68-Jähriger Wolfgang S. erklärt seine Millionengewinne
1 389 000 000 US-Dollar

Alles Millionen: 27 plus 29 plus 833 plus 500. Laut Wolfgang S. sind das alles Summen, die auf Konten in aller Welt schlummern und deren Auszahlung er anstrebt. Die Summe von 65 Millionen US-Dollar (27 plus 29) liegt nach seinen Angaben noch immer bei Clearing House New York. Die 833 Millionen Dollar sind inzwischen von Amsterdam nach China weiterverschickt worden, die 500 von London nach Dubai. Bild: ca

Wolfgang S redet. Unter einer Bedingung: "Stellen Sie mich nicht wieder als Betrüger hin." Die etwa 40 Zuhörer am Dienstag im Schwurgerichtssaal können sich selbst ein Bild davon machen, wie der 68-Jährige mit den Millionen jongliert.

Landgerichtspräsident Walter Leupold stellt nur eine Frage: "Woher stammen die 27, 29, 500 und 833 Millionen Dollar?" In den folgenden drei Stunden erklärt der Angeklagte im Betrugsprozess wortreich seine Geschäfte. Als sich Ratlosigkeit auf den Gesichtern abzeichnet, greift er zum Marker und malt die Millionen-Bewegungen auf ein Flipchart.

Die Kurzfassung: Ursprung war das Tabakgeschäft ab 1989. Es ging hauptsächlich um Rohtabak, "blonden Richmond-Tabak". Mit dem kubanischen Außenminister sei er nach Kuba geflogen, wo ihm 1990/91 eine eigene Produktion angeboten wurde. 1996 habe man auch in Mexiko produziert. "Wir lagen bei 130 Containern pro Jahr." Pro Container brachte das 50 000 Dollar. "Ne gute Sache."

Sprung ins Jahr 2001: Zimbabwe. "Damit Sie auch wissen, wie es zu den 27 Millionen kam." Sein gleichaltriger, afrikanischer Freund George Moyo habe "Riesentabakfelder" bewirtschaftet, sei aber im Zuge der Revolution in Zimbabwe von Milizen umgebracht worden. Zurück blieben Sohn Benson Moyo und "drei, vier Brüder", die ohne Pass, dafür mit "32 Millionen cash" nach Johannesburg flohen. "Davon waren 14 Millionen mein Reinverdienst."

Er habe diesen Betrag schon abgeschrieben gehabt, als ihn 2006 ein Hilferuf aus Südafrika erreichte: Das Geld könne gegen eine Gebühr von 75.000 Euro aus einem Security-House geholt werden. In der Cigar Lounge am Flughafen in Johannesburg habe er Benson Moyo das erste Mal getroffen. "Er war so um die 30."

2007 bis 2009: Die Millionen gehen auf Weltreise. Laut Wolfgang S. traf das Geld nach einem Abstecher in die Schweiz auf seinem Firmenkonto auf Mallorca ein, um dann doch wieder zur City-Bank New York zu gehen. "Da hieß es, wir müssen 200 000 Dollar zahlen, sonst wird das Geld nicht frei." Die Millionen seien dann nach Toronto transferiert worden. Wolfgang S. flog hinterher: "Die Bankgebäude dort sind Apparate!"

In Kanada habe man sich mit Vivian Banta "herumgeschlagen" (2005 auf der Forbes-Liste der einflussreichsten Frauen der Welt). Sie habe mit falschen Zertifikaten operiert: "Die hat regelrecht abgezockt." Er habe Vivian Banta angezeigt und den Prozess auch gewonnen. Als eine Art Entschädigung ("weil man mit meinem Geld und meinem Knowhow hintenrum 8,5 Milliarden gemacht hatte") habe Banta ihm 2011 die 833 Millionen US-Dollar auf einem Konto in Amsterdam angeboten.

Um an dieses Geld zu gelangen, seien 4,6 Millionen Euro Vorleistungen verlangt worden. Wolfgang S. bat bei einem Treffen am Flughafen Nürnberg den Unternehmer Michael S. um die Summe. "Ich habe ihm die Kopie über die 827 Millionen gezeigt und gefragt: Sollen wir das durchziehen?" Unter anderem überwies Michael S. eine Ausfallgarantie von "nur" 0,2 Prozent nach China. Ohnehin zahlte er immer direkt auf Konten in aller Welt, nicht an Wolfgang S.

James Aramanda, CEO von Clearing House, sei es schließlich gelungen, zumindest die 27 Millionen in sein Bankhaus nach New York zu holen. "Interne Insidedeals." Und, welch Überraschung, plötzlich waren weitere 27 Millionen Dollar da. "Die sind von Moyo neu reingekommen." Aramanda sei ihm ein enger Freund geworden. Wolfgang S. nennt zahlreiche private Details der Familie.

Die Richter Leupold, Markus Fillinger und Marco Heß hätten in zwei Wochen Gelegenheit, Aramanda damit zu konfrontieren. Er ist in Manhattan als Zeuge geladen. "Und er wird kommen", weiß Wolfgang S. aus sicherer Quelle. Und wieso war das FBI mit ihm befasst? "Ich war bekannt. Mit solchen Summen gibt es nur wenige." Ein FBI-Agent habe ihn kurz vor der Festnahme telefonisch gewarnt: "Flieg nicht nach Deutschland, mach erst die Abwicklung."

Die "Abwicklung" bleibt sein erklärtes Ziel: "Ich gebe nicht auf, ich gehe bis zum Ende, auch wenn ich im Knast bin." Aktuell seien Anwälte beauftragt, die Gelder freizuschaffen: "Das Geld muss hier rüber. Alles wird komplett bezahlt. Mit Zinsen."
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