietl fest. HWK-Vizepräsident Greipl bezeichnete es als "hohen Wert an Lebensqualität, nah am Arbeitsplatz zu wohnen". Veranstalter des Wirtschaftstags waren HWK, IHK, OTH, Mittelstandsunion und Wirtschaftsclub.
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