70 Jahre "Der neue Tag": Max Rauch über die Zukunft der Region
Mahnungen eines Querdenkers

In seiner beruflichen Laufbahn war Max Rauch bei bedeutenden Unternehmen der Region in der Geschäftsführung tätig. Der 60-Jährige ist heute mit seiner Unternehmensberatungsfirma Maracon international aktiv. Bild: privat
 
"Wenn wir die vielen Firmen, die in E-Commerce, Logistik und Fabrik 4.0 aktiv sind, noch stärker vernetzen würden, wäre unsere Region sogar noch stärker", meint Max Rauch. Bild: Götz

Bequem war Max Rauch noch nie. Als Querdenker eckt der ehemalige Top-Manager regelmäßig an. Über die (wirtschaftliche) Zukunft der Region macht er sich eigene Gedanken.

Vor etwa 20 Jahren sagte der Altenstädter Max Rauch visionär den Internet-Hype mit der digitalen Veränderung der Gesellschaft voraus. Jetzt liest er den regionalen Politikern die Leviten.

Wohin wird sich unsere Region in den nächsten Jahrzehnten wirtschaftlich entwickeln? Wo liegen hier die künftigen Schwerpunkte?

Max Rauch: Ich bin hinsichtlich der Zukunftsentwicklung der Nordoberpfalz sehr optimistisch. Wir haben uns vom Mauerblümchen zu einer Region mit starken Clustern und "Leuchttürmen" entwickelt. Firmen wie Conrad Electronic, Witron, BHS, IGZ, ATP Autoteile und Speed4Trade stehen in verschiedenen Hochtechnologiebranchen weltweit in der ersten Reihe. Wenn wir die vielen Firmen, die in E-Commerce, Logistik und Fabrik 4.0 aktiv sind, noch stärker vernetzen würden, wäre unsere Region sogar noch stärker!

Bei alledem sollten wir aber den Tourismus nicht vergessen. Er ist der ideale Ausgleich zu den industriellen Schwerpunkten und ergänzt diese - durch die Schaffung entsprechender Lebensqualität - ganz erheblich. Bei alledem sehe ich jedoch auch große Herausforderungen:

A) Viele gut ausgebildete Nordoberpfälzer wandern in die Ballungszentren ab. Wie stoppen wir diesen Trend?

B) Die brutalen - und nach meiner Meinung unnötigen - neuen Stromtrassen werden unsere herrliche Landschaft zerschneiden. Wie vermeiden wir die negativen Effekte?

C) Leider wurde der Gesetzesentwurf, der Fracking verboten hätte, abgelehnt. Das "Fracking-Ermöglichungsgesetz" von CDU/CSU und SPD geht davon aus, dass bereits ab 2019 Fracking in Deutschland stattfinden kann. Ist uns klar, dass das für das Weidener Becken eine große Gefahr bedeuten wird? Die Koalition selbst rechnet mit 20 bis 30 Genehmigungsverfahren pro Jahr. Jeder kann sich ausrechnen, wann vor unserer Haustüre "gefrackt" wird. In diesem Zusammenhang muss ich Kritik an den Oberpfälzer MdBs und auch an den Abgeordneten im Landtag anbringen: Beide MdBs aus dem Weidener Raum haben das Gesetz zum Verbot von Fracking abgelehnt! Dies wird unserer Heimat schaden.

D) Und die dritte Umweltgefahr: der geplante Güterverkehrskorridor der Deutschen Bahn. Sind sich die Menschen entlang dieser Strecke der außergewöhnlichen Gefahren bewusst?

Bezüglich der unseligen Stromtrassen kümmert sich kein Oberpfälzer MdL wirklich um gute Lösungen. Andere Abgeordnete in anderen Regierungsbezirken sind aktiver und haben Änderungen erreicht. Und über die Güterverkehrstrasse der Bahn: Da ist außer betulichen Treffen der Mandatsträger mit besorgten Bürgern gar nichts geschehen. Ich bin enttäuscht von den großen Parteien: Sie lassen uns Oberpfälzer allein!

Könnten unsere traditionellen Industrien wie Glas und Porzellan im 21. Jahrhundert eine Renaissance erleben?

Es wird nicht einfach sein, in diesen Branchen eine Renaissance zu generieren, aber unmöglich ist es nicht. Gerade bei Glas und Porzellan wäre es wichtig, auf neue Geschäftsmodelle, neue Marketingstrategien, Anwendungen und neue Zielgruppen zu setzen. Manche Marktteilnehmer haben das sehr gut hingekriegt - wie zum Beispiel Schott in Mitterteich oder BHS tabletop in Selb. Einige andere hinken jedoch noch hinterher und verkaufen das, was sie schon immer verkauft haben, an Kunden, die schon immer Kunden waren - aber die Zahlen werden jedes Jahr schlechter, und wenn nicht eine jahrzehntelang aufgebaute finanzielle Substanz vorhanden wäre, dann wäre schon lange Schluss. Das "neue Denken" wird aber bei einigen Branchenvertretern wohl erst dann einsetzen, wenn der biologisch unvermeidliche Generationswechsel eingetreten ist.

Müssen die Oberpfälzer ihre traditionelle Bescheidenheit ablegen, um zu bestehen? Was zählen im globalen Wandel noch Tugenden wie Fleiß, Disziplin und Loyalität?

Bescheidenheit, Fleiß, Disziplin und Loyalität sind Werte, die nach dem Internethype der 2000er Jahre wieder konstant an Wichtigkeit gewinnen. Wenn Bescheidenheit nicht heißt, dass man sich wegduckt und gar sein Licht unter den Scheffel stellt, sondern mit Dynamik und Selbstbewusstsein verbunden wird, dann ist das eine außergewöhnlich gute Eigenschaft, die im Wirtschaftsleben eminente Wertschätzung genießt. Außerdem: Durch den globalen Wandel sind letztlich alle Märkte intransparenter und riskanter geworden. In solchen Zeiten ist Loyalität eine ganz wertvolle Eigenschaft.

Beide MdBs aus dem Weidener Raum haben das Gesetz zum Verbot von Fracking abgelehnt! Dies wird unserer Heimat schaden.Max Rauch


Bezüglich der unseligen Stromtrassen kümmert sich kein Oberpfälzer MdL wirklich um gute Lösungen.Max Rauch
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