70 Jahre "Der neue Tag": Medienhaus leitet 1972 Entstehen eines Stadtteils ein
Keimzelle in den Naabwiesen

Nachdem 1972 bereits die gesamte Technik in den Naabwiesen ansiedelte, folgten im Oktober 1977 Redaktion, Verwaltung und Anzeigen. Auf der Aufnahme ist gut erkennbar, dass die Autos vor dem überdachten Haupteingang vertikal parkten und die heute vielbefahrene Weigelstraße noch keine Durchgangsstraße war. Rechts stand das damals bei den großen Firmen obligatorische "Pförtner-Häuschen". Archivbild: Hofmann
 
Erinnerung an alte Zeiten: Hans Hofmann, Technischer Leiter a. D., präsentiert die Sonderveröffentlichung zur Einweihung des neuen Rotationsgebäudes 1996. Bild: cf

Zum "Gesicht" der Weidener Naabwiesen gehört unser NT-Verlagsgebäude heute so selbstverständlich wie das Neue Rathaus oder die Stadthalle. Als erster Betrieb und damit als Pionier siedelte unsere Zeitung 1972 in den damaligen Wiesen und Schrebergärten: Und schrieb im wahrsten Wortsinn ein neues Kapitel der Stadtentwicklung.

In den vergangenen vier Jahrzehnten entwickelte sich südlich der "Wopperer-Säge" (heute Anker-Ost) für Weiden ein komplett neuer Stadtteil. Der NT gab dafür mit dem Bau von Technik und Rotation das Startsignal. Mit ihrer weitsichtigen, ja visionären Entscheidung waren die Verleger unserer Zeitung, Anton Döhler, Victor von Gostomski und Dr. Hans Nickl, wieder einmal ihrer Zeit voraus: Von der drangvollen Enge des Nachkriegs-Standorts in der Ringstraße (heute Textil Müller) in die Weite der Naabwiesen umzusiedeln. "Außer einem Feldweg gab es hier Anfang der 70er Jahre keinerlei Straßen. In den Naabwiesen sagten sich Fuchs und Hase tatsächlich gute Nacht", erinnert sich Hans Hofmann, damals technischer Leiter unserer Zeitung.

Mehr Platz und Qualität

In den Gründerjahren erschien unsere Zeitung nur drei Mal wöchentlich, weil das kostbare Papier eisern rationiert war. 1960 kam der NT schließlich an sechs Wochentagen heraus, Umfang und Auflage stiegen ständig. Die damals 16-seitige Rotation entsprach nicht mehr den Qualitäts- und Kapazitätsanforderungen. Dazu brauchten die Lochband-gesteuerten Setzmaschinen mehr Raum. Jedenfalls platzte der innerstädtische Standort Ringstraße aus allen Nähten. So entschieden sich die Verleger-Familien für einen Flachbau mit je 2500 Quadratmetern Nutzfläche im Keller- und Erdgeschoss in etwa 500 Meter Luftlinie Entfernung.

Vom Blei- zum FotosatzDie Zeit der von Hand gesetzten Bleibuchstaben endete beim "Neuen Tag" im Jahr 1980 mit der Umstellung auf den technisch revolutionären Fotosatz. Schaffte ein flinker Handwerker mit dem sogenannten Winkelhaken 1500 Buchstaben pro Stunde, brachte es die einfache Setzmaschine schon auf 6000; die Schnellsetzmaschine mit Lochstreifensteuerung produzierte zuletzt 25 000 Buchstaben in der Stunde. Der computerunterstützte Fotosatz druckte 2,5 Millionen Buchstaben pro Stunde. An Bildschirmen erfolgte die Eingabe der Manuskripte; elektronische "Kommandos" sorgten für die Umwandlung in lesbare Schrift, die dann als Zeitungssatz ausgedruckt wurden. Vielen Kollegen schauert es heute noch beim Stichwort "Klebe-Umbruch" ... (cf)
Unsere Zeitung legte damit nicht nur den Grundstein "in eigener Sache" mit einer leistungsfähigen Technik (48 Zeitungsseiten in einem Durchgang mit der Option auf mehr Farbe), sondern leitete gleichsam eine städtebaulich neue Entwicklung für Weiden ein. So entstanden in strategisch günstiger Lage - am Eingang zur Innenstadt - die beiden Realschulen mit Schwimmhalle. Die komplette Umsiedlung des NT im Jahre 1977 mit dem heutigen Verlagsgebäude löste in der Nachbarschaft eine dynamische Entwicklung aus: mit dem Bau des Neuen Rathauses, der Agentur für Arbeit, des Elly-Heuss-Gymnasiums, des Parkdecks und schließlich der Max-Reger-Halle, des Hotels "Admira" und des Kreiswehrersatzamts. Quasi aus der "Retorte" wuchs der attraktive Wohnpark Naabwiesen (von der Zwei-Zimmer-Wohnung bis zum luxuriösen Penthouse). Mit der Dr.-Pfleger-Straße und später der Süd-Ost-Tangente entstanden zwei Verkehrs-Magistralen, ohne die das moderne Weiden heute undenkbar wäre.

Ewig ist nichts, immer wird Neues an die Stelle des Alten treten, besseres das Gute verdrängen: Besseres ist Fotosatz, Gutes war Bleisatz.Hans Hofmann, ehemals technischer Betriebsleiter, bei Einführung des Fotosatzes

Rotation als Schaufenster


Gerade in der Wirtschaft stellt der rasante Wandel die einzige Konstante dar. Einen technischen Quantensprung bedeutete 1980 die Umstellung unserer Zeitung vom Blei- auf den computerunterstützten Fotosatz. Gleichsam ein "Schaufenster" für innovative Drucktechnik erstellte der NT Mitte der 90er Jahre mit dem neuen Rotationsgebäude direkt gegenüber der Stadthalle. Die noch leistungsfähigere Maschine schaffte 64 Seiten in einem Druckvorgang. Vergleichbar mit der Jahrhundert-Entscheidung für die Naabwiesen ist die "Auslagerung" der gesamten NT-Technik in einen Neubau im Industriegebiet Weiden-West III (Brandweiher): Mit dem Mut der Verleger-Familien in die Zukunft der gedruckten Zeitung entstand 2011 in der Philipp-Karl-Straße eines der modernsten Druckzentren Europas.

Seit fast vier Jahrzehnten stellt das NT-Verlagsgebäude in den Naabwiesen eine ebenso vertraute wie funktionelle Dominante dar. Die seit knapp zwei Jahren laufende Kern-Sanierung und die Erweiterung schreiben das jüngste Kapitel einer spannenden Zeit- und Unternehmensgeschichte.

"Immer die Ohren offen halten"Das Blättern im Archiv weckt nostalgische Erinnerungen. Zum "unentbehrlichen Handwerkszeug des Journalisten" zählte der NT in den 70er Jahren "Schreibmaschine, Schreibzeug, Leimtopf, Schere, Lineal, Duden, Papier und Fotoapparat". Als eine "Schaltstelle" des Verlags galt bis Ende der 90er Jahre die Telefonzentrale. 1958 zählte der Chronist etwa 100 vermittelte Telefongespräche in 8 Stunden, 1977 kam er auf rund 1000 Gespräche in der gleichen Zeit. In diesem Jahr verbrauchte unsere Zeitung im Monat "für 260 000 D-Mark 250 Tonnen Papier: Bedruckt mit über 40 Millionen Zeilen aktueller Information (...) Eine kaum zu fassende Leistung moderner Technik". "Konsequent in seiner Haltung, offen in der Meinungsbildung, objektiv in der Information, im Teamwork von Redaktion und Technik lebendig und in heißer Liebe zum Metier gemacht, ist ,Der neue Tag' heute zur Institution guter Information geworden", schrieb der damalige Chefreporter und spätere Chefredakteur Horst Homberg. "Die Zeitungsschreiber müssen immer die Ohren offen halten": Diese Gedanken haben auch heute noch ihre Gültigkeit. (cf)

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