Antwort auf den tropfenden Wasserhahn
Freisprechungsfeier der Wintergesellenprüfung 2015/2016.

Ziemliche Enge herrschte in der Max-Reger-Halle bei der Freisprechungsfeier der Wintergesellenprüfung. Auszubildende in technischen Berufen beendeten ihre dreieinhalbjährige Ausbildungszeit, darunter auch "Verkürzer" in dreijährigen Ausbildungen. Bild: sbü

Wenn im Handwerk eine Ausbildung endet, ist das ein Grund zum Feiern. Aber es ist auch der richtige Zeitpunkt, um über Grundsatzfragen unseres Bildungssystems nachzudenken. Beides geschah bei der Freisprechungsfeier der Wintergesellenprüfung.

Bei der Feier für 160 Absolventen der Wintergesellenprüfung 2015/2016 begrüßte Kreishandwerksmeister Joachim Behrend als Festredner den Leiter der Privaten Berufsschule des St.-Michaels-Werks, OStR Peter Fleischmann. Da es zu einem feierlichen Anlass dieser Art sehr gut passt, über das Handwerk generell und vor allem über den Nachwuchsmangel nachzudenken, sprach der Festredner auch genau diese Themen an.

Mit dem Satz "das Studium ist für einen Meister nicht das erstrebenswerte Ziel" dürfte Fleischmann vielen Handwerkern aus der Seele gesprochen haben. Diejenigen, die mit dem Argument Durchlässigkeit der Bildungssysteme mehr junge Menschen zum Handwerksberuf bringen wollen, werden diesen Satz weniger gern gehört haben. Zustimmung von allen Seiten hatte Fleischmann dann wieder, als er den ehemaligen Arbeitsminister Norbert Blüm zitierte: "Was ist, wenn jeder die Relativitätstheorie von Einstein erklären kann, aber niemand mehr den tropfenden Wasserhahn reparieren kann?"

Beständig und sicher


Fleischmann lobte das Handwerk auch noch mit weiteren Argumenten. "Wer nach Beständigkeit und Sicherheit strebt, findet dies im Handwerk", war dazu eine Feststellung. Eine andere beschrieb, dass man im Handwerksberuf nicht nur Fachkompetenzen, sondern auch zahlreiche soziale Kompetenzen lerne. Geschätzt werden solle in der Gesellschaft, dass "in einer durch Migration geprägten Zeit in Deutschland die Berufsausbildung auch die Persönlichkeitsentwicklung ermöglicht".

Eine ähnliche Thematik sprach Oberbürgermeister Kurt Seggewiß an, als er die grundgesetzlich garantierte Berufswahlfreiheit lobte und auf die Durchlässigkeit der Bildungssysteme hinwies.

Den Höhepunkt der Freisprechungsfeier gestaltete dann Kreishandwerksmeister Behrend, als er an die Adresse der Prüfungsabsolventen sagte: "Ich spreche Sie hiermit frei von ihren Pflichten aus dem Lehrvertrag, frei von Schule und Lehrbetrieb und frei für Ihr künftiges Berufsleben als Geselle." Dann erhielten alle neuen Gesellen ihr Prüfungszeugnis. Beifall gab es für drei junge Frauen unter den 160 Absolventen überwiegend technischer Ausbildungsberufe.

Fast 94 Prozent aller Teilnehmer hatten die Prüfung erfolgreich bestanden. 8 Prüfungsbeste mit Gesamtnote 1 oder Note 1 im praktischen und mindestens Note 2 im theoretischen Teil wurden ausgezeichnet: Roland Breindl aus Berching (Spangler GmbH), Manuel Brolich aus Schwandorf (F.EE Industrieautomation), Kevin Daubenmerkl aus Grafenwöhr, Michael Götz aus Etzgersrieth und Maximilian Hacker aus Floß (alle Witron Logistic und Informatik) sowie Simon Sommer aus Tirschenreuth (SITLOG GmbH), Fabian Haberkorn aus Erbendorf (Wolfgang Haberkorn Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister) und Michael Pinter aus Waidhaus (Töppel Komplettbau).

Viele Ehrengäste


Den Dank der Prüflinge übermittelte Kevin Daubenmerkl. Unter den vielen Ehrengästen waren der Landrat des Kreises Neustadt/WN, Andreas Meier, und der stellvertretende Landrat des Kreises Tirschenreuth, Roland Grillmeier. Die musikalische Begleitung erfolgte durch das Bläserensemble der Musikschule Vierstädtedreieck Pressath unter Leitung von René-Pascal Bauer.
Was ist, wenn jeder die Relativitätstheorie von Einstein erklären kann, aber niemand mehr den tropfenden Wasserhahn reparieren kann?Oberstudienrat Peter Fleischmann zitiert den früheren Arbeitsminister Norbert Blüm
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