AOK investiert in Weiden rund sieben Millionen Euro
AOK wächst aufs Eckgrundstück

Blick von der Bahnhofstraße, Einmündung der Frauenrichter Straße, auf das künftige AOK-Gebäude, das als großer Neubau das seit 1958 genutzte eigene Haus ersetzt, aber auch den bisherigen provisorischen Parkplatz an der Weigelstraße nutzt. Entwurf: H2M-Architekten, Kulmbach

Seit Jahren verhandelt die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) in Weiden mit den Eigentümern des Nachbar-Grundstücks. Nun endlich sind die Kaufverträge unterschrieben. Das Eckgrundstück, auf dem einst die Kronen-Apotheke stand, eröffnet der "Gesundheitskasse" neue Perspektiven.

Schon vor Jahrzehnten verschwand die Kronen-Apotheke auf dem Eckgrundstück Bahnhof-Weigelstraße. Was blieb, war ein provisorischer Parkplatz - mit Hähnchen- und Brezenstand - und freiem Blick auf die lange, nackte und fensterlose Brandwand der AOK. Kein Schmuckstück.

Dies soll sich nun möglichst schnell ändern, bestätigt AOK-Direktor Jürgen Spickenreuther: Am Freitag konnte die AOK das 733 Quadratmeter große Eckgrundstück von den Eigentümern erwerben. Und damit ist der Weg frei für die Großinvestition von rund sieben Millionen Euro.

Die AOK wird nämlich nicht nur das Eckgrundstück bebauen, sondern auch das bisher genutzte Gebäude, das sich von der Bahnhof- bis in die Hochstraße zieht, komplett abräumen. Damit stehen für den vom Kulmbacher Architekturbüro H2M geplanten Neubau über 2420 Quadratmeter Baugrund zur Verfügung. Mit der "Zukunftsentscheidung", so Spickenreuther, setze die AOK ein "klares und deutliches Signal". "Wir bleiben bei unseren Versicherten und wir bleiben in Weiden."

Der aufwendige, moderne Neubau der Hauptgeschäftsstelle, die zugleich Sitz der Vertriebsregion Oberpfalz sei, dokumentiere, dass die AOK an den Standort Bahnhofstraße glaube. Das gesamte Bahnhofsareal werde wieder zunehmend an Attraktivität und Bedeutung gewinnen. "Das Potenzial dieses Standorts und die Frequentierung werden wachsen. Auch aus Sicht des Marketings sollte die AOK in Weiden deutlich wahrgenommen werden", sagt Spickenreuther, der zugleich die Vorteile der Lage in der Nähe zu Banken, Dienstleistern, Bundesagentur für Arbeit, Rathaus und Altstadt rühmt. Das Projekt mache die Unternehmenswerte authentisch erlebbar. Die fundierte Planung - "eben kein Flickwerk kurzfristiger Schnelllösungen"- erlaube es, eine "zukunftsfähige und Identitätsstiftende Immobilie" zu entwickeln. Während der etwa zweijährigen Bauphase werden die Mitarbeiter auf Ausweichquartiere umgesiedelt. "Kundenintensive Bereiche sollen in der Innenstadt bleiben."

Gewinn auch für die Stadt


Angemerkt von Josef Johann Wieder

Viele sehen die Bahnhofstraße auf der Krankenstation: Leerstände, unter- und ungenutzte Grundstücke. Eindeutige Zeichen von „Trading-down“, vom Niedergang des Handels. Immer wieder brechen Geschäfte weg. Geradezu ins Koma zu führen schien die Ansiedlung der ungeliebten Casinos, der Spielhöllen. Denn wer damit nichts zu tun haben will, meidet diese Bereiche. Und das ist der Tod jeder Einkaufsstraße.

Aber die Chancen für den Patienten, wieder zu gesunden, werden immer besser: Die AOK packt selbst das Medikament aus, das helfen kann. Sie investiert, nimmt sieben Millionen Euro in die Hand, um mit einem großen Projekt auch das seit Jahrzehnten verwaiste Nachbargrundstück zu bebauen. Ein Gewinn für die Gesundheitskasse und vor allem auch für die Stadt, denn eine wichtige Stelle – eine Schlüsselposition – wird aufgewertet und ungleich attraktiver gestaltet.
Die AOK glaubt an den Standort Bahnhofstraße. Mit ihrer (Finanz-)Spritze leitet sie selbst den Heilungsprozess ein. Allerdings kann sie nicht auf sich allein gestellt für die Gesundung sorgen. Auf dem Weg zur Besserung sind auch andere Lagen in der Bahnhofstraße, etwa das Lang-Areal und das Hauck-Quartier. Auch hier sind Investoren am Werk, die die Bahnhofstraße aus ihrem Dämmerzustand reißen können.

"Marktführer bei den Krankenkassen"Seit über 100 Jahren und fast 60 Jahre am Standort in der Bahnhofstraße besteht die AOK in Weiden als eine der größten Krankenversicherungen in der Region. Fast ein Drittel der Bevölkerung, rund 52 000 Menschen, werden persönlich durch die rund 110 Mitarbeiter in Weiden betreut.

Zudem ist die Hauptgeschäftsstelle inzwischen telefonischer Ansprechpartner für 188 000 Kunden in der mittleren und nördlichen Oberpfalz, erläutert Direktor Jürgen Spickenreuther, der die konkreten Planungen für die AOK-Hauptgeschäftsstelle gegenüber dem Verwaltungsrat und dem Vorstand angestoßen und begründet hat.

Trotz des digitalen Zeitalters und des Internets schätzen die Versicherten den persönlichen Ansprechpartner ganz in der Nähe, so die Erfahrung. Auch um den klar formulierten Anspruch als "die Gesundheitskasse" gerecht zu werden, seien Anpassungen nötig. Die bisher genutzte Immobilie entspreche weder funktional noch baulich den Kunden- und Fachkräfteerwartungen. "Es ist ein grundlegender Umbau nötig. Es stehen dringende, nicht länger aufschiebbare und sehr kostenträchtige Baumaßnahmen an."

Der Erwerb der Nachbarfläche mache nun die Verwirklichung der besten Alternative, nämlich einen gänzlichen Neubau, "noch dazu am gewohnten Standort", möglich, so Spickenreuther. (wd)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.